www.hiergeblieben.de

Neue Westfälische - Bünder Tageblatt , 04.05.2021 :

Leserbrief / Ein patriarchalisches Relikt

Zur Debatte um die Lettow-Vorbeck-Straße, die NW berichtete mehrfach, äußert sich diese Leserin:

Als ehemalige Geschichtslehrerin bin ich mit dem jetzigen Zustand der Beschilderung der Lettow-Vorbeck-Straße sehr zufrieden. Das Straßenschild hat eine Zusatztafel erhalten, die Lettow-Vorbeck als Teilnehmer am rechtsradikalen Kapp-Putsch 1920 gegen die damals noch sehr junge Weimarer Republik ausweist und darüber informiert, dass er Teilnehmer am Völkermord an den Hereros und Namas war. Ich bin der Ansicht, dass man sich seiner Übeltaten im Leben erinnern sollte.

Dabei geht es weniger um den Lettow-Vorbeck, der leider kein Vorbild war. Es geht um die Menschen, die ihn unbedingt ehren wollten und ihre deutschnationalen und völkischen Absichten hinter dieser Ehrung verstecken wollten.

Diese Ehrung hat aber noch einen anderen Aspekt. Sie ist ein zutiefst patriarchales Relikt. Geehrt werden in der Regel nur Männer, weil in der Vergangenheit leider nur Männer öffentliche Ämter inne hatten. Es gibt seltene Ausnahmen im Promille-Bereich, Käthe Kollwitz und Berta-von-Suttner zum Beispiel. Als Frau auf einem Denkmal zu landen gelingt gar nur als Mutter Gottes.

Fazit: Frauen haben von dieser Art der Ehrung und auch von der Diskussion um den Straßennamen gar nichts. Die an der Diskussion beteiligten Herren haben wohl die Hoffnung, selbst als Ehrung einen Straßennamen zu bekommen und dann nicht neben Lettow-Vorbeck zu hängen.

Angela Holstiege
Bünde

_______________________________________________


Neue Westfälische - Bünder Tageblatt, 30.04.2021:

Statt Lettow-Vorbeck: Wie wäre es mit "Nelson-Mandela-Straße"?

Bei einer Online-Veranstaltung machten sich vorwiegend Lokalpolitiker Gedanken über einen neuen Namen für die Lettow-Vorbeck-Straße / Auch Schulen will man an der Namensfindung beteiligen

Gerald Dunkel

Bünde. "Der General muss weg!" war der Vortrag überschrieben, den die promovierte Historikerin Barbara Frey aus Bielefeld bei einer Online-Veranstaltung der Grünen in Bünde in dieser Woche hielt. 28 Personen - ein Großteil davon lokalpolitisch bei Grünen, SPD und Linkspartei aktiv - nahmen daran teil.

Von den Ratsfraktionen dieser drei Parteien geht die erneute Initiative aus, die Lettow-Vorbeck-Straße umzubenennen. Sie sagen: "Eine Person, die auf Grund eines rassistischen Überlegenheitsgefühls im Ersten Weltkrieg Raub und Terror nach Afrika brachte und sich als Wegbereiter des Nationalsozialismus hervortat, verdient es nicht, Namensgeber einer Straße unserer Stadt zu sein."

In dem Webinar fasste man aber auch neue Namensgeber ins Auge. Man will zwar den Kolonialismus nicht aus dem geschichtlichen Gedächtnis verdrängen, aber dafür eher Opfer oder Größen einer Gegenbewegung zu den Kolonialherrschern in einem künftigen Straßennamen wiederfinden.

Der Vortrag von Barbara Frey zeigte, wie lange man Paul von Lettow-Vorbeck auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch in Deutschland verehrte. So wurde der Kommandeur der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika im Ersten Weltkrieg nach seinem Tod 1964 vom damaligen Bundesverteidigungsminister Kai-Uwe von Hassel als "eine der großen Gestalten, die das Recht in Anspruch nehmen dürfen, Leitbilder genannt zu werden", geehrt.

General wurde in Deutschland lange gewürdigt

Auch Heinrich Lübke, der damalige Bundespräsident, würdigte Lettow-Vorbeck als "ein leuchtendes Beispiel meisterhafter Kriegskunst, ritterlichen Kampfes und edler menschlicher Gesinnung". An eine edle und menschliche Gesinnung sei im Zusammenhang mit Lettow-Vorbeck aber nun gar nicht zu denken, so Frey, die die Initiative der drei Fraktionen begrüßt, die Lettow-Vorbeck-Straße in Bünde umzubenennen. "Auch in anderen Städten hat das erst im zweiten Anlauf geklappt", sagte die Historikerin.

In Bünde debattierte man 2017 und 2018 lange darum. Eine Umfrage der Stadt Bünde unter den Anwohnern ergab aber, dass ein Großteil den Straßennamen behalten wollte. Damals lehnte eine Mehrheit schließlich auch in der Bünder Politik eine Umbenennung ab. "Wir sollten an unserer Erinnerungskultur arbeiten, anstatt zu versuchen, unliebsame Zeugnisse der Zeit aus unserer Gegenwart zu verbannen", sagte damals CDU-Fraktionschef Martin Schuster. Doch nach der Kommunalwahl sehen die Mehrheitsverhältnisse etwas anders aus und SPD, Grüne und die Linkspartei könnten eine Umbenennung durchdrücken, was man eigentlich gar nicht will. Man möchte überzeugen, so Arndt Settnik in dem Webinar.

Schulen sollen an Namensfindung beteiligt werden

Der in Namibia aufgewachsene Bundestagsabgeordnete Ottmar von Holtz (Grüne) wohnte der Online-Veranstaltung ebenfalls bei und berichtete aus seiner Kindheit. Er findet, dass die deutsche Kolonialzeit in den Schulen zu wenig bekannt sei und begrüßt, dass nun erneut die Initiative ergriffen wird, Lettow-Vorbeck als Namensgeber einer Straße zu streichen. Auch Johanna Gawin, eine Schülerin der Q1 an der Erich-Kästner-Gesamtschule, würde es begrüßen, wenn die Kolonialzeit auch im Unterricht mehr in den Fokus gerückt würde. "Das Interesse besteht", sagte sie.

Unter den Teilnehmern der Veranstaltung fielen bei einer Schnellumfrage auch die ersten Vorschläge für einen neuen Namen für die Lettow-Vorbeck-Straße. Stefanie Janßen-Rickmann dachte beispielsweise an die "Herero-Straße". Lettow-Vorbeck war - wenn auch indirekt als Adjutant des Generalleutnants Lothar von Trotha - am Völkermord an rund 75.000 Herero beteiligt. Ute Fröhlich schlug Nelson Mandela als Namensgeber vor, auch wenn der keinen direkten Bezug zur deutschen Kolonialzeit hatte, aber für Befreiung steht.

Grünen-Ratsmitglied Arndt Settnik, der die Veranstaltung moderierte, betonte, dass es wichtig sei, auch die Schulen in die Namensgebung miteinzubeziehen - vielleicht sogar als Projektarbeit. Auch Thorsten Beuß (Die Linke) regte an, dass sich auch die nächste Generation an der Namensfindung beteiligen solle, "damit Geschichte nicht in Vergessenheit gerät". Auch in Bielefeld hätten Schüler maßgeblich und erfolgreich Anteil an der Umbenennung von Straßen, sagte Historikerin Barbara Frey.

Im Verkehrsausschuss am Mittwoch, 5. Mai, wird der Antrag auf der Tagesordnung stehen.

Bildunterschrift: Lettow-Vorbeck-Straße mit Zusatzschild als Info. So soll es nach Meinung von Grünen, SPD und Linke nicht bleiben. Nun vertreten sie die Mehrheit im Stadtrat und könnten eine Umbenennung durchsetzen. Doch sie wollen zunächst auf Information setzen.

Bildunterschrift: Historikerin Dr. Barbara Frey aus Bielefeld informierte über Lettow-Vorbeck.

Bildunterschrift: Bundestagsabgeordneter Ottmar von Holtz (Grüne) wuchs in Namibia auf.

_______________________________________________


- Dienstag, 27. April 2021 um 19.00 Uhr -


Online-Diskussion: "Der General muss weg!"

Mit der Historikerin Dr. Barbara Frey und dem Bundestagsabgeordneten Ottmar von Holtz (Bündnis 90 / Die Grünen) anlässlich der Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" in der Stadt Bünde


Interessierte können per E-Mail an

info@gruene-buende.de

einen Link anfordern, mit dem sie bei der Online-Diskussion zuhören und / oder mitreden können.


Verbrechen, die unter anderen von Deutschen in Afrika zur Zeit des Kolonialismus um 1900 begangen wurden, werden leider bis heute verharmlost. So können Bünderinnen und Bünder auch im Jahr 2021 noch über eine "Lettow-Vorbeck-Straße" fahren. Benannt nach einem preußischen Offizier, der Raub und Terror nach Afrika brachte.

Am 12. April 2021 forderten die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD sowie Die Linke im Rat der Stadt Bünde in einem gemeinsamen Antrag die Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße". Am 19. April 2021 legte die Bürgermeisterin gemäß diesen Antrags einen Beschlussvorschlag zur Umbenennung der Straße vor, der am 5. Mai im Verkehrsausschuss und abschließend am 18. Mai 2021 im Rat beschlossen werden soll.

Die Bielefelder Histo­ri­kerin Dr. Barbara Frey wird zunächst kurz die Person Lettow-Vorbeck geschicht­lich einordnen und weitere regionale Bezüge des Kolonialismus aufzeigen. Danach kann insbesondere die Frage debattiert werden, ob ein neuer Straßenname wieder einen kolonialen Bezug haben sollte. Hierzu stellt der selbst in Namibia geborene Bundestagsabgeordnete Ottmar von Holtz das Vorgehen in anderen Städten vor und kann auch eine profunde Einschätzung zu dementsprechenden Namensvorschlägen geben.


Veranstalterinnen:

Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD und Die Linke im Rat der Stadt Bünde.

_______________________________________________


Am 18. Mai 2021 berät der Rat der Stadt Bünde einen Beschlussvorschlag (Sitzungsvorlage 127/2021) der Bürgermeisterin Susanne Rutenkröger vom 19. April 2021 zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße".

Am 5. Mai 2021 berät der Verkehrsausschuss der Stadt Bünde, den Antrag der Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD, sowie Die Linke (vom 12. April 2021), zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße".

Am 27. April 2021 luden die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD und Die Linke im Rat der Stadt Bünde zur Diskussion mit Barbara Frey, Ottmar Holtz, zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" ein.

Am 19. April 2021 legte die Bürgermeisterin der Stadt Bünde einen Beschlussvorschlag zur Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" (Sitzungen: Verkehrsausschuss am 5. - sowie des Rat am 18. Mai 2021) vor.

Am 12. April 2021 forderten die Fraktionen von Bündnis 90 / Die Grünen, SPD sowie Die Linke (im Rat der Stadt Bünde) in einem - gemeinsamen - Antrag die Umbenennung der "Lettow-Vorbeck-Straße" in Bünde.

_______________________________________________


https://buende.ratsinfomanagement.net

www.gruene-buende.de/2021/04/16/der-general-muss-weg-gruene-linke-und-spd-stellen-antrag-auf-umbenennung


zurück