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Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land ,
03.05.2021 :
Lautstarker Protest mit Autokorso gegen Corona-Vorschriften
Dutzende Autofahrer haben gegen die geltenden Corona-Maßnahmen protestiert / In den Autokorso reihten sich auch Fahrer aus dem Mühlenkreis ein / In Lübbecke verdreifachte sich die Zahl demonstrierender Eltern
Sandra Spieker, Joern Spreen-Ledebur, Frank Hartmann
Bad Essen / Lübbecke. Dutzende Bürger haben am Samstag in Pr. Oldendorfs Nachbargemeinde Bad Essen (Landkreis Osnabrück) gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. In den Autokorso, der auf dem Platz vor dem ehemaligen Parkhotel startete und dann durch das Gemeindegebiet rollte, reihten sich auch zahlreiche Autofahrer aus dem Kreis Minden-Lübbecke ein. Neben Autofahrern aus dem Landkreis Osnabrück waren außerdem Autofahrer aus den Landkreisen Diepholz, Steinfurt, Herford und aus der Stadt Münster dabei.
Die Kundgebung war von einer Bad Essener Bürgerin angemeldet worden, die Polizei war vor Ort. Angemeldet worden seien 100 Fahrzeuge, hieß es seitens der Veranstalter. "Wir rechnen mit 20. Es kommen einige." Die Fahrzeuge wurden von Ordnern auf dem Parkplatz eingewiesen, der angesichts der großen Resonanz aber schnell belegt war. Geschätzt waren es schließlich 75 Fahrzeuge, die sich in den Autokorso einreihten.
Vor allem jüngere Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren waren dabei. Einige hatten Schilder dabei, auf denen sie von "Corona Lüge" sprachen und das mit dem Zusatz "Abwahl" versehen hatten. Aus einem Auto dröhnte "Steckt euch eure Ausgangssperre in den A... ". Bei zwei Fahrzeugen waren Transparente über die Motorhauben gespannt. "Maske runter, Gehirn an" war auf einem zu lesen. Der Spruch "Wir sind hier und laut" auf dem anderen Transparent erinnerte an einen Slogan der Umweltbewegung "Fridays for future" ("Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.").
Eltern an B 65 fordern: "Finger weg von unseren Kindern"
Besonders redselig gegenüber Medien waren die angesprochenen Teilnehmer der Kundgebung nicht. Ein Teilnehmer bezeichnete öffentlich-rechtliche Medien als "geschmiert" und wandte sich dann ab. "Wir wollen ein Zeichen setzen gegen das, was die Regierung mit uns macht", hieß es aus den Reihen der Organisatoren. Das sage eigentlich alles. Er verfolge aufmerksam die Berichte über die Friedens-Spaziergänge in Espelkamp, sagte ein anderer Teilnehmer. Er komme aus Bad Essen, sei aber gedanklich der Aktion in Espelkamp verbunden.
Die Polizei Osnabrück sprach von 50 Fahrzeug, die zu Beginn der Aktion dabei waren. Sie seien mit ein bis zwei Personen besetzt gewesen, sagte eine Polizeisprecherin. Im Lauf der Rundfahrt seien 25 weitere Autos dazu gestoßen.
Die Autofahrer hätten durch Hupen auf sich aufmerksam gemacht. Die Polizeisprecherin sprach von einem ruhigen Fahrtverlauf. Kurzfristig habe es Straßensperrungen, aber keine Zwischenfälle gegeben. Nach der Rückkehr hätten die Veranstalter zur Einhaltung der Corona-Regelungen aufgerufen und die Versammlung dann aufgelöst.
Unter dem Motto "Finger weg von unseren Kindern" war für Sonntag ein weiteres Mal zu einer Menschenkette an der Kreuzung B 239 / B 65 in Lübbecke aufgerufen worden. Wie schon am vorigen Sonntag hieß es in einem in Sozialen Medien kursierenden Aufruf, Zollstöcke und Masken seien mitzubringen. Anders als vorige Woche war im Aufruf dieses Mal aber nicht von einem faschistischen Staat und angeblichen medizinischen Tests an Kindern die Rede.
Im aktuellen Aufruf verwiesen die namentlich nicht genannten Organisatoren auf die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen und erwähnten Rechte auf Datenschutz und Anonymität sowie das Recht auf Bildung. Zudem habe jedes Kind das "Recht auf Information und Beteiligung an allen Entscheidungen, die es direkt oder indirekt betreffen".
Am vergangenen Sonntag hatten knapp 50 Menschen an der Bundesstraßen-Kreuzung still gegen Corona-Maßnahmen protestiert - vor allem gegen die Test-Pflicht an den Schulen und die Masken-Pflicht auch für Kinder. Die Polizei war mit rund 40 Beamten vor Ort.
Das war dieses Mal völlig anders: Die Zahl der demonstrierenden Eltern betrug nach Angaben der Polizei rund 160 und hat sich damit innerhalb eine Woche ungefähr verdreifacht. Ihnen standen deutlich weniger Polizisten gegenüber als in der Vorwoche. Es fehlten beispielsweise unterstützende Einsatzkräfte aus Bielefeld.
Neu war zudem, dass die Teilnehmer des erneut unangemeldeten Protests sich auf alle vier Bürgersteige entlang der Bundesstraßen-Kreuzung verteilten. Einige von ihnen hatten ihre Hunde, Klappstühle und Thermoskannen mit heißen Getränken mitgebracht und wirkten auf der angrenzenden Wiese, als wollten sie picknicken. Eine auf Grund der hohen Teilnehmerzahl der Veranstaltung vorgeschriebene Schutzmaske trug keiner von ihnen. Und sie machten - im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern - auch nach Ansprache durch Polizisten keine Anstalten, das zu ändern.
Bildunterschrift: Zahlreiche Kritiker der Corona-Maßnahmen trafen sich in Bad Essen zum Autokorso. Mit Hupen und auch einzelnen Schildern und Transparenten an Fahrzeugen machten sie auf ihre Meinung aufmerksam.
Bildunterschrift: Insgesamt 75 Fahrzeuge, darunter eine ganze Reihe aus Ostwestfalen, beteiligten sich an dem von Polizeiwagen begleiteten Autokorso.
Bildunterschrift: Mit rund 160 Menschen war die Resonanz der Aktion an der Kreuzung B 239 / B 65 in Lübbecke deutlich größer als in der Vorwoche.
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Neue Westfälische - Zeitung für das Lübbecker Land, 26.04.2021:
Immer mehr "Friedensspaziergänger"
Am Samstag kamen in der Espelkamper Innenstadt 280 Menschen zusammen, darunter Familien mit Kindern / In Lübbecke war die Kreuzung B 65 / B 239 Ziel einer Protestaktion / Autokorso für den 1. Mai angekündigt
Karsten Schulz, Frank Hartmann
Espelkamp / Lübbecke/ Pr. Oldendorf. Bereits zum sechsten Mal trafen sich Corona-Kritiker aus der gesamten Region in Espelkamp, um an einem so genannten "Friedensspaziergang" teilzunehmen. An dem gut organisierten und angemeldeten Marsch durch die Innenstadt nahmen nach Angaben der Polizei und des Espelkamper Ordnungsamtes rund 280 Menschen teil, darunter befanden sich etwa 55 Kinder. Dies ist wiederum mehr als beim vorhergehenden "Spaziergang".
Der Zug stellte sich gegen 15 Uhr am Samstag am Borås-Park auf und verlagerte sich an die Breslauer Straße, um schließlich auf dem Wilhelm-Kern-Platz direkt zwischen Rathaus und Bürgerhaus mit einer Kundgebung den Höhepunkt zu erreichen. Dort gab es musikalische Darbietungen und verschiedene Redebeiträge, die sich vor allem mit Auswirkungen der Corona-Bestimmungen auf Kinder, Schüler und Familien auseinandersetzten. Die Redner kritisierten vor allem die Test-Pflicht für Schülerinnen und Schüler und sprachen unter anderem von einer "Test-Diktatur".
Die Polizei musste nicht einschreiten. Im Vergleich zum vorhergehenden "Friedensspaziergang" brauchten keine Verwarnungen oder sogar Anzeigen wegen des Nichttragens eines Nasen- und Mund-Schutzes erlassen werden, wie Polizeisprecher Ralf Steinmeyer mitteilte. Der "Friedensspaziergang" sei im Vorfeld ordnungsgemäß bei der Kreispolizeibehörde angemeldet worden. Alles sei "friedlich und störungsfrei" verlaufen. Die Polizei habe sich im Hintergrund und gehalten und den Demonstrationszug abgesichert, so Steinmeyer.
Fast so viele Polizisten wie stille Protestierer an der Bundesstraße
Die Redner informierten darüber, dass sich die Protestwelle gegen die Corona-Bestimmungen weiter erhöhe und freuten sich darüber, dass es jetzt auch in Rahden eine Initiative gebe, die sich jetzt regelmäßig freitags treffe.
Am Sonntagmittag gegen 13 Uhr war die Kreuzung der Bundesstraßen B 65 und B 239 in Lübbecke das Ziel von Kritikern einiger Corona-Maßnahmen der Politik. Etwa 45 Väter und Mütter, Großeltern und Kinder aus mehreren Kommunen des Lübbecker Landes standen ohne Plakate oder Transparente in einer Reihe auf dem Bürgersteig, um ihren stillen Protest auszudrücken - insbesondere gegen die seit Kurzem geltende Schnelltest-Pflicht an den Schulen und die Masken-Pflicht für Kinder. Signale, die offenbar als Ermutigung oder Zustimmung gemeint waren, kam von mehreren Autofahrern, die winkten und hupten, als sie auf der B 65 an der Menschenkette vorbei fuhren.
"Es geht darum, die Alten und die Schwachen zu schützen", sagte eine junge Frau. Vor allem die Kinder kämen zu kurz. Unter Tränen schilderte sie, wie sehr die Jungen und Mädchen unter der Situation litten und verlangte Schulunterricht ohne Masken. Auf Nachfrage sagte sie, bei den Teilnehmern der Menschenkette, die mit ausgeklappten Zollstöcken den Mindestabstand sicherstellten, handele es um keine organisierte oder feste Gruppe.
Einige Meter weiter stand eine ältere Frau, die erzählte, sie sei bereits am Samstag beim "Friedensspaziergang" in Espelkamp dabei gewesen. Neben ihr hatte sich eine Mutter mit ihren beiden Kindern im Grundschulalter platziert. "Die Tests in der Schule sollten freiwillig sein", sagte sie und forderte "Selbstbestimmung" für ihre Kinder.
Diese Haltung vertrat auch ein Paar. Er komme aus dem Osten und habe schlechte Erfahrungen mit der Stasi gemacht, auch im Gefängnis in der DDR gesessen, sagte der Mann, der die Anwesenheit mehrerer Mannschaftswagen und der - geschätzt - etwa 40, von Einsatzkräften aus Bielefeld unterstützten Polizisten als "Drohkulisse" empfand. Seine Frau bezeichnete, wie andere Teilnehmer auch, die Berichterstattung der Medien als "einseitig" und als "Panikmache" und behauptete, die Krankenhäuser verdienten gut an der Corona-Pandemie.
Nach gut einer halben Stunde traten mehrere Polizisten vor die stillen Protestierer und sprachen sie in kleinen Gruppen an. Es seien "Aufklärungsgespräche" gewesen, fasste Lübbeckes Wachleiter Frank Meier anschließend zusammen. Denn auch wenn die Versammlung nicht angemeldet worden sei, handele es sich trotzdem um eine Versammlung, bei der es Rechte und Pflichten gebe: "Darüber haben wir informiert", so Meier.
Auf die Frage, warum die Polizei in dieser Stärke vor Ort sei, erklärte Meier, dass sich vergangenen Sonntag mehr als doppelt so viele Menschen in Lübbecke getroffen hätten. Daraus sowie aus dem Ort der Versammlung leite sich eine "große Unwägbarkeit" der Aktion ab. Die Beamten seien vor Ort, um die Teilnehmer zu schützen.
In einem Fall wurden Personalien aufgenommen. Der Mann habe sich zunächst geweigert, eine Maske zu tragen, obwohl dies bei mehr als 25 Personen vorgeschrieben sei. Deshalb habe die Polizei Amtshilfe für das Ordnungsamt Lübbecke geleistet, erläuterte Meyer, nachdem die Menschenkette sich gegen 14 Uhr weitgehend aufgelöst hatte und die Polizisten sich nach und nach zurückzogen.
In der Facebook-Gruppe "Lübbecke interessiert mich!" gab es am Samstag einen Aufruf, sich an einem Autokorso in Pr. Oldendorfs Nachbarstadt Bad Essen zu beteiligen. Unter dem Motto "Es reicht!" waren Autofahrer dazu aufgerufen, sich gegen die Corona-Politik der Regierung zu wehren, die angeblich macht, was sie will, so der anonyme Organisator der Protest-Fahrt.
Am Sonntag war der Post gelöscht. Aber nicht von dem Mitglied der Gruppe, das den umstrittenen Aufruf geteilt hatte. Sondern von einem der Administratoren, wie sie auf NW-Nachfrage bestätigten. Hintergrund der Löschung waren demnach die mehr als 20 Kommentare von anderen Gruppenmitgliedern, bei denen die geplante Protest-Fahrt keinerlei Unterstützung fand. Im Gegenteil: Es gab heftige Kritik an dieser als völlig verfehlt betrachteten Form des Protests. Auch Rechtschreibfehler in dem Aufruf ("Seit dabei") wurden kritisiert.
Bildunterschrift: Vor dem Rathaus am Wilhelm-Kern-Platz in Espelkamp gab es am Samstag eine Kundgebung von Corona-Kritikern, die auch mit einigen musikalischen Beiträgen gewürzt war. Vorn rechts zu erkennen ist einer der Organisatoren, Udo Neikes.
Bildunterschrift: Die Teilnehmer applaudierten den Rednern vor dem Rathaus. Viele Familien brachten ihre Kinder und selbst entworfene Plakate mit.
Bildunterschrift: Lübbecke B 65: Nach gut einer halben Stunde suchten die aus Bielefeld unterstützten Polizisten das Gespräch.
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Am 2. Mai 2021 führten etwa 160 Personen (Eltern) - völlig ohne Mund-Nasen-Schutz - an der Kreuzung B 65 / B 239 (Lübbecke) eine erneut nicht angemeldete Aktion gegen die Corona-Schutzmaßnahmen durch.
Am 25. April 2021 führten 45 Personen an der Kreuzung B 65 / B 239 (Lübbecke) eine nicht angemeldete Aktion gegen die Corona-Schutzmaßnahmen durch, zwölf Anzeigen (Verstoßes gegen die Masken-Pflicht).
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