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Mindener Tageblatt , 24.02.2020 :

Durchgeblättert / Stille Beobachter

Henning Wandel

Als die Organisatoren eine halbe Stunde vor Beginn der Mahnwache noch mit Musik von den Ärzten und den Toten Hosen die Lautsprecheranlage testen, ist nicht absehbar, wie der Kleine Domhof wenig später aussehen wird. 300 Personen sind für die "Mahnwache gegen den Rechtsruck" angemeldet. Die Polizei rechnet zu diesem Zeitpunkt schon vorsorglich mit 1.000 Menschen - und liegt auch damit noch deutlich zu niedrig.

Nervös wirken die Beamten trotzdem nicht. Auch mit 2.000 Menschen hätte er kein Problem, sagt der Einsatzleiter. Dass es wirklich so viele werden könnten, scheint in dem Moment aber unrealistisch. Am Ende dürften es mindestens 1.500 gewesen sein, vielleicht auch 2.000. Was aber noch wichtiger ist als die bloße Zahl: Es haben sich nicht nur die bekannten Gesichter eingefunden, sondern ein Querschnitt durch die Stadtgesellschaft: Junge, Alte, Frauen, Männer, Familien, mit Plakaten oder ohne.

"Wenn ich keinen Dienst hätte, wäre ich privat hier", sagt ein Polizist am Rande der Veranstaltung. Wahrscheinlich hat er sich in seiner Funktion trotzdem den Applaus verkniffen, so wie auch wir Journalisten es in solchen Fällen tun. Berufliche Distanz ist ein hohes Gut. Teil der Gesellschaft sind wir trotzdem - und an solchen Tagen ist das auch im Stillen ein gutes Gefühl.

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