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Neue Westfälische - Höxtersche Kreiszeitung , 24.02.2020 :

Die Zerstörung des Viadukts

Vor 75 Jahren warfen Flieger der Alliierten Bomben auf Altenbeken / Wenige Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs starben 29 Menschen / Ein Mahnmal erinnert an die Geschehnisse

Altenbeken. Vor 75 Jahren heulten die Luftschutzsirenen in Altenbeken mehrmals. "Gegen Mittag wurde der Westteil des Bahnhofsgebäudes von Bomben zerstört - und am Nachmittag nahmen Flugzeuge der alliierten Truppen den Viadukt ins Visier", erinnert sich Altenbekens Ortsheimatpfleger Rudolf Koch an den 22. Februar 1945. Die Eisenbahnbrücke wurde zerbombt und damit auch eine der wichtigsten Nachschubstrecken zur deutschen Westfront unterbrochen. Bei den Angriffen starben in Altenbeken laut Aufzeichnungen insgesamt 29 Menschen. Beim Angriff auf den Bahnhof wurden schwere Dampflokomotiven von den Gleisen gerissen, ein Stellwerk fiel zusammen - und auch in der Ortwaldstraße, der Bahnhofstraße, der Sagestraße, am Schwarzen Weg und am Bokelweg stürzten mehrere Häuser ein. Zehn Tote lagen unter den Trümmern und 100 Menschen wurden verwundet, so ist es in der Ortschronik festgehalten.

"Als die Sirene um 15.09 Uhr Entwarnung gab, atmete man auf", kann sich Koch noch entsinnen. Als fast Zehnjähriger suchte er mit seiner Familie und mehr als 100 Altenbekenern in einem Bunker Schutz. Doch nur wenig später war erneut Fliegeralarm. "Der zweite Angriff war mit sehr schweren Bomben. Die Erschütterungen waren im Bunker zu spüren. Es wurde viel gebetet und wir hatten Angst", beschreibt Koch die Zeit im Bunker. Bei den vorausgegangenen Angriffen vom 26. und 29. November 1944 war der Viadukt bereits zerstört worden, am 10. Februar 1945 konnte er aber wieder notdürftig befahren werden. "Doch kaum war der erste Zug wieder über das zügig geflickte Bauwerk gedampft, wuchs die Angst in der Bevölkerung vor einem erneuten Angriff", so Koch.

Insgesamt 16 der mehr als fünf Tonnen schweren Fliegerbomben stürzten auf die angeschlagene Brücke herab. Eine Bombe verschüttete einen Stollen. Sieben junge Flakhelfer und zwölf Zwangsarbeiter starben dabei. Ein Mahnmal in der Nähe des Viadukts erinnert heute an die Geschehnisse vor 75 Jahren. "Viele Menschen, die hier Schutz suchten, wurden getötet. Gedenket der Opfer. Nie wieder Krieg", steht dort geschrieben.

Bildunterschrift: Beim ersten Angriff am 22. Februar wird der Bahnhof ins Visier genommen. Auch Dampfloks werden aus den Gleisen gerissen.

Bildunterschrift: Der gerade erst notdürftig reparierte Viadukt wird am 22. Februar 1945 durch fünf Tonnen schwere Fliegerbomben erneut zerstört.


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