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Westfalen-Blatt / Bad Oeynhausener Zeitung , 10.02.2020 :

Kinoreihe startet in Gedenkstätte

Porta Westfalica (WB). Die KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica startet am Mittwoch, 12. Februar, mit einer Kinoreihe. Die Filme haben alle einen Bezug zum Nationalsozialismus, zu Rechtsextremismus und Ideologisierung. Informationen über alle Veranstaltungen dieses Projektes sind im Internet unter www.erinnern-gedenken-handeln.de zu finden.

Gestartet wird am 12. Februar mit dem Film "Kästner und der kleine Dienstag", der unter der Regie von Wolfgang Murnberger mit Florian David Fitz, Nico Kleemann und Jascha Baum in den Hauptrollen entstanden ist. Als 1931 "Emil und die Detektive" verfilmt wird und seinen Schöpfer zu einem berühmten Mann macht, entwickelt sich eine Freundschaft zwischen dem kinderlosen Schriftsteller und dem vaterlosen Hans. Diese Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt, als Kästners Bücher verboten werden und aus dem kleinen Hans ein "Primaner in Uniform" wird. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr im Bürgerhaus Porta Westfalica, Am Park 1, Porta Westfalica-Hausberge. Der Eintritt ist frei.

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Mindener Tageblatt, 30.01.2020:

Erinnern und handeln

75 Jahre nach Kriegsende beschäftigt sich eine Veranstaltungsreihe im Mühlenkreis mit den Ursachen und Folgen der Gewaltherrschaft / Der offizielle Auftakt ist in Porta

Dirk Haunhorst

Porta Westfalica. Welche Traditionslinien führten vom Kaiserreich zur NS-Diktatur? Diese Frage diskutiert die Geschichtswissenschaft seit Jahrzehnten. In Porta Westfalica steht sich die jüngere deutsche Geschichte gleichsam verdichtet gegenüber: auf der einen Seite das Denkmal zu Ehren von Kaiser Wilhelm I., auf der anderen Weserseite der Jakobsstollen, in dem Häftlinge des KZ-Außenlagers bis kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs schuften mussten. Naheliegend, dass für den offiziellen Auftakt der Veranstaltungsreihe "75 Jahre Kriegsende" Porta Westfalica als Ort gewählt wurde. Mehrere Organisationen in Minden-Lübbecke haben sich zusammengeschlossen und ein Programm auf die Beine gestellt, um vor allem der NS-Opfer zu gedenken.

Am Dienstag, 18. Februar, 17 Uhr, lädt die Mühlenkreis-Kooperation zum gemeinsamen Auftakt ein, um die Themen zu präsentieren. Die Termine werden im Laufe der nächsten Wochen vervollständigt und können unter der Adresse www.erinnern-gedenken-handeln.de abgerufen werden. Im Mittelpunkt steht am 18. Februar eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit Prof. Dr. Malte Thießen, Leiter des Instituts für Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Er spricht im Forum des Schulzentrums Süd, Hoppenstraße 48, über "Bedeutung von Erinnerungskultur in Gegenwart und Zukunft".

Die Betonung liege dabei durchaus auf Zukunft, sagt Babette Lissner vom Verein KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica. Gemeinsam mit Vereinsgeschäftsführer Thomas Lange stellte sie dem MT einige Programmpunkte vor. Es gehe nicht nur ums Erinnern, sondern auch um künftiges Handeln. "Die Gedenkkultur ist bedrohter als jemals zuvor. Verbrechen werden relativiert", sagt Lange. Das zeige sich zum Beispiel am Höcke-Flügel der AfD, der eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad fordere. Wer es hingegen ernst meine mit dem leicht dahingesagten Satz "Das darf nicht wieder passieren", der müsse etwas tun.

"Die Gedenkkultur ist bedrohter als jemals zuvor"

Zusammengetan haben sich kreisweit mehrere Vereine und Institutionen, um das Gedenkjahr mit Inhalt zu füllen. Einige Beispiele: Bereits am Sonntag, 2., Februar, wird im Alten Amtsgericht Petershagen in der Zeit von 15 bis 18 Uhr der Film "Was bleibt" gezeigt. Veranstalter ist die AG Alte Synagoge Petershagen. Der Dokumentarfilm handelt von drei Frauen und drei Generationen, die mehr als 70 Jahre deutscher Geschichte widerspiegeln. So folgte die Jüdin Erna ihrer Mutter nach Auschwitz und versprach ihr, von dem Grauen zu berichten. Die heute 96-jährige Protagonistin Erna de Vries ist am 2. Februar im Alten Amtsgericht zu Gast.

Die Musik- und Kunstschule Porta Westfalica und die Freiherr-von-Vincke-Realschule arbeiten in dem Projekt "Frieden und Freiheit" zusammen. Die Vincke-Schüler erstellen Kunstwerke, die von Musikschülern in Töne umgesetzt werden. Das mündet in eine Abendveranstaltung, die am Samstag, 28. März, um 19 Uhr in der Marienkirche beginnt.

Der Mindener Geschichtsverein bietet anlässlich "75 Jahre Kriegsende" im August eine Reise zu historischen Orten in Berlin und Potsdam an. Anmeldungen dafür sind bis zum 27. Februar möglich (Telefon 0571 / 9722025, Mail: geschaeftsstelle@mindener-geschichtsverein.de).

In Porta Westfalica sind Mitte Juni Angehörige von KZ-Häftlingen zu Gast. In dieser Zeit findet auch eine Fachtagung über die KZ-Außenlager statt. Außerdem bietet der Gedenkstättenverein von Juni an Führungen in der früheren Untertageverlagerung Dachs 1 an. Zum Schutz der Fledermäuse öffnet sich das Zeitfenster für die Begehungen nur zwischen Juni und August.

Der Zusammenschluss der Organisationen hat zum einen praktische Gründe. "Es geht darum, die Projekte zu koordinieren und Parallelveranstaltungen zu vermeiden", sagt Babette Lissner. Zum anderen wäre wünschenswert, wenn daraus etwas Dauerhaftes erwachse, nämlich eine Kooperation über den jetzigen Anlass hinaus. So versuchen Dr. Sylvia Necker, Leiterin des Preußensmuseums, und Thomas Lange, die Berührungspunkte zwischen Museum und Gedenkstättenverein herauszuarbeiten. Eine direkte Verbindung von Kaiser Wilhelm I. zur Katastrophe des Zweiten Weltkriegs und den KZ-Außenlagern an der Porta zieht der Historiker Lange übrigens nicht. "Es gibt Kontinuitäten, aber auch Bruchlinien." Diese zu untersuchen und zu beschreiben, bleibe eine wichtige Aufgabe. Auf jeden Fall sei Porta ein "geschichtlich aufgeladener Raum", zu dem es noch manche Frage gebe. Im Idealfall kann die Veranstaltungsreihe ein paar Antworten liefern.

Der Auto ist erreichbar unter Telefon (0571) 882164 oder Dirk.Haunhorst@MT.de.

Programm steht im Online-Kalender

Am 8. Mai 1945 ging der Zweite Weltkrieg, in dem etwa 60 Millionen Menschen den Tod fanden, mit der Befreiung durch die Alliierten zu Ende. Nach zwölf Jahren Unterdrückung und Mord, Terror und Krieg durch die Diktatur der Nationalsozialisten endete das "Dritte Reich" mit der bedingungslosen Kapitulation. Die verübten Gräueltaten und das daraus erwachsene Leid hinterließen tiefe Spuren, die bis in die Gegenwart hineinwirken.

Kreisweit haben sich Initiativen, Vereine und Institutionen zusammengeschlossen, um 75 Jahre nach Kriegsende gemeinsam aller Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu gedenken. Mit einem vielfältigen Programm laden sie dazu ein, sich mit der Geschichte und ihrer Bedeutung für die Menschen heute auseinanderzusetzen.

Die Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit der Kooperation stehen, werden in einem gemeinsamen Online-Kalender unter der Adresse www.erinnern-gedenken-handeln.de vorgestellt. Der Veranstaltungskalender wird fortlaufend ergänzt.

Mitwirkende sind: AG Alte Synagoge Petershagen, Freiherr- von-Vincke-Realschule Minden, Hospizkreis Minden, KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica, Lokaler Aktionsplan Minden - für Demokratie und Vielfalt, LWL-Preußenmuseum Minden, Mindener Geschichtsverein, Mindener Museum, Kreis Minden-Lübbecke, Projekt NRWeltoffen des Kreises, Stadt Porta Westfalica, Städtische Musikschule Porta Westfalica, Stadtbücherei Porta, VVN-BdA Minden-Lübbecke.

Bildunterschrift: In der ehemaligen Untertageverlagerung Dachs 1 im Jakobsberg bietet der Gedenkstättenverein auch in diesem Sommer Führungen an. Wer teilnehmen möchte, kann sich auf der Vereinsseite (www.gedenkstaette-porta.de) in die Warteliste eintragen. Diese ist allerdings lang, es gibt mehr als 4.000 Interessenten.

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Am 18. Februar 2020 präsentiert ein Kooperations-Projekt im Kreis Minden-Lübbecke - zum 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges - eine gemeinsame Veranstaltungsreihe, zur Erinnerung der NS-Opfer.

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