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Mindener Tageblatt ,
24.10.2017 :
Kommentar / Neues aus dem Sumpf
Thema: Erkennungszeichen Rechter
Von Jürgen Langenkämper
In einen Strudel der Emotionen und der Enttäuschungen geriet die Waldorfschule im Frühjahr 2015 auf Grund der Verstrickungen eines Lehrers in ein braunes Netzwerk. Damals war vielen in der Schule und außerhalb, auch in der Leserschaft, nicht klar, was für Spielarten rassistischen Gedankenguts am rechten, am völkischen Rand der Gesellschaft virulent waren, und kaum jemand ahnte, was in jüngster Zeit noch hinzukommen sollte. Wer kannte schon die "Artgemeinschaft" oder die "Identitäre Bewegung"?
Überrascht sein muss man nicht darüber, dass unter dem Deckmantel angeblicher liberal-konservativer Ideen nationalistische und sogar rassistische Inhalte Zulauf erhalten. Dass verkappt faschistische Aussagen bei rund 15 Prozent der Bevölkerung Zustimmung erzielen, war schon in den 1980ern durch Meinungsumfragen bekannt - und durch Wahlerfolge für den Front National in Frankreich und die FPÖ in Österreich auch belegt.
Da ist es angeraten, sich gelegentlich über neu aufgetretene Spielarten von (Schein-)Argumenten rechter und extrem rechter Gruppierungen zu informieren. Es heißt, neue Ausdrucksformen rechtzeitig zu erkennen, wenn sich Feinde der Demokratie und der Gleichberechtigung aller Menschen in den politischen Alltag einschleichen wollen und dies auch in die Herzen und Köpfe der Menschen zu tun versuchen.
Das Leichtgläubige auf Abwege geraten, lässt sich nicht nur daran erkennen, dass sie Argumente von Rattenfängern aufschnappen und wiedergeben. Es zeigt sich auch an der halbbewussten Übernahme von Codes und modischen Macken als Argumentationsersatz. Daher kann es nur hilfreich sein, sich, wie dies jetzt die Waldorfschule getan hat, ein Update über Neues aus dem braunen Sumpf am rechten, völkischen Rand geben zu lassen.
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