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Lippische Landes-Zeitung ,
11.11.2017 :
Erinnerungen an jüdische Komponisten
Konzert: Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit veranstaltet zum Gedenken an die Pogromnacht 1938 einen Liederabend mit Monica Rey
Detmold (sad). Um zu überleben, sind zur Zeit des Dritten Reiches zahlreiche jüdische Kunstschaffende, Filmemacher, Schauspieler und auch Musiker vor der Nazi-Verfolgung geflohen. Mit ihnen verschwand auch besonderes Kulturgut, dessen selbstverschuldeter Verlust hierzulande noch heute zu spüren ist.
Am Donnerstagabend fand zum Gedenken an die Pogrome am 9. November 1938 und ihre Folgen ein Konzert unter dem Titel "Irgendwo auf der Welt - Jüdische Komponisten der 1920er und 1930er Jahre" im großen Sitzungssaals des Rathauses Detmold statt. Veranstalter waren die Stadt Detmold in Kooperation mit der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Lippe. "Wie jüdisch oder deutsch das ist, ist egal", sagte Monika Rey, die an diesem Abend sang. Das Konzert war eine würdevolle Erinnerung an die Grauen der Vergangenheit und eine kulturelle Aufarbeitung dessen, was Deutschland verloren ging. Monica Rey intonierte, am Klavier von Eva Schüttler begleitet, bekannte Lieder von Friedrich Hollaender, Kurt Weil und Mischa Spoliansky. Sie alle mussten während des Dritten Reiches aus Europa fliehen, um zu überleben.
Zwischen den Stücken erzählten die Interpretinnen Geschichten und Anekdoten der Musiker. Reys dunkle und rauchige Stimme passte ideal zur Auswahl der Lieder und erweckte die 1920er- und 1930er-Jahre für einen Abend wieder zum Leben. Verführerisch und sanft, aber auch keck, hauchte sie die Zeilen des Comedian-Harmonists-Hits "Du bist nicht die Erste" von Walter Jurmann. Donnernd und mit Pathos schmetterte sie "Die Moritat von Mackie Messer" aus Brechts Dreigroschenoper, deren Musik aus Kurt Weils Feder stammte.
Eva Schüttler am Klavier schien jede Note zu leben. Ihr Spiel verlieh den Stücken große Dynamik. Das Publikum war begeistert und spendete langen Applaus. Die meisten der Lieder waren fast jedem der Anwesenden bekannt - was verdeutlichte, welchen ungeheuren Einfluss auf die deutsche Musik des frühen 20. Jahrhunderts sehr viele der geflohenen jüdischen Komponisten hatten.
Bildunterschrift: Mal sanft, mal keck, immer dynamisch: Sängerin Monica Rey und Pianistin Eva Schüttler erinnern im Rathaus an jüdische Komponisten.
11./12.11.2017
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