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Lippische Landes-Zeitung ,
21.11.2017 :
Netzwerk reicht bis nach Italien
Vortrag: Der Buchautor Heiko Koch berichtet über die Verbindungen der "Road Crew OWL" zu europäischen Neofaschisten
Lage-Ehlenbruch (gw). Wie sieht das Netzwerk der als rechtsradikal eingestuften "Road Crew OWL" aus? Zur Klärung dieser Frage hatten die Mitglieder der "Initiative gegen Neonazis der Road Crew OWL" eingeladen.
Buchautor Heiko Koch war in die Aula des Schulzentrums am Werreanger gekommen, um über die neofaschistische Bewegung CasaPound in Italien zu sprechen, zu der die Road Crew OWL, die bis vor zwei Jahren im alten Bahnhof in Ehlenbruch Veranstaltungen abhielt, Verbindungen pflegt. Koch, der nach eigenen Angaben von rechten Gruppen bedroht wird, wollte aus Sicherheitsgründen nicht fotografiert werden.
Spannend und faktenreich erzählte der Autor des Buches "CasaPound - Mussolinis Erben" über die Organisation, deren Anhänger sich "die Faschisten des dritten Jahrtausends" nennen. "Sie agieren mit aggressiv vorgetragenen Sozialforderungen, vordergründigem Anti-Kapitalismus und national-revolutionären Parolen", so Koch. Dabei würden sie bewusst mit den Folgen der aktuellen ökonomischen Krise arbeiten und inszenierten sich als "soziale Opposition von rechts außen".
Die Bemühungen von "CasaPound" seien darauf ausgerichtet, faschistische Ideen jugendgerecht und massenkompatibel zu präsentieren, erläuterte Koch. "CasaPound nutzt moderne Inszenierungen und Aktionsformen, wie sie von diversen Freizeit und Protestkulturen entwickelt wurden", so der Autor. Aus den Fankurven der Fußballstadien entlehne die Bewegung die Verwendung von Bengalos, Böllern, Gesängen und Klatschrhythmen. Von den sozialen Bewegungen greife sie die Aktionsformen der Flashmobs, Raves, symbolischen Besetzungen und Sit-ins auf. Die Zuhörer erfuhren auch, dass die faschistische Bewegung CasaPound 2003 in Rom entstanden sei. 2012 habe sich die Bewegung dort als Partei registrieren lassen und nenne sich "CasaPound Italia". "Seitdem agiert sie nicht nur als Bewegung auf den sozialen, politischen und kulturellen Ebenen, sondern auch als Partei", so Koch.
Manfred Hilbrink-Späth und Edeltraud Kuschel, Sprecher der "Initiative gegen Neonazis der Road Crew OWL", machten deutlich, warum der Vortrag aus ihrer Sicht so wichtig war. "Wir wollten die Verbindungen aufzeigen, die die "Road Crew OWL" hat." Gleichzeitig sei das Ziel, "dass sich hier in Lage keine braunen Gruppen festsetzen", so Hilbrink-Späth.
Bildunterschrift: Vom Vortrag beeindruckt: Manfred Hilbrink-Späth und Edeltraud Kuschel.
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Lippische Landes-Zeitung, 16.11.2017:
"Road Crew OWL" ist in ganz Europa vernetzt
Vortrag: Autor Heiko Koch berichtet im Schulzentrum über Aktivitäten des Clubs
Lage-Ehlenbruch (be). Die "Initiative gegen Neonazis der Road Crew OWL", die sich 2014 und 2015 gegen die vom Club genutzte Immobilie im Bahnhof Ehlenbruch engagierte, veranstaltet am Freitag, 17. November, einen Vortrag mit dem Autor Heiko Koch. Thema ist angesichts neuer Erkenntnisse um internationale Netzwerke rund um die "Road Crew OWL" eine neofaschistische Bewegung in Italien.
Der Vortrag beginnt um 19 Uhr in der kleinen Aula des Schulzentrums Werreanger. Die "Road Crew OWL" besuche schon seit Jahren die Gruppierung "CasaPound" in Italien, teilt die Initiative mit. So auch im Mai 2016, als ein Minivan mit vier "Road Crew"-Mitgliedern in eine Demonstration gegen "CasaPound" in Rom geriet. Das Resultat: Die Autoscheiben des Vans wurden eingeschlagen und die Medien berichteten vom Angriff auf "deutsche Touristen". Erst ein knappes Jahr später, bei der juristischen Aufarbeitung des Vorfalls, wurde laut Initiative bekannt, dass es sich bei den Insassen des Vans um Mitglieder der als rechtsextrem eingestuften Clubs "Road Crew Ostwestfalen" handelte. Unter den vier Beteiligten waren auch die zwei Käufer des Bahnhofs in Ehlenbruch. Diese werden nun von einem bekannten Anwalt von "CasaPound Italia" vertreten.
Die "Road Crew OWL" fungiere als Sammelbecken verschiedenster Neonazis aus Ostwestfalen-Lippe, schreibt die Initiative. Sie vereine unter anderem überregional aktive und vernetzte Neonazi-Kader, Mitglieder von Rechtsrock-Bands und Organisatoren von Rechtsrock-Konzerten oder Neonazi-Demos. Aktivisten aus Parteien wie der NPD oder dem "III. Weg" gehörten demnach zum Unterstützerkreis. Der Referent Heiko Koch ist Mitbegründer und Autor diverser antifaschistischer Zeitungen und Dozent gegen Rechtsextremismus.
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