|
3 Veranstaltungen - Nachrichten ,
20.11.2017 :
Tages-Chronologie von Montag, 20. November 2017
_______________________________________________
Veranstaltungskalender:
- Montag, 20. November 2017 um 19.00 Uhr -
Vortrag von Bernd Langer: 500 Jahre Revolte - Reformation und Bauernkrieg
Veranstaltungsort:
Dolbi Musikkneipe
Bahnhofstraße 83
32257 Bünde
www.dolbi-musikkneipe.de
2017 ist das "Lutherjahr": Weit über Deutschland hinaus werden "500 Jahre Martin Luther" breit gefeiert. Auch wenn dabei pflichtbewusst kritische Töne zu Luther nicht fehlen - sein Antisemitismus, seine Hetze gegen die aufständischen Bauern - werden andere religionskritisch-reformatorische und früh-demokratisch revolutionäre Kräfte nicht nur nicht gewürdigt, sie finden erst gar keine Erwähnung. Luther, so scheint es, war eine isolierte Ausnahmeerscheinung. Dabei war er nur Teil eines gesellschaftlichen Umbruchs in der Renaissance.
Begleitet von wissenschaftlichen Entdeckungen geriet das alte Weltbild ins Wanken. Es gab verschiedene Bewegungen gegen die etablierte christliche Kirche, wie die Täufer und Thomas Müntzer, dem radikalen Gegenspieler von Luther. Getragen wurden die neuen Gedanken von der feudalistisch unterdrückten Bevölkerung. Es kam zu Aufständen, die sich im großen deutschen Bauernkrieg
1523 bis 1525 zu einer allgemeinen Erhebung steigerten.
Bernd Langer, geboren 1960 in Bad Lauterberg im Harz, seit 1977 mit der autonomen Szene verbunden. Seit Mitte der 80er Jahre Mitinitiator der Initiative KuK (Kunst und Kampf), die einen neuen Kunstbegriff propagiert, und in deren Rahmen zahlreiche Plakate und Ölgemälde entstehen und Agitpropaktionen stattfinden. Darüberhinaus viele Publikationen zum Thema antifaschistischer Widerstand. Seit 1990 beteiligt an der Wanderausstellung "Kunst als Widerstand". 1997 erscheint Langers Buch "Kunst als Widerstand", 1998 Herausgabe einer überarbeiteten und aktualisierten Fassung in englischer Sprache unter dem Titel "Art as Resistance". 2004 erscheint sein autobiographischer Roman "Operation 1653 - stay rude, stay rebel". Bernd Langer lebt und arbeitet heute in Berlin.
Eine Veranstaltung der "Initiative 9. November Bünde" im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Erinnern heißt Partei ergreifen" vom 21. Oktober bis 23. November 2017.
www.facebook.com/9NovemberBuende/
-----------------------------------------------------------
- Montag, 20. November 2017 um 19.00 Uhr -
Lesung mit Niklas Frank: "Dunkle Seele, Feiges Maus - Wie skandalös und komisch sich die Deutschen beim Entnazifizieren reinwaschen"
Veranstaltungsort:
Volkshochschule Bielefeld
Historischer Saal
Ravensberger Park 1
33607 Bielefeld
www.vhs-bielefeld.de
Der Referent: Niklas Frank wurde als Sohn des nationalsozialistischen Politikers Hans Frank und dessen Frau Brigitte (geb. Herbst, 1895 - 1959) geboren. Er hatte vier inzwischen verstorbene Geschwister, zwei Brüder und zwei Schwestern. Sein Vater, der zwischen 1939 und 1945 als Generalgouverneur im von Deutschland besetzten Polen an zahlreichen Kriegsverbrechen beteiligt war, wurde als "Schlächter von Polen" bekannt, seine Mutter als "Königin von Polen". Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sein Vater im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher angeklagt, 1946 zum Tode verurteilt und gehängt.
Niklas Frank besuchte vom zwölften Lebensjahr bis zum Abitur das Carl-Hunnius-Internat in Wyk auf Föhr. Zu seinen Mitschülern gehörten die beiden Söhne des ebenfalls in Nürnberg gehängten Reichsaußenministers Joachim von Ribbentrop.
2016 erschien sein Buch "Dunkle Seele - Feiges Maul", in dem Frank an Hand von Entnazifizierungsakten aus verschiedenen Landesarchiven einen weiteren Blick auf die Schuld der Deutschen und den Umgang mit dieser nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wirft. Die von ihm darin vertretene These lautet, "dass ein direkter Weg von der missglückten Entnazifizierung in das schwer rechtslastige Verhalten der schweigenden Mehrheit der Deutschen von heute" führe.
Niklas Frank: "Dunkle Seele, Feiges Maus - Wie skandalös und komisch sich die Deutschen beim Entnazifizieren reinwaschen"; J. H. W. Dietz Verlag, Bonn 2016, ISBN 9783801204051, Gebunden, 584 Seiten.
Eine Veranstaltung der Volkshochschule Bielefeld in Kooperation mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. - Arbeitsgemeinschaft Bielefeld, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. Bielefeld und der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld im Rahmen der Ausstellung "Leben nach dem Überleben - Überlebende des Holocaust und ihre Familien in Israel" vom 10. Oktober bis zum 20. November 2017 in der Volkshochschule Bielefeld.
-----------------------------------------------------------
- Montag, 20. November 2017 ab 20.00 Uhr -
FLTI*Kneipe
Veranstaltungsort:
AJZ Bielefeld
Heeper Straße 132
33607 Bielefeld
www.ajz-bielefeld.de
Die Frauen-Lesben-Trans*-Inter-Kneipe ist ein Ort zum Treffen, Kontakte knüpfen, einfach Rumhängen, Austauschen, Kickern, Vernetzen, Diskutieren, Aktionen planen, Spielen, lecker vegan Essen …
Heute Abend sind ausschließlich Frauen, Lesben, Trans* und Intersex eingeladen, also Menschen, die von cis-männlichen Privilegien ausgeschlossen sind.
Die Kneipe hat ein queer-feministisches Selbstverständnis. Das bedeutet für uns, einen Schutzraum frei von männlicher Dominanz und jenseits zur Zweigeschlechtlichkeit zu schaffen. Andere Diskriminierungs- und Herrschaftsformen sollen hier auch keinen Platz haben. Wir wünschen uns einen respekt- und rücksichtsvollen Umgang.
Die Kneipe findet jeden 3. Montag im Monat statt. Die Räume (Kneipe und Klo) sind barrierefrei, das heißt ebenerdig und ohne Stufe erreichbar. Komm vorbei! Wenn du darüber hinaus Lust hast dich einzubringen oder Ideen zum Programm hast, mach mit!
_______________________________________________
www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Montag, 20. November 2017
Am 23. November 2017 spricht der Stadtarchivar der Stadt Blomberg, Dieter Zoremba in der Stadtbücherei Blomberg über die Thematik: "Unerwünschte Gäste auf Zeit - Das Blomberger Letten-Lager 1945 - 1952".
Am 24. und 25. November 2017 findet die "XIII. Bielefelder Ideenwerkstatt" im Haus der "Burschenschaft Normannia-Nibelungen" - mit Heimo Schwilk, Hans-Thomas Tillschneider, Rolf Stolz, Marvin Mielke - statt.
www.mobile-beratung-owl.de
www.bielefeldstelltsichquer.wordpress.com
_______________________________________________
Artikel-Einträge in der Datenbank:
Lippische Landes-Zeitung, 20.11.2017:
Als die Balten nach Blomberg kamen
Antifa Westfalen, 20.11.2017:
24.11., Bielefeld: Rechte Ideen anfechten!
_______________________________________________
Lippische Landes-Zeitung, 20.11.2017:
Als die Balten nach Blomberg kamen
Zeitgeschichte: Stadtarchivar Dieter Zoremba hält am 23. November einen Vortrag über das ehemalige "Letten-Lager" in der Nelkenstadt / Die "Displaced Persons" pflegten ein reges kulturelles Leben in der Stadt
Von Iris Liebig
Blomberg. Als Dieter Zoremba 1980 seine Tätigkeit als Stadtarchivar in Blomberg aufnahm, war das so genannte "Letten-Lager" in der Bevölkerung noch immer Thema. Am Donnerstag, 23. November, wird der Lokalhistoriker in Kooperation mit der Volkshochschule Lippe-Ost und dem Heimatverein Blomberg einen Vortrag zum Thema "Unerwünschte Gäste auf Zeit - das Blomberger Letten-Lager 1945 - 1952" halten. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei.
Rückblick: Am 2. Juli 1945 erhielt der Blomberger Bürgermeister von der britischen Militärverwaltung ein Schreiben. Darin stand, dass innerhalb von zwei Tagen 60 Häuser beschlagnahmt würden, um darin rund 1.500 Letten, Estländer und Litauer - so genannte "Displaced Persons" - unterzubringen. Die eigentlichen Bewohner wurden daraufhin anderen Häusern zugewiesen oder kamen bei Bekannten unter.
Unter "Displaced Persons" versteht man in diesem Zusammenhang nicht nur Personen, die während des Krieges als Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene nach Deutschland geholt worden waren, sondern auch all diejenigen, die vor der Roten Armee nach Westen geflohen waren.
In Blomberg wurden zunächst in erster Linie Häuser im so genannten Kirchenviertel beschlagnahmt. Die Konzentrierung auf diesen Blomberger Stadtbereich wurde im Laufe der Jahre jedoch aufgegeben, wodurch es später Unterbringungen in der ganzen Stadt gab. "Daher kann man in Blomberg auch nicht von einem Lager sprechen", erklärt Zoremba.
Noch vor Ende des Krieges hatten die Alliierten Pläne für den Umgang mit den "Displaced Persons" geschmiedet. Demnach sollten sie befreit, versorgt und in ihren Heimatländern wieder eingebürgert werden. Damit wollte man eine unkontrollierte Wanderbewegung vermeiden und sich vor Krankheiten oder Übergriffen schützen. Eigens hierfür wurde auch die "UNNRA", die "Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen", gegründet.
Während jedoch die Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen schnell wieder in ihre jeweilige Heimat zurückkehren wollten, ging es den Balten nicht so. "Sie waren vor der Roten Armee geflohen und hatten in der deutschen Wehrmacht und SS-Einheiten unter Zwang oder auch freiwillig gedient", erläutert Dieter Zoremba. Vor diesem Hintergrund hätten sich die Menschen gar nicht in ihre Heimatländer zurückschicken lassen. Dennoch hätten sie gleichzeitig auch feststellen müssen, dass die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft nicht gewillt war, sie aufzunehmen, fügt Zoremba an. Seitens der Politik habe es daher auch immer wieder Bestrebungen gegeben, die Balten loszuwerden.
Zwischenzeitlich war auch die Internationale Flüchtlingsorganisation (IRO) gegründet worden - sie kümmerte sich um mögliche Auswanderungsmöglichkeiten für die "Displaced Persons" aus dem Baltikum - diese bereiteten sich währenddessen in Form von Sprachkursen und Berufsausbildungen darauf vor. Während ihrer Zeit in Blomberg entfalteten sie ein reges kulturelles Leben. Später wanderten viele von ihnen nach Recherchen von Dieter Zoremba in die USA oder auch Australien aus.
Keine Bürger
"Das Letten-Lager war eine eigenständige Einheit", erklärt der Blomberger Stadtarchivar Dieter Zoremba. Die "Displaced Persons" waren demnach rein rechtlich keine Bürger der Stadt Blomberg. Für sie gab es stattdessen eine eigene Einwohnermeldekartei. Sie hatten zudem andere Ausweise, die sich "DP Index Card" nannten.
Bildunterschrift: Vorführung: Dass die Menschen aus dem Baltikum kulturell interessiert waren, zeigt das Bild aus dem Jahr 1946. Baltische Pfadfinder tanzen darauf auf dem Blomberger Marktplatz.
_______________________________________________
Antifa Westfalen, 20.11.2017:
24.11., Bielefeld: Rechte Ideen anfechten!
Am 24. November 2017, 19.00 Uhr in Bielefeld wird es eine antifaschistische Kundgebung gegen die so genannte "Ideenwerkstatt" der Burschenschaft Normannia-Nibelungen geben. Wir unterstützen den Aufruf der Organisatorinnen:
Gegen die Ideenwerkstatt der Burschenschaft Normannia-Nibelungen
Auch dieses Jahr führt die Bielefelder Burschenschaft "Normannia-Nibelungen" am Wochenende um den 25. November wieder ihre so genannte Ideenwerkstatt durch.
Die "Normannia Nibelungen" gehört zum "Dachverband der Deutschen Burschenschaften", in dem neben den üblichen und traditionalistischen Vorstellungen von Familie und Geschlechterrollen und einer reaktionären Vorstellung von Männlichkeit, auch ein völkisch-rassistisches Verständnis der "Deutschen Nation" gelebt wird. So sind in ihr neben Burschenschaften aus Deutschland auch Burschenschaften aus Österreich und sogar aus Chile organisiert. Zentrales Aufnahmekriterium ist die deutsche Abstammung. Anders als andere Studentenverbindungen verstehen sich die Burschenschaften des Dachverbands explizit als politisch.
Vor diesem Hintergrund kann es eigentlich nicht verwundern, dass es immer wieder enge Verbindungen zwischen den Burschenschaften und anderen extrem rechten und neonazistischen Organisationen gibt.
Die Bielefelder Ideenwerkstatt dient der Burschenschaft als Verbindung von konservativen und extrem rechten Positionen. So gelang es der Normannia in der Vergangenheit immer wieder etablierte Politiker und Wissenschaftler, wie auch Vertreter der so genannten Neuen Rechten als Referenten für ihre Veranstaltung zu gewinnen. Ziel ist es, die Theorie- und Strategiebildung in der extremen Rechten voranzutreiben.
Die Referenten
In der Vergangenheit trat unter anderem der rechte Publizist und Verleger Götz Kubischek auf, aber zum Beispiel auch der im rechten Kopp Verlag publizierende Udo Ulfkotte.
Erst im letzten Jahr referierte Martin Sellner, Kopf der österreichischen Identitären Bewegung, bei der Ideenwerkstatt. Die Identitäre Bewegung hatte erst im Sommer auf sich aufmerksam gemacht, als sie mit einem Schiff im Mittelmeer versuchten, die Arbeit von Seenotretterinnen zu behindern.
Die Burschen
Auch in Bielefeld sind einige der Burschenschaftler für ihren Aktivismus in der extremen und zum Teil auch militanten Rechten bekannt.
Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der Burschenschaftler Hendrik Stiewe. Über viele Jahre vertrieb dieser Schallplatten und CDs neonazistischer Bands über sein Musik Label "Wewelsburg Records". Außerdem war Stiewe fest in den Strukturen der Bielefelder Kameradschafts-Szene verankert und nahm auch an Nazi- Aufmärschen teil.
Auch zwischen AfD und der "Normannia-Nibelungen" bestehen Verbindungen. Dirk Taphorn, der auch als Schriftleiter der Verbandszeitschrift der Deutschen Burschenschaft aktiv ist, verdient seinen Lebensunterhalt als Fraktionsreferent der AfD im Stadtrat von Dresden.
Neuste Überschneidung zwischen der Normannia und der extremen rechten, ist ihre offene Nähe zur Identitären Bewegung. So tritt der Burschenschaftler Nils Hartwig in Zeitungsartikeln und Aktionen gleichzeitig öffentlich für die Identitären auf und nimmt zum Beispiel an Veranstaltungen der AfD teil. Auch der Identitäre Florian Schürfeld aus Bielefeld, der im Sommer an der Europa weit mobilisierten Demo der Identitären Bewegung in Berlin teilnahm, verkehrt regelmäßig im Haus der Burschenschaft und besucht Veranstaltungen der Normannen.
Rechte Zeiten
Die personellen Überschneidungen der "Normannia-Nibelungen" und der AfD, der Identitären Bewegung, der Rechtsrock-Szene und der militanten rechten Szene verdeutlichen, dass die Burschenschaft eben nicht nur ein konservativer Männerbund ist, sondern eine Schnittstelle neurechter und neonazistischer Studenten.
Rechte Positionen, wie solche, die bei der Ideenwerkstatt entwickelt und propagiert werden, sind längst wieder salonfähig geworden. Man punktet mit "Heimat" und "Deutschland als Leitkultur". Und während sich alle lautstark entrüstet von der AfD distanzieren, ist es doch die AfD, die seit Jahren den Diskurs nach rechts verschiebt. Die jüngsten Wahlerfolge der AfD und ihr Einzug in den Bundestag haben dem rechten Hegemonieprojekt nicht nur Geld und politische Macht gebracht: Sie haben ebenfalls für ein gewachsenes Selbstbewusstseins rechter und extrem rechter Strukturen außerhalb der Parlamente gesorgt, so dass diese immer öfter gewalttätig gegen alle vorgehen, die nicht in ihr Weltbild passen.
Vor diesem Hintergrund gewinnt die Ideenwerkstatt an fataler Bedeutung, wo doch genau solche Veranstaltung den Rechtsruck befeuern, indem sie eine Verbindung zwischen verschiedenen rechten Spektren herstellen und eine Vernetzung sowie Ausbildung rechter Akteure ermöglicht.
Diese rechten Akteure versuchen ihre autoritären Positionen als Alternativen zum krisenhaften Kapitalismus zu präsentieren. Dabei schaffen sie es, in der aktuellen gesellschaftlichen Situation immer wieder Raumgewinne zu erzielen. Dem gilt es entschlossen entgegenzutreten. Wir als Linke und Antifaschistinnen stehen für eine grenzenlose und solidarische Gesellschaft fernab von Abschottung und kapitalistischer Verwertung.
Deshalb rufen wir dazu auf, am 24. November 2017 um 19.00 Uhr gemeinsam vor dem Haus der Burschenschaft in der Schlosshofstraße gegen die Ideenwerkstatt, den Rechtsruck und für ein schönes Leben für alle Menschen zu demonstrieren.
_______________________________________________
|