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2 Veranstaltungen - Nachrichten , 15.11.2017 :

Tages-Chronologie von Mittwoch, 15. November 2017

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Veranstaltungskalender:



- Mittwoch, 15. November 2017 um 19.00 Uhr -


Vortrag von Jan Tiemann: Sowjetische Kriegsgefangene im Arbeitseinsatz in Ostwestfalen-Lippe 1941 - 1945

- Fallbeispiele aus dem Stalag 326 (VI K) Senne


Veranstaltungsort:

Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne
Lippstädter Weg 26
33758 Schloß Holte-Stukenbrock


Ein "Arbeitskommando"? Was ist das? Wer hat wo wann gearbeitet und warum? An Hand des "Arbeitskommandos Himmighausen" und weiteren Beispielen aus OWL wird Jan Tiemann dies in seinem Vortrag beantworten und seltene, konkrete Einblicke in "Arbeitskommandos" geben. Der regionale Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen zieht teilweise bis heute noch seine Nachwirkungen in der Städtelandschaft und städtischen Erinnerung mit sich.


Jan Tiemann forschte im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Universität Bielefeld zum Arbeitseinsatz von sowjetischen Kriegsgefangenen des Stalags 326 (VI K) Senne.


Veranstaltung des Fördervereins Dokumentationsstätte Stalag 326 (VI K) Senne e.V.: www.stalag326.de


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- Mittwoch, 15. November 2017 um 19.30 Uhr -


Ausstellung: "Das unbekannte Vernichtungslager Kulmhof am Ner - Geschichte und Erinnerung"


- Vortrag von Prof. Dr. Peter Kuhn zur Eröffnung der Ausstellung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas


Veranstaltungsort:

Offene Kirche St. Simeonis
Simeonskirchhof / Weingarten
32423 Minden

www.offene-kirche-st-simeonis.de


- Dauer der Ausstellung: 15. November bis 8. Dezember 2017.


Am 8. Dezember 1941 wurden in dem kleinen Ort Kulmhof am Ner (Chełmno nad Nerem) einige hundert Jüdinnen und Juden mit Motorabgasen ermordet, mit der Technik also, die zuvor bei den Euthanasie-Morden in Deutschland angewendet worden war. Kulmhof lag im "Warthegau", dem vom Deutschen Reich annektierten Teil Polens, etwa siebzig Kilometer nordwestlich von Lodz, damals Litzmannstadt.

Die Inbetriebnahme dieser Vernichtungsstätte durch das SS-Sonderkommando Lange ist der Beginn der nationalsozialistischen Massentötung an den europäischen Jüdinnen und Juden durch Giftgas. Im Vernichtungslager Kulmhof wurden bis 1944 mehr als 150.000 jüdische Menschen getötet, die zum Großteil aus dem Ghetto Litzmannstadt kamen. Aus diesem Ghetto kamen auch einige Tausend Menschen, die den Sinti und Roma angehörten.

Die Kulmhof-Prozesse (1962/63 und 1965) fanden fast zeitgleich mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen statt, wurden aber nicht im gleichen Maße in der Öffentlichkeit wahrgenommen. Die Sonderausstellung der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas trägt deshalb auch den Titel: "Das unbekannte Vernichtungslager Kulmhof am Ner - Geschichte und Erinnerung".

Peter Kuhn studierte in den 1960er Jahren in Bonn und erlebte im dortigen Landgericht als Begleiter seines Lehrers Ch. Horowitz die Verhandlungen des Kulmhof-Prozesses in seiner ersten Phase. Prof. Horowitz war als Dolmetscher für Polnisch und Jiddisch zum Prozess gebeten worden.

Prof. Dr. Kuhn berichtet zur Ausstellungseröffnung über die Geschichte des Vernichtungslagers Kulmhof und insbesondere über seine persönlichen Erinnerungen an den Kulmhof-Prozess in Bonn. Er wird seine Eindrücke vom politischen Klima der damaligen Zeit schildern, in dem es erst zwanzig Jahre nach den Verbrechen dazu kam, dass die Täter in Deutschland zur Rechenschaft gezogen wurden.


Prof. Dr. Peter Kuhn studierte Theologie, Philosophie, Semitistik und Judaistik. Von 1991 bis 2013 war er Professor für Judaistik an der Hochschule der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern.


Veranstalterinnen: Katholisches Bildungswerk Minden in Kooperation mit: Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Minden, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden ( Westfalen) e.V., Verein Deutscher Sinti e.V. Minden, Volkshochschule Minden, Minden - Für Demokratie und Vielfalt e.V. mit Unterstützung durch das Bundesprogramm "Demokratie leben".

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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Mittwoch, 15. November 2017


Am 11. November 2017 las Leo van Santen im: "Bildungszentrum Mer Ketne" - Verein Deutscher Sinti e.V. Minden aus den Briefen von Manuel Goldschmidt und Victor Bock, Buch " ... überhaupt fehlst du mir sehr".


www.sintiroma-minden.de

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Artikel-Einträge in der Datenbank:


Mindener Tageblatt, 15.11.2017:
Eine besondere Freundschaft

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Mindener Tageblatt, 15.11.2017:

Eine besondere Freundschaft

Leo van Santen las im Bildungszentrum Mer Ketne aus den Briefen von Manuel Goldschmidt und Victor Bock

Von Rolf Graff

Minden (rgr). Gastgeber Oswald Marschall durfte im Bildungszentrum Mer Ketne der Sinti und Roma abermals Wolfgang Hempel und Astrid Vehstedt, die die Lesung auch moderierte, begrüßen. Als Veranstalter trat die Potsdamer Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft auf, zu der sie gehören. Diesmal hatten sie mit Angrid Titanus aus Utrecht von der Van-Cassel-Stiftung, und dem Verleger Dr. Leo van Santen aus Den Haag Gäste aus Holland mitgebracht.

Leo van Santen ist Herausgeber des Buchs " ... überhaupt fehlst du mir sehr. Die Freundschaft zweier junger Exilanten - Der Briefwechsel von Manuel Goldschmidt und Claus Victor Bock (1945 bis 1951)", aus dem er in einer erläuternden Lesung einige Texte vorstellte. Nachdem der jüdische, zwölfjährige Claus Victor Bock mit seinen Eltern Hamburg 1938 wegen des wachsenden Antisemitismus verlassen hatte und seine Eltern nach Indien emigrierten, besuchte er ein reformpädagogisches Internat der Quäker in Eerde in den Niederlanden. Eine Freundin seiner Mutter war hier Hausmutter. Hier lernten und lebten viele Jugendliche, die aus Deutschland fliehen mussten, darunter mehrere deutsch-jüdische Emigrantenkinder.

1939 lernte er dort Rudolf Goldschmidt kennen, der sich später Manuel nannte, einen jüdischen Vater hatte und aus Berlin kam. Zwischen den beiden Jungen entwickelte sich schnell eine tiefe Freundschaft. Als 1940 die Niederlande deutsch besetzt wurden, wurde Claus Victor Bock in dem Haus der Malerin Gisèle van Waterschoot van der Gracht in der Herengracht 401 in Amsterdam versteckt, das sie Castrum Peregrini nannten. Hier wohnte auch der Heidelberger Schriftsteller Wolfgang Frommel. Um nicht nur körperlich, sondern auch psychisch zu überleben, beschäftigten sie sich intensiv mit Literatur. Insbesondere die Gedichte von Stefan George begeisterten die Jungen. Schon die frühen Briefe zeigen literarische Qualität und enthalten Zitate und Bezüge zum Werk von George, aber auch Essenbons für Butter, Brot und Milch. Eine eigene Geheimsprache half zudem, unerwünschte Mitleser von verräterischen Details auszuschließen. Wie durch ein Wunder und mithilfe des Wegsehens eines Polizisten überstanden die in dem Haus Verborgenen die Nazi-Zeit unentdeckt und pflegten auch nach dem Krieg ihre besondere Verbundenheit. Die Briefe aus dieser Zeit zeigen schon einen veränderten Duktus, wie auch andere Inhalte. So schreibt Claus, der inzwischen in Indien lebt, von dem Leben dort.

Von dieser speziellen Geschichte einer Freundschaft und dem Überleben von Kultur, wie in einem Kokon vor dem Hintergrund der finsteren Nazi-Herrschaft, ließen die Auszüge aus dem Buch viel erkennen und erahnen. Weiteres wurde klar im Gespräch von Astrid Vehstedt mit Angrid Titanus und Leo van Santen, an dem sich auch das Publikum mit Fragen beteiligte.

Bildunterschrift: Dr. Leo van Santen las erläuternd aus dem Briefwechsel der Freunde.

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