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Mindener Tageblatt ,
14.11.2017 :
Die Rückkehr der Überlebenden
Filmvorführung im Zuge der Vereinbarung zwischen AG Alte Synagoge und Gymnasium
Petershagen (Wes). Im Pädagogischen Zentrum des Städtischen Gymnasiums Petershagen wird am Mittwoch, 15. November, von 8.15 bis 11 Uhr der Dokumentarfilm "Linie 41" gezeigt. Dabei handelt es sich um eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen. Die Filmvorführung findet im Rahmen der Kooperationsvereinbarung mit dem Gymnasium statt.
Durchführung und Organisation übernimmt Berthold Fahrendorf-Heeren. Die Jungen und Mädchen der Jahrgangsstufe Q 2, ehemals J 12, werden an der Filmvorführung teilnehmen. Danach findet eine Diskussion statt. Zeitzeuge Natan Grossmann sowie Regisseurin und Produzentin Tanja Cummings werden den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort stehen. Der Film "Linie 41" über das Konzentrationslager Lodz läuft derzeit in Krakau. Weitere Vorführungen bis Dezember 2017 stehen unter anderem in München, Hannover und Stadthagen an. Dokumentiert wird die Rückkehr eines Überlebenden des Lodzer Gettos zurück in das heutige Lodz. Dabei handelt es sich um Natan Grossmann, der im September 2017 90 Jahre alt geworden ist. Jahrelang hatte er es vermieden, das Schicksal seines Bruders Ber, der 1942 in Lodz verschwand, zu ergründen.
Nach 70 Jahren begann die späte Suche nach seinem Bruder und den Spuren der Eltern, die im Getto umkamen. Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg in Polen wurde in Lodz das zweitgrößte Getto errichtet. Mitten hindurch verlief die Straßenbahnlinie 41, die den deutschen und polnischen Einwohnern das Elend täglich vor Augen führte. Dort verbrachte Natan Grossmann als Jugendlicher vier Jahre in Gefangenschaft. Er versuchte sein Leben lang, die Erinnerung an diese Zeit zu verdrängen. Schließlich begab er sich in Lodz auf die Suche nach der Wahrheit, da ihm das spurlose Verschwinden seines Bruders und die ungeklärten Todesumstände der Eltern keine Ruhe ließen. Grossmann wurde 1927 als Sohn eines Schusters geboren. Nach der Umsiedlung mit Eltern und Bruder ins Getto Litzmannstadt / Lodz musste er als Kind Zwangsarbeit leisten. Kurz vor Auflösung des Gettos wurde er nach Auschwitz / Birkenau und in weitere Konzentrationslager deportiert. Am 2. Mai 1945 befreiten ihn US-amerikanische Soldaten aus dem Auffanglager Wöbbelin. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kehrte Natan Grossmann zunächst nach Lodz zurück, dann wanderte er nach Israel aus.
Heute lebt der 90-Jährige in München. Tanja Cummings ist Magister der Philosophie und Anglistik an der Freien Universität Berlin. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Europäischen Vereins für Ost-West-Annäherung. Mit "Linie 41" gibt sie ihr Debüt als Dokumentarfilm-Regisseurin.
Bildunterschrift: Detail vom Filmplakat: Im Städtischen Gymnasium Petershagen wird am Mittwoch der Film "Linie 41" über das KZ in Lodz gezeigt.
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