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Westfalen-Blatt / Herforder Kreisblatt ,
13.12.2017 :
Gunter Demnig verlegt vier Stolpersteine
Löhne (LZ). Die ersten vier Stolpersteine wurden bereits im November 2016 durch den Künstler Gunter Demnig in Löhne verlegt. Sie erinnern an Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet worden sind. Am Donnerstag, 21. Dezember, wird Gunter Demnig wieder in Löhne sein und weitere vier Stolpersteine verlegen. Die Verlegung beginnt um 10.30 Uhr vor dem Gebäude Siemshofer Kirchstraße 14. Dort wird der Stein für Willi Joeks verlegt, der als ein Zeuge Jehovas den Kriegsdienst verweigerte und von den Nationalsozialisten am 2. November 1940 in Berlin hingerichtet wurde. Anschließend werden weitere Steine für Marie Wilhelmine Sander (Werster Straße 73), Fritz Kröger (Börstelstraße 26) und Johanne Clara Minna Schierholz, geborene Rürupsmüller (Weihestraße 34) verlegt.
Gunter Demnig hatte bereits 1990 mit einer Aktion an die Deportation von 1.000 Sinti und Roma aus Köln erinnert. Aus dieser Aktion entwickelte sich das Projekt Stolpersteine. Demnig will den Opfern, die häufig zu Nummern degradiert wurden, ihren Namen zurückzugeben. Erste Steine wurden im Mai 1996 in Berlin verlegt. Inzwischen wurden etwa 61.000 Stolpersteine verlegt.
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Neue Westfälische - Löhner Nachrichten, 09.05.2017:
Neue Stolpersteine sollen Nazi-Opfern gedenken
Aktion: Die Stadt möchte vier weitere Exemplare verlegen / Der Kulturausschuss berät am Mittwoch
Löhne (fei). Das Löhner Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft geht weiter. Nachdem im November vergangenen Jahres die ersten "Stolpersteine" in der Werrestadt verlegt wurden, geht die Aktion im kommenden Herbst nun in die nächste Runde. Vier weitere Gedenktafeln sollen zu diesem Zweck vor den letzten Wohnstätten der Ermordeten verankert werden - vorausgesetzt, der Kulturausschuss stimmt dem Ansinnen in seiner Sitzung am Mittwoch, 10. Mai, mehrheitlich zu.
Schon 2015 hatte sich das Gremium erstmals mit der Verlegung von Stolpersteinen befasst. Das Projekt wurde Mitte der 1990er-Jahre vom Künstler Gunter Demnig entwickelt. Er will damit an das Schicksal von Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Eine Absicht ist für ihn, den Opfern, die oft zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen zurückzugeben. Erste Steine wurden 1996 in Berlin verlegt. Es folgten zahlreiche andere deutsche und europäische Städte.
Knapp 60.000 Stolpersteine sind bislang verlegt - darunter vier in Löhne, die von Gunter Demnig am 19. November persönlich und unter Anteilnahme etlicher Bürger eingesetzt wurden. "Auch die jetzigen Bewohner der Häuser, vor denen die Steine verlegt wurden, waren in allen Fällen sehr interessiert und immer sehr einverstanden mit der Aktion", heißt es von Seiten der Stadtverwaltung. Dass sich einige Gymnasiasten spontan bereit erklärten, regelmäßig nach den Steinen zu schauen, sei ein weiterer Beleg für die hohe Akzeptanz des Projekts.
Auch deshalb plant die Stadt jetzt eine Erweiterung um vier neue Steine. Folgende Nazi-Opfer aus Löhne konnten dafür identifiziert werden:
Willi Joecks wurde 1907 geboren und lebte als Bibelforscher, Zeuge Jehovas, an der Siemshofer Kirchstraße. Wegen Kriegsdienstverweigerung wurde er zum Tode verurteilt und 1940 in Berlin hingerichtet.
Fritz Kröger, 1908 geboren, lebte an der Börstelstraße in Mennighüffen. Er verstarb 1939 im KZ Oranienburg Sachsenhausen.
Johanne Clara Minna Schierholz, geb. Rürupsmüller, lebte an der Weihestraße und starb 1941 in der Tötungsanstalt Hadamar.
Marie Wilhelmine Sander, wurde 1891 geboren und wohnte an der Werster Straße. 1941 wurde sie nach Hadamar verbracht, wo sie vermutlich kurze Zeit später getötet wurde.
Bildunterschrift: So könnte er aussehen: Auch für Marie Wilhelmine Sander ist ein Stolperstein geplant.
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Neue Westfälische - Löhner Nachrichten, 18.11.2015:
Erinnerung an sieben Menschen
Projekt: CDU engagiert sich für die Verlegung von Stolpersteinen / Die Messingplatten sollen an den letzten frei gewählten Wohnsitzen der Löhner Bürger verlegt werden, die Opfer der Nazi-Diktatur geworden sind
Von Susanne Barth
Löhne. Verhaftet, weggesperrt, gefoltert, ermordet: Durch das Nazi-Regime sind Tausende Menschen zu Tode gekommen. Die Stolpersteine, die der Künstler Gunter Demnig entwickelt, erinnern an die Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert oder ermordet worden sind. In Löhne setzt sich die CDU für die Verlegung der Erinnerungen auf Messingplatten ein. Heute soll im Kulturausschuss beschlossen werden, ob das Projekt in der Werrestadt umgesetzt werden soll.
Nach aktuellem Forschungsstand sind sieben Löhner Bürger während der Nazi-Diktatur von 1933 bis 1945 ermordet worden oder in einem KZ zu Tode gekommen. Das hat Stadtarchivar Joachim Kuschke recherchiert.
Dabei gestaltete sich die Suche schwierig: "Es war und ist kompliziert", sagt Kuschke. Vieles sei aus den Daten der alten Meldekarten nicht ersichtlich. Das weiß auch Henrike Rau, Standesbeamtin und Mitarbeiterin im Bürgerbüro, die bei der Suche geholfen hat. Sie zeigt eine alte Meldekarte. Dort sind oft nur wenige Informationen verzeichnet. Und im Falle von Fritz Kröger wird es dadurch schwierig, "dass es den Namen wie Sand am Meer gibt". Kuschke weiß, dass Kröger in Mennighüffen gelebt hat, wo, hat er noch nicht herausbekommen.
Dass das Projekt Stolpersteine in Löhne umgesetzt werden könnte, war ein Anstoß der CDU: "Es sind jetzt 70 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, die Zeitzeugen sterben aus, wir sehen es als gute Möglichkeit, die Erinnerungskultur wach zu halten", sagt Fraktionsvorsitzender Florian Dowe.
Die Steine sollen vor den zuletzt frei gewählten Wohnorten der von den Nazis ermordeten Personen verlegt werden. Auf der Homepage des Künstlers heißt es dazu: "Die Nationalsozialisten haben Menschen in Masse ermordet. Die Steine sollen die Namen zurückbringen und an jedes einzelne Schicksal erinnern."
Fritz Kröger
Ist am 17. April 1908 in Mühlheim als Sohn des Mennighüffener SPD-Vorstandes, Carl Friedrich Wilhelm Kröger, geboren. Deportiert wurde er ins KZ Sachsenhausen. Dort verstarb er am 10. Januar 1939 wegen angeblicher "Lebensschwäche".
Marie Kassebaum
Ist am 11. September 1889 in Obernbeck geboren und im Elternhaus, Ellerbuscher Straße 122 aufgewachsen. Nach der Schule arbeitete sie als Zigarrenmacherin. Kassebaum erkrankte psychisch und wurde vom Nazi-Regime in eine Heilanstalt verfrachtet. Dort lebte sie zehn Jahre lang und verstirbt plötzlich am 3. Februar 1943. "Man kann davon ausgehen, dass sie dort getötet worden ist", sagt Kuschke.
Friederike Gärtner
Sie ist in Sundern am 16. November 1877 geboren. Nach der Hochzeit mit Heinrich Gärtner zieht sie in die Ellerbuscher Straße 129. Den Tod von vier ihrer acht Kinder verkraftet sie nicht. Die Todesfälle machen sie psychisch krank. Auch Gärtner kommt in eine Heilanstalt in Gütersloh. Angeblich stirbt sie dort am 12. Dezember 1942 an einem Schlaganfall.
Marie Holtkamp
Ist am 17. Mai 1896 in Obernbeck geboren. Holtkamp ist geistig behindert, arbeitet in einer Obernbecker Zigarrenfabrik. Auch sie wird in eine Heilanstalt verschleppt. Von dort wird sie am 29. Juli 1941 nach Hadamar transportiert, wo sich eine der berüchtigten Tötungsanstalten für geistig behinderte Menschen befindet. Holtkamp stirbt dort am 13. August 1941 unerwartet an einer Grippe.
Willi Joecks
Geboren am 16. September 1907 in Uchtenhagen. Er heiratete und zog nach Mennighüffen. Mit seiner Frau wollte er eine Gärtnerei aufbauen, als der Einberufungsbescheid vom Wehrbezirkskommando kam. Er wollte keinen Dienst an der Waffe tun. Daher wurde Joecks verhaftet und kam ins Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis nach Berlin. Am 2. Oktober wurde er zum Tode verurteilt. Die Hinrichtung erfolgte am 2. November 1940.
Carl Heinrich Wilhelm Johannsmeier
Ist in Gohfeld am 21. April 1889 geboren und wohnte in der Löhner Straße 12. Er wurde im Frühjahr 1936 wegen Bibelforscher-Tätigkeit verhaftet. Nach anderthalb Jahren deportierten die Nazis ihn ins KZ Sachsenhausen. Dort verstarb er nach drei Monaten am 18. März 1938 an angeblicher Herzschwäche. Seine Familie berichtete, dass er zuvor nie Probleme oder eine Erkrankung mit dem Herzen hatte.
August Friedrich Wilhelm Rahde
Ist am 16. November 1914 in Obernbeck geboren. 1946 zur Wehrmacht eingezogen, verweigerte den Dienst an der Waffe und leistete keinen Fahneneid, weshalb er mit acht Wochen Haft bestraft wurde. Kurz vor Ende des Krieges hat er wegen seines Glaubens die Truppe verlassen und versuchte zu fliehen. Ein Standgericht verurteilte ihn zum Tode durch Erschießen wegen Fahnenflucht. Das Urteil wurde am 1. Mai 1945, als der Krieg in Löhne bereits zu Ende war, bei Perleberg vollstreckt.
Das Projekt
Jeder Erinnerungsstein wird per Hand gefertigt und per Hand verlegt.
Die Verlegung soll in enger Absprache des Künstlers Gunter Demnig erfolgen.
Ein Stein hat die Maße von 96 x 96 mm und eine Höhe von 100 mm und kostet 120 Euro.
840 Euro müsste die Stadt tragen.
Bildunterschrift: Schwierige Suche nach den getöteten Löhnern: Joachim Kuschke, Stadtarchivar, und Henrike Rau, Standesbeamtin und Mitarbeiterin der Bürgerberatung, haben sich durch zahlreiche Unterlagen der alten Meldekarte im Keller des Rathauses geblättert.
Bildunterschrift: Erinnerung, über die man stolpert: Das Foto zeigt den Stolperstein von Erna Kronshage. Name, Geburtsjahr, Deportationsjahr und Angeben zum Schicksal sind darauf zu lesen.
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