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Westfalen-Blatt / Lübbecker Kreiszeitung , 12.12.2017 :

"Krieg trifft immer die Falschen"

Hüllhorst (WB). "Es war eine kleine Welt für sich" - mit diesen Worten hat Norbert Ellermann, Historiker aus Leidenschaft und Mitarbeiter des Kreismuseums Wewelsburg, die Zustände in den KZ-Außenlagern in Porta Westfalica und bei der Arbeit der KZ-Häftlinge in den Porta-Stollen beschrieben. Er hielt jüngst einen Vortrag im Heimatmuseum Hüllhorst. Um dem Bombenkrieg über Deutschland zu trotzen, wollten die Nationalsozialisten Schlüsselindustrien und Rüstungsproduktion 1944 / 1945 nach unter Tage verlagern und fingen an, von Zwangsarbeitern Bunker und Höhlen bauen zu lassen.

In seinem sehr gut besuchten Vortrag konzentrierte sich Ellermann auf die Stollen Dachs I und Stör I an der Porta. Dachs I kann man heute noch besichtigen. Allein in diesem Jahr gab es 3.000 Anfragen. Im nächsten Jahr werde es keine Besichtigungen geben, da es Bedenken bezüglich der Sicherheit gebe. Früher war es normal, wenn auch kleinere Kinder in den Stollen spielten und illegale Eingänge in die Stollen zu abenteuerlichen Exkursionen nutzten. Ein Mann aus dem Publikum meldete sich während des Vortrags und erzählte von seinen Erlebnissen. Heute sind solche Eingänge geschlossen und alle brauchbaren Zugänge videoüberwacht.

Norbert Ellermann führte in seinem Referat die etwa 80 gespannten Zuhörer durch die dunklen Stunden der Jahre 1944 und 1945. Es waren 3.000 bis 4.000 Menschen von der Sklavenarbeit in den Porta-Stollen betroffen und etwa 700 Menschen starben. Sie erhielten kein menschenwürdiges Begräbnis, sondern wurden in Massengräbern verscharrt. Die weiblichen und männlichen Häftlinge aus ganz Europa arbeiteten täglich 12 bis 16 Stunden und sahen teilweise nie die Sonne. Es gab viele Bestrafungen, es war kalt, es gab wenig Luft. "Krieg trifft immer die Falschen", so Ellermann.


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