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Lippische Landes-Zeitung ,
11.11.2017 :
Stele erinnert an Ehepaar Pohlmann
Lemgo (mag). Die Idee eines Bürgers wird umgesetzt: Hanne und Klaus Pohlmann sollen mit einer Informations-Stele geehrt werden. Das Ehepaar hat sich intensiv um die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Lemgos und Lippes bemüht.
Die Aufstellung der Stele hat der Ausschuss für Kultur und Tourismus in seiner vorigen Sitzung einstimmig beschlossen. Hanne Pohlmann war Lehrerin am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium und bezog in ihre Arbeit auch Jugendliche mit ein. Besonders die jüdischen Familien in Lemgo standen im Mittelpunkt ihrer Nachforschungen. Im Rahmen ihrer Arbeit initiierte sie viele Kontakte zu Holocaust-Überlebenden, darunter auch Karla Raveh. Ihr Mann Klaus hat sie dabei unterstützt. Hanne Pohlmann starb 2011, ihr Mann folgte ihr vier Jahre später.
Die Stadt sucht nun nach einem geeigneten Ort für die Stele, sie könnte in der Nähe des Lippegartens aufgestellt werden, berichtet Ausschussvorsitzende Liesel Kochsiek-Jakobfeuerborn. Das sei ein guter Platz, findet sie: "Das ist öffentlicher Raum und nah an der Schule, an der Pohlmann gearbeitet hat."
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Lippische Landes-Zeitung, 03./04.09.2011:
Eine Brückenbauerin ist tot / Hanne Pohlmann ist mit 72 Jahren gestorben
Lemgo. Eine der stillen, aber wichtigen Personen für Lippe ist gestorben: Hanne Pohlmann erlag mit 72 Jahren einer schweren Krankheit. Die ehemalige Lehrerin für Geschichte und Französisch am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium hat mehr als 25 Jahre der Erforschung der Zeitgeschichte in Lippe und der jüdischen Geschichte gewidmet.
Die Folgen von Nazi-Ideologie und Weltkrieg hatte die 1939 in Breslau geborene Hanne Czerwenka selbst kennengelernt. Ihre Familie wurde nach dem Krieg aus ihrer Heimat im deutsch-tschechischen Grenzgebiet vertrieben. Augsburg und Krefeld waren Stationen, schließlich das Studium in Köln und Marburg, wo sie ihren Mann Klaus Pohlmann kennen lernte. 1970 siedelte das Paar nach Lippe über.
Hier nahm Hanne Pohlmann in den 70er Jahren die Frage eines Schülers zur Nazi-Zeit auf: "Wie war das denn hier?" Daraus entwickelten sich zahlreiche Forschungsprojekte, Aufsätze und Bücher über die NS-Zeit in Lemgo und Lippe, die Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger und die Geschichten jüdischer Familien, oft in Zusammenarbeit mit Jugendgruppen.
Weggefährten schildern sie als bescheidene und mit großem Einfühlungsvermögen ausgestattete Frau. Das half ihr, an vorderster Stelle das Schweigen zu beenden, das über der NS-Geschichte in Lippe gelegen hatte und neue Kontakte zu Überlebenden des Holocaust zu knüpfen. Ihre Rolle als Brückenbauerin zu ehemaligen lippischen Bürgern jüdischen Glaubens betont auch die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Für ihr Wirken erhielt sie das Bundesverdienstkreuz und die Sternheim-Nadel der Stadt Lemgo. Pohlmanns haben zwei Kinder und vier Enkelkinder.
Bildunterschrift: Große Verdienste: Hanne Pohlmann.
11./12.11.2017
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