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Mindener Tageblatt , 11.11.2017 :

Gegen das Vergessen

Gedenken an die Reichspogromnacht

Von Ilja Regier

Minden (mt). Zahlreiche Menschen haben sich überall am Donnerstag in Deutschland versammelt, um an die Opfer der Pogromnacht im November 1938 zu erinnern - auch in Minden. In der Synagoge kamen am Abend so viele Personen zusammen, dass nicht alle einen Sitzplatz fanden.

Schülerinnen und Schüler trugen diverse jüdische Schicksale von ehemaligen Mindener Bürgern vor. Die Nazis deportierten zum Beispiel Walter Simon, einen jüdischen Schlachter und Viehhändler, der wohl 1942 im KZ Auschwitz starb und erst 1945 für tot erklärt wurde.

Marianne Schmitz-Neuland, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Alten Synagoge Petershagen, hielt eine Gedenkrede. Sie kritisierte Chris Tall, einen Hamburger Comedian, der derzeit besonders populär bei Jugendlichen ist. Bei einem Auftritt in Köln hat dieser den Spruch "Lasst uns die Bude abfackeln - jetzt ist Chris-Tall-Nacht!" gebracht. Schmitz-Neuland deutete das als Provokation, da in diesem Zusammenhang bewusst auf die "Reichskristallnacht" verwiesen wurde.

"Das sorgt für Vergiftung und nicht dafür, dass sich ein Geschichtsbewusstsein entwickelt", sagte Schmitz-Neuland. Gleichzeitig freute sie sich über die Bildungsvereinbarung zwischen der AG Alte Synagoge Petershagen und dem Gymnasium Petershagen (das MT berichtete). "Wir wollen und dürfen nicht vergessen", lautete ihr Resümee. Ferner blickte sie auf die Pogrome in Petershagen zurück. "Es gab einen Befehl zur Verwüstung der Synagoge - die Pogrome folgten einem Plan."

Bildunterschrift: Schülerinnen und Schüler des Ratsgymnasiums stellten einzelne jüdische Schicksale vor.


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11./12.11.2017

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