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Lippische Landes-Zeitung ,
10.11.2017 :
Gedichte und Musik zur Erinnerung und Mahnung
Trauermarsch: Im Gedenken an den Holocaust und die Reichspogromnacht ziehen viele Lemgoer mit Kerzen vom Frenkel-Haus zur alten Synagoge / Schüler gestalten ein Programm zum Nachdenken
Lemgo (mag). Es ist voll gewesen gestern im Innenhof des Frenkel-Hauses, trotz Dunkelheit und Kälte. Viele Gäste sind gekommen am 9. November, dem Tag der Reichspogromnacht, um der Opfer des Holocaust zu gedenken - an dem Ort, der für viele Lemgoer gerade in diesem Jahr ein Ort der Trauer ist.
Im Namen des Arbeitskreises "9. November Lemgo" begrüßte Lysann Rehberg von der Stadt die Gäste. Schüler der Realschule trugen das Gedicht "Jeder Mensch hat einen Namen" der jüdischen Dichterin Zelda Schneersohn Mishkovsky vor. Und sie deuteten die Verse für die Vergangenheit und die Gegenwart: "Grausam war es, den Menschen im Konzentrationslager ihren Namen zu nehmen und ihnen Nummern einzutätowieren", sagte eine Schülerin. Die Stolpersteine hätten den Opfern ihre Namen zurückgegeben.
Und die jungen Lemgoer bezogen das Gedicht auch auf die Herausforderungen der Gegenwart: Denn die Flüchtlinge könnten oft nur ihren Namen mitnehmen. Sie erinnerten an die verstorbene Lemgoer Ehrenbürgerin Karla Raveh, deren Namen die Stadt besonders vermisse - sie hatte mit ihrer Familie im Frenkel-Haus gelebt.
Junge Musiker des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums und der Musikschule geleiteten durch die Gedenkstunde. Bürgermeister Dr. Reiner Austermann führte die Besucher in einem schweigenden Marsch zur Gedenkstätte ehemalige Synagoge, wo auch Schüler der Karla-Raveh-Gesamtschule und des Marianne-Weber-Gymnasiums sowie Auszubildende der Stadt Lemgo und Pfarrer Winfried Ostmeier zum Programm beitrugen.
Bildunterschrift: Klänge zum Gedenken: Schülerinnen des Engelbert-Kaempfer-Gymnasiums spielen am Frenkel-Haus.
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