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Mindener Tageblatt ,
10.11.2017 :
Das unbekannte Lager
Vortrag erinnert an Ermordung von Juden in Kulmhof
Minden (mt/ani). "Das unbekannte Vernichtungslager Kulmhof am Ner": Dem Thema widmet sich Prof. Dr. Peter Kuhn in seinem Vortrag am Mittwoch, 15. November, um 19.30 Uhr in der Kirche St. Simeonis in Minden. Es handelt sich um den Eröffnungsvortrag zur Ausstellung "Die Kulmhof-Prozesse in Bonn 1962 - 65", die dort bis zum 8. Dezember zu sehen ist.
Am 8. Dezember 1941 wurden in dem kleinen Ort Kulmhof am Ner einige Hundert Juden mit Motorabgasen ermordet, mit der Technik also, die zuvor bei den Euthanasie-Morden in Deutschland angewendet worden war. Kulmhof lag im "Warthegau", dem vom Deutschen Reich annektierten Teil Polens, etwa 70 Kilometer nordwestlich von Lodz, damals Litzmannstadt. Die Inbetriebnahme dieser Vernichtungsstätte durch das SS-Sonderkommando Lange ist der Beginn der nationalsozialistischen Massentötung an den europäischen Juden durch Giftgas. Im Vernichtungslager Kulmhof wurden bis 1944 mehr als 150.000 jüdische Menschen getötet, die zum Großteil aus dem Ghetto Litzmannstadt kamen. Aus diesem Ghetto kamen auch einige Tausend Menschen, die den Sinti und Roma angehörten.
Die Kulmhof-Prozesse (1962 / 63 und 1965) fanden fast zeitgleich mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen statt, wurden aber nicht im gleichen Maße in der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Peter Kuhn studierte in den 60er Jahren in Bonn und erlebte im dortigen Landgericht als Begleiter seines Lehrers Ch. Horowitz die Verhandlungen des Kulmhof-Prozesses in seiner ersten Phase. Prof. Horowitz war als Dolmetscher für Polnisch und Jiddisch zum Prozess gebeten worden.
Prof. Kuhn berichtet zur Ausstellungseröffnung in der Offenen Kirche St. Simeonis über die Geschichte des Vernichtungslagers Kulmhof und insbesondere über seine persönlichen Erinnerungen an den Kulmhof-Prozess in Bonn. Er wird seine Eindrücke vom politischen Klima der damaligen Zeit schildern, in dem es erst 20 Jahre nach den Verbrechen dazu kam, dass die Täter in Deutschland zur Rechenschaft gezogen wurden.
Mehrere Veranstalter unterstützen die Veranstaltung: Katholisches Bildungswerk Minden (im Dekanat Herford-Minden), Ev. Erwachsenenbildung Minden, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Minden, VHS Minden, Bildungszentrum "Mer Ketne - Wir zusammen!" vom Verein Deutscher Sinti Minden, Lokaler Aktionsplan Minden - Für Demokratie und Vielfalt, Mindener Geschichtsverein, KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte Porta Westfalica, Kath. Arbeitnehmerbewegung (KAB) St. Ansgar Minden, DJK Dom Minden, Arbeitsgemeinschaft Alte Synagoge Petershagen, Kolpingsfamilie Minden und Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.
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