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1 Veranstaltung - Nachrichten ,
10.12.2017 :
Tages-Chronologie von Sonntag, 10. Dezember 2017
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Veranstaltungskalender:
- Sonntag, 10. Dezember 2017 um 15.00 Uhr -
Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg 1933 - 1945: Öffentliche Führung durch die Dauerausstellung "Ideologie und Terror der SS"
Veranstaltungsort:
Kreismuseum
Burgwall 19
33142 Büren-Wewelsburg
www.wewelsburg.de
- Treffpunkt ist das Foyer im ehemaligen Wachgebäude der SS auf dem Burgvorplatz.
Die Dauerausstellung "Ideologie und Terror der SS" bietet - ausgehend von den Ereignissen 1933 bis 1945 in und um Wewelsburg - eine umfangreiche museale Gesamtdarstellung der Geschichte der SS und ihrer Verbrechen. Während der Führung werden Geschichte und Struktur der SS, ihr Personal und dessen Ideologie und Selbstverständnis sowie die zahlreichen Verbrechen der SS thematisiert.
Das Schicksal der Opfer der SS-Gewalt wird am Beispiel des Konzentrationslagers Niederhagen-Wewelsburg verdeutlicht.
Die Besucherinnen und Besucher werden durch die Ausstellung in den historischen Räumen im ehemaligen Wachgebäude der SS am Burgvorplatz geführt, die auf 850 Quadratmetern über 1.000 Exponate präsentiert. Im Nordturm der Wewelsburg erläutern die Pädagogen die Baugeschichte und Bedeutung zweier in NS-Architektur eingerichteter Räume.
Inhaltlich endet die Ausstellung nicht mit dem Jahr 1945, sondern spannt den Bogen über die Aufarbeitung des SS-Terrors nach dem Krieg und die Lebensgeschichten der ehemaligen KZ-Häftlinge bis hin zu heutigen Kontinuitäten und Herausforderungen.
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Sonntag, 10. Dezember 2017
Am 10. Dezember 2017 wurde die Rechtsaußen-Politikerin Heliane Ostwald, vom völkischen "Kreisverband Bielefeld" der "AfD", bei dem "14. Landesparteitag" - zur Beisitzerin in den NRW-Landesvorstand gewählt.
Am 9. Dezember 2017 verlor die, extrem rechte, Politikerin Sonja Schaak - völkischer "AfD"-"Kreisverband Lippe" - beim "14. Landesparteitag" des "Landesverbandes NRW", die Abstimmung gegen Helmut Seifen.
Am 9. Dezember 2017 wurde Rechtsaußen-Politiker Thomas Röckemann (aus Minden) zu einem von zwei Landessprechern des "Landesverbandes NRW" der Partei "AfD", auf ihrem "14. Landesparteitag", gewählt.
In der Nacht zum 10. Dezember 2017 wurden in Erwitte auf Hauswände sowie Garagentore, mit roter Farbe Hakenkreuze sowie der Schriftzug: "Sieg Heil" in der Graf-Landsberg-Straße und Gografenstraße gesprüht.
www.mobile-beratung-nrw.de
www.mobile-beratung-owl.de
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Neues Deutschland Online, 10.12.2017:
AfD in NRW / Der große Knall blieb aus
Rheinische Post Online, 10.12.2017:
Parteitag in Kalkar / Der rechte Flügel zeigt auch in der NRW-AfD seine Macht
Westdeutsche Allgemeine Zeitung Online, 10.12.2017:
Intrigantenstadl AfD
Westdeutsche Allgemeine Zeitung Online, 10.12.2017:
AfD-Parteitag: Zwei neue Chefs und viele alte Rechnungen
Correctiv.org, 10.12.2017:
Landesparteitag NRW: Die "Moderaten" in der AfD machen den Kotau vor dem rechten Flügel
Neue Westfälische am Sonntag, 10.12.2017:
Ostwestfale an der Spitze der NRW-AfD
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Neues Deutschland Online, 10.12.2017:
AfD in NRW / Der große Knall blieb aus
Trotz Diskussionen um Pretzell-Gefolgschaft und Finanzen lief der Parteitag der AfD in Nordrhein-Westfalen gesitteter ab als erwartet
Von Sebastian Weiermann, Kalkar
Am Wochenende hat die nordrhein-westfälische Alternative für Deutschland (AfD) einen neuen Vorstand gewählt. Eigentlich sollte der Parteitag schon Mitte Oktober stattfinden. Damals sagte die Partei das Treffen wegen Sicherheitsbedenken ab. Dabei wusste die Polizei damals nichts von Problemen mit der Sicherheit. Jetzt holten die Rechtspopulisten ihren Parteitag am äußersten Rand von Nordrhein-Westfalen, in Kalkar, nach. In den 1970er und 80er Jahren wurde in dem Dörfchen an der holländischen Grenze ein Atomkraftwerk gebaut. Auf Grund von Protesten und Sicherheitsbedenken ging der so genannte "Schnelle Brüter" nie ans Netz. Seit 1995 befindet sich ein Freizeitpark mit Hotelanlage auf dem Kraftwerksgelände. Das "Wunderland Kalkar" ist eine Art "Ballermann" am Niederrhein, mit Junggesellenabschieden und Firmenfeiern - ein passender Ort also, um einen neuen Vorstand für die AfD zu wählen.
Viel Streit gab es im Vorfeld des Parteitags - Funktionäre mussten sich für ihre Treue zu Marcus Pretzell rechtfertigen, dem Ehemann von Frauke Petry, der die AfD nach der Bundestagswahl ebenfalls verlassen hatte. Außerdem gab es Spekulationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten und Vetternwirtschaft im Landesverband. Doch der Parteitag lief gesitteter ab, als zu erwarten war. Zwar brauchten die Delegierten mehrere Stunden, um Tagesordnung und Satzung zu beschließen, wobei es auch zu hitzigen Reden kam. Aber der große Knall blieb aus. Die Finanzen sollen nun auf einem weiteren Parteitag gesondert besprochen werden. Erst danach soll der alte Vorstand entlastet werden. Unzufrieden ist man mit der Entwicklung der Mitgliederzahl. Diese sei trotz der Erfolge bei der Landtagswahl im Mai und der Bundestagswahl im September hinter den Erwartungen zurückgeblieben, berichtete der Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Andreas Keith. Man habe "mit deutlich mehr Mitgliedsanträgen gerechnet".
Am Abend wurden die neuen Vorsitzenden gewählt. Dabei setzten sich zwei Außenseiter durch. Der bisherige AfD-Landesvorsitzende Martin Renner war entgegen seiner vorherigen Ankündigung nicht wieder angetreten. Er wolle nicht mehr zu den Strippenziehern gehören, sagte er zur Begründung. In seinem Rechenschaftsbericht sprach der 63-Jährige von konkurrierenden Gruppierungen und "Gegnern in der Partei".
Zum ersten Sprecher wurde nun der Landtagsabgeordnete Thomas Röckemann gewählt. Der 52 Jahre alte Rechtsanwalt aus Minden hatte als Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Mai gegen Pretzell den Kürzeren gezogen. Er kann der völkischen Strömung innerhalb der Partei zugerechnet werden, exponiert sich allerdings selten selbst. Er nimmt an Treffen des "Flügels" um Björn Höcke teil. Seine Hauptziele im Landtag: gegen "Türken-Armin", gemeint ist der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, vorzugehen und "linke Politik" verhindern, die für Röckemann wohl bei der CSU anfängt.
Bildunterschrift: AfD-Landesparteitag in Kalkar.
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Rheinische Post Online, 10.12.2017:
Parteitag in Kalkar / Der rechte Flügel zeigt auch in der NRW-AfD seine Macht
10.12.2017 - 18.10 Uhr
Mit den beiden Landtagsabgeordneten Thomas Röckemann und Helmut Seifen an der neu gewählten Doppelspitze herrscht im Landesverband vermeintlich Ausgeglichenheit.
Von Julia Rathcke, Kalkar
Als Martin Renner, am Samstagmorgen noch Landeschef der NRW-AfD, zu seiner Begrüßungsrede des Parteitags ansetzen will, dringt er kaum durch. Erst ist das Gemurmel der rund 400 Delegierten zu stark, dann sein Mikrophon viel zu laut, die Rede holprig, er liest ab. Als er später den Rechenschaftsbericht vorstellen soll, ist er minutenlang nicht zu finden. Martin Renner ist an diesem Wochenende nicht in Bestform, wirkt lustlos, und wird es später selbst so sagen: "Fünf Jahre über ich mich jetzt in Zermürbung, ich möchte nicht mehr in der Zentrale der Strippenzieher sein." Renner will - entgegen seiner Ankündigung - nicht mehr Landeschef sein.
Bei dieser Erklärung wird deutlich: den Landesverband NRW zu führen, ist kein Traumjob, die Zeiten der Gefälle und Lagerbildung sind auch nach dem Abgang von Marcus Pretzell nicht vorbei. Als Renner den Rechenschaftsbericht vorstellen soll, hält er nochmals einen "Appell an die Anständigkeit"; die Partei müsse miteinander, nicht gegeneinander arbeiten; vor allem, dass auch der Ex-Schatzmeister die AfD verlassen habe, habe ihn "schockiert". Dies mache auch den Rechenschaftsbericht nicht einfacher; Gerüchte um finanzielle Unregelmäßigkeiten im Wahlkampf, die seit Wochen durch die Partei wabern, weist Renner zurück. Er spricht von Gegnern innerhalb der Partei, die so etwas streuen. Es gebe nichts zu verbergen, "nichts, was nicht belegt werden konnte", bestätigt auch der Rechnungsprüfer, man brauche aber Zeit. Die Entlastung des Vorstands wird vertagt.
Röckemann holt zum Rundumschlag aus
Auch der Landtagsabgeordnete Thomas Röckemann, einer der beiden neuen Landeschefs, setzt in seiner Rede auf einen Rundumschlag der "alten" NRW-AfD: "Bonnie and Clyde haben fertig, besser ein Ende mit Schrecken als Schrecken ohne Ende", sagt er über Marcus Pretzell und seine Frau Frauke Petry. Die AfD müsse jetzt zusammenstehen, um "linke Politik zu verhindern", so der der 52 Jahre alte Rechtsanwalt aus Minden, Vertreter des rechten Flügels, der auch die "Kyffhäusertreffen" mit Björn Höcke besucht.
Als gemäßigter gilt Helmut Seifen, Ex-CDU-Mitglied, pensionierter Schulleiter und Fraktionsvize im Landtag. Der zweite gleichberechtigte neue Vorsitzende hielt eine scharfe Rede; wünschte sich eine "starke Partei im Kampf für unser Vaterland" und sagte über die Forderung von SPD-Chef Martin Schulz, die EU bis 2025 in die Vereinigten Staaten von Europa umzuwandeln: "2025 ist dann endgültig zerstört, was zwei Weltkriege nicht geschafft haben."
Mit Röckemann und Seifen hat die NRW-AfD wieder eine Doppelspitze beider Strömungen, von der nach außen eher Zurückhaltung zu erwarten ist. Beide sind keine Freunde von offen ausgetragenen Flügelkämpfen. Die werden sich - wenn überhaupt - künftig eher zwischen Bundes- und Landesvorstand abspielen. Denn zwei eher moderate Kandidaten, die vergangene Woche noch in den Bundesvorstand gewählt worden waren, wollte die Mehrheit der Delegierten nicht im Landesvorstand sehen: Kay Gottschalk, einst Pretzell-Vertrauter, sowie Ex-SPD-Mann Guido Reil, der sich in seiner Rede einen eindeutigen Versprecher leistete: "Wir wollen die Herzkammerpartei der Arbeiter werden. Im Ruhrgebiet höre ich ein Herz immer lauter pochen, das ist das Herz der SPD!"
Bildunterschrift: Thomas Röckemann und Helmut Seifen (links): die neuen Sprecher der NRW-AfD.
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Westdeutsche Allgemeine Zeitung Online, 10.12.2017:
Intrigantenstadl AfD
10.12.2017 - 14.55 Uhr
Tobias Blasius zum AfD-Parteitag
Martin Renner gibt frustriert auf, nun soll eine Doppelspitze die AfD in NRW auf Kurs bringen. Doch wohin sie die zerstrittene Partei führen will, ist nicht erkennbar.
Die AfD sei nun einmal ein "gäriger Haufen", hat ihr Bundesvorsitzender Gauland gesagt. Wer die Gärung als produktiven Prozess versteht, muss sich beim Blick auf den größten Landesverband fragen: Was gärt da und mit welchem Ziel? Sieben Monate nach dem Einzug in den Landtag ist NRW-Spitzenkandidat Pretzell geflüchtet, der Schatzmeister ihm gefolgt, und der bisherige Co-Vorsitzende Renner zieht sich mit einer bitteren Klage über den Intrigantenstadl AfD ("Politische Abenteurer, Egomanen, Füßetreter") zurück.
Die Doppelspitze bilden nun die Landtagsabgeordneten Röckemann und Seifen, die mehr oder minder deutlich nach rechts blinken. Ob mit dem neuen Personal eine wie auch immer geartete Professionalisierung der NRW-AfD Einzug halten könnte, erscheint zweifelhaft.
Nach innen werden alte Rechnungen beglichen bis hin zu Untreuevorwürfen, nach außen sämtliche Themen plump mit Ressentiments gegen die angeblich multi-kulti-sozialromatisch-versifften "Altparteien" verklappt. Ein eigener Kurs, ein durchgerechnetes Konzept, ein alternatives Lösungsangebot? Fehlanzeige.
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Westdeutsche Allgemeine Zeitung Online, 10.12.2017:
AfD-Parteitag: Zwei neue Chefs und viele alte Rechnungen
10.12.2017 - 10.46 Uhr
Tobias Blasius
Kalkar. Die AfD wählt beim Landesparteitag in Kalkar die Doppelspitze Röckemann / Seifen, lässt aber weiter keinen klaren Kurs erkennen.
Nach zweieinhalb Stunden Antragsberatung mit immer neuen Wortmeldungen, allerlei Unterstellungen und abwegigen Vorschlägen ruft der Versammlungsleiter ins Mikrofon: "Herzlichen Glückwunsch, wir haben eine Tagesordnung." Es folgen vier weitere Stunden Rechenschaftsbericht und Anträge zur Satzungsänderung.
Der Landesverband der Alternative für Deutschland (AfD) hat sich im ehemaligen Kernkraftwerk Kalkar am Niederrhein zum Parteitag eingefunden. Eigentlich wollte man bereits im Oktober in Wiehl tagen, doch angeblich aus Furcht vor 2.000 Gegendemonstranten wurde die Veranstaltung verschoben. In Kalkar bewachen zwei Streifenwagen den menschenleeren Schneematsch vor der Halle.
Renner gibt verbittert auf
"Die größte Gefahr für die AfD ist ihr Erfolg", sagt Martin Renner drinnen vor den mehr als 400 Delegierten. Die Partei ziehe "politische Abenteurer, Egomanen und Füßetreter" an. Trotz der Wahlerfolge in Bund und Ländern stehe es nicht zum Besten. "Anfeindungen nehmen mehr zu, obwohl wir doch auf dem Weg zum richtigen Ziel sind", hadert der 64-Jährige. Der Bundestagsabgeordnete galt mal als starker Mann der AfD in NRW, als nationalkonservativer Gegenspieler und Co-Vorsitzender des Frauke Petry-Ehemanns Marcus Pretzell.
Pretzell und Schatzmeister Frank Neppe verließen die Partei, nachdem sie einen Wahlkampf-Etat von 1,3 Millionen Euro durchgebracht und für die nächsten fünf Jahre einen Landtagssitz sicher haben. Nun zieht Renner allen Unmut auf sich und gibt am Ende verbittert auf. Zur neuen Doppelspitze der AfD werden mit schwachen 53 bzw. 57 Prozent die Landtagsabgeordneten Thomas Röckemann und Helmut Seifen gewählt.
Wohin die AfD inhaltlich steuert, bleibt unklar
Röckemann ist ein 52-jähriger Rechtsanwalt aus Minden mit Polizei-Ausbildung, der dem nationalkonservativen Flügel zugerechnet wird. Er scheiterte vor der Landtagswahl nur knapp beim Versuch, den viel bekannteren Pretzell von Listenplatz eins zu verdrängen. Seifen (64) leitete ein Gymnasium in Gronau und galt mal als moderater Pretzell-Vertrauter, schlug jedoch zuletzt im Landtag härtere Töne an, wenn er "das grassierende Bildungsunwesen" kritisierte.
Wohin die AfD inhaltlich steuert, bleibt unklar. Der Vorstand wird nicht entlastet, weil es Ungereimtheiten um die Parteifinanzen gibt. Die Mitgliederentwicklung in NRW stagniert bei 4.300. Aufnahmeanträge von ehemaligen NPD-Mitgliedern werden abgelehnt, frühere Republikaner schaue man sich dagegen genau an. Der Kreisverband aus Höxter beklagt, dass ein Interessent abgewiesen worden sei, weil er ein Autogramm von AfD-Rechtsausleger Björn Höcke bei Facebook gepostet habe. So geht das hin und her. Dabei soll es doch Anspruch der AfD sein, wie es Renner in Kalkar formuliert, "das bequemlichkeitsverblödete Volk politisch zu ertüchtigen".
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Correctiv.org, 10.12.2017:
Landesparteitag NRW: Die "Moderaten" in der AfD machen den Kotau vor dem rechten Flügel
Marcus Bensmann
Die AfD setzt ihren Weg nach Rechtsaußen weiter fort. Auf dem Landesparteitag in NRW griff ein Vertreter des so genannten "moderaten" Flügels zu einer rechtsradikalen Rede, um an die Vorstandsspitze gewählt zu werden.
Der Landesverband der AfD in Nordrhein-Westfalen hat auf seinem Parteitag in Kalkar je einen Vertreter des radikalen sowie einen des so genannten "moderaten" Flügels an die Spitze gewählt.
Bei der Besetzung des ersten Chefpostens scheiterte der Wunschkandidat von Marcus Pretzell, dem ehemaligen Fraktionsvorsitzenden und Landeschefs der AfD in Nordrhein-Westfalen. So verlor Jörg Schneider, Bundestagsabgeordnete aus NRW, gegen Thomas Röckemann. Röckemann sitzt im Landtag, wird vom "patriotischen Lager" unterstützt und war langjähriger Gegner von Pretzell. Als zweites ging für die "Moderaten" dann der Landtagsabgeordnete und frühere Pretzell-Vertraute Seifen in den Ring. "Unser zweiter Mann, wenn er auch durchfällt, dann kann der gemäßigte Flügel in NRW einpacken", sagte ein Strippenzieher aus dem Pretzell-Lager vor dem Wahlgang. Es stand viel auf dem Spiel. Der AfD-Mann Helmut Seifen reagierte und setzte vor den Delegierten zu einer rechtsradikalen Verschwörungstheorie an.
"Schulz hat nun endlich die Katze aus dem Sack gelassen", sagte der AfD-Mann über den SPD-Parteivorsitzenden Martin Schulz. "2025 ist Schluss mit unserem schönen Deutschland." Der AfD-Politiker Seifen spielt damit auf die europapolitischen Pläne der Sozialdemokraten an, die europäische Integration zu vertiefen. Schulz hat vorgeschlagen, Europa in die "Vereinigten Staaten von Europa" zu verwandeln.
AfD-Mann Seifen sagte vom Podium herab: "2025 ist dann endgültig zerstört, was zwei Kriege und ein tiefer moralischer Fall unseres Volkes nicht schaffen konnten." Der Satz des Landtagsabgeordneten geht im Applaus unter. Seifen fährt fort: "Sie setzen damit fort, was zwei Kriege nicht erreicht haben." Nämlich den Untergang Deutschlands. Nach dieser Weltsicht ist SPD-Chef Schulz schlimmer als Adolf Hitler. Seifen war wie Björn Höcke vor der politischen Karriere ebenfalls Geschichtslehrer. Gegen den AfD-Politiker aus Thüringen läuft ein Parteiausschlussverfahren wegen übergroßer "Nähe zum Nationalsozialismus". Nach dem Rechtsruck in der Partei wird dieses im Sande verlaufen.
Seifen suggerierte mit seiner Rede, dass es eine Verschwörung gebe, Deutschland zu zerstören. Das ist das Gedankengut von Rechtsradikalen und Nazis. Und der Parteitag auf dem Gelände des ehemaligen stillen Brüters kochte. "Merkel und Schulz" würden "das moralische und emotionale Fundament unserer Nation" zerstören, sagte der angeblich "moderate" Pretzell-Mann.
"Moderat" ist relativ in der AfD. Dieser Flügel lehnt den Zuzug von Flüchtlingen ab, hetzt gegen den Islam. Anders als der radikalere, völkische Flügel verzichtet der so genannte "moderate" Flügel jedoch in der Regel auf die Verherrlichung der Wehrmacht und auf Bezugnahmen zur Nazi-Zeit.
Das "Ende der Nation"
Auf die Nachfrage von Correctiv, ob der frisch gewählte Co-Chef der AfD in NRW die sozialdemokratische Europa-Politik schlimmer als die Terrorherrschaft der Nazis fände, besteht der frisch gewählte Helmut Seifen auf seiner Sichtweise. Die Europa-Pläne von Schulz bedeuteten die "Abgabe von Souveränitätsrechte" und damit das "Ende der deutschen Nation". Dies sei eben schlimmer als das Ergebnis der zwei Weltkriege.
Seifen: "Ich habe gesagt, die beiden Weltkriege haben Deutschland nicht zerstört, obwohl sie so fürchterlich waren und obwohl der Zweite Weltkrieg von einem Verbrecher ausgeübt worden ist. Aber jetzt schafft Schulz das, was zwei Weltkriege nicht geschafft haben, wenn er fordert, dass Deutschland aufhören soll zu existieren und dass Deutschland hineingebracht werden soll in einen europäischen Superstaat. Das habe ich gesagt."
Aus der Bundestagsfraktion der AfD heißt es, Seifen habe gewählt werden müssen, "egal wie". Dessen tatsächliche Politik würde dann "eine andere" sein, sagte ein Abgeordneter gegenüber Correctiv.
Nach dem Sieg von Röckemann fürchtete die ehemalige Pretzell-Mannschaft einen Durchmarsch des radikalen Flügels. Dann wäre das Tischtuch zwischen dem Landesverband und den Bundestagsabgeordneten aus NRW zerschnitten gewesen. Denn die meisten Abgeordneten in Berlin gehörten zur Seilschaft des nun in der AfD verdammten Pretzells an.
Überraschende Mehrheiten
Wäre es ihnen nicht gelungen, einen von ihnen in die Parteiführung zu drücken, hätte kaum einer der Bundestagsabgeordneten aus NRW die Chance gehabt, bei einer eventuellen Neuwahl wieder in den Bundestag zu ziehen. Es ging um die Wurst und die "Moderaten" in der AfD griffen zur rechtsradikalen Klaviatur.
Der Parteitag in Kalkar hat die alten Pretzell-Seilschaften überrascht. Sie dachten, sie hätten die Mehrheit. Selbst das patriotische Lager hatte zuvor befürchtet, in Kalkar in der Minderheit zu sein.
Der frühere NRW-Parteichef Martin Renner gab ganz auf. Er trat nicht mehr an, angewidert von einer Partei von "politischen Abenteurern", "Egomanen" und "Füße-Scharrern". Renner zieht sich als Bundestagsabgeordneter in die "innere Emigration" zurück.
Bildunterschrift: Die neue NRW-Spitze der AfD: Thomas Röckemann und Helmut Seifen.
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Neue Westfälische am Sonntag, 10.12.2017:
Ostwestfale an der Spitze der NRW-AfD
Markus Röckemann aus Minden und der Vize der Landtagsfraktion, Helmut Seifen, neue Landessprecher
Von Lothar Schmalen
Kalkar. Der Mindener Rechtsanwalt Thomas Röckemann (52) und der frühere Schulleiter Helmut Seifen (64) aus Gronau sind die neuen Landessprecher der AfD in NRW. Röckemann, der eher vom rechten Parteiflügel unterstützt wurde, und Seifen, der bislang eher als gemäßigt galt, setzten sich jeweils im ersten Wahlgang durch. Dabei provozierte Seifen mit einer Äußerung zur Europa-Politik von SPD-Parteichef Martin Schulz, für den ihn große Teile der Delegierten allerdings mit stehenden Ovationen feierten und die ihm möglicherweise auch am Ende die nötigen Stimmen aus dem rechten Lager brachten. "Was zwei Weltkriege nicht geschafft haben, schafft SPD-Chef Schulz mit seiner Forderung nach den Vereinigten Staaten von Europa, nämlich unser Deutschland zu zerstören."
Röckemann, der schon in der Zeit des früheren und inzwischen aus der Partei ausgetretenen Landeschefs Markus Pretzell gegen diesen opponiert hatte, setzte sich überraschend klar gegen den Gelsenkirchener Bundestagskandidaten Jörg Schneider vom eher gemäßigten Flügel durch. Er erhielt auf Anhieb 52,6 Prozent der Delegiertenstimmen, Schneider 39,1 Prozent. Zwei weitere Kandidaten spielten keine größere Rolle. Neben dem Oeynhausener Markus Wagner, der an der Spitze der AfD-Landtagsfraktion steht, ist Röckemann nun der zweite Ostwestfale in einer führenden Position des AfD-Landesverbands NRW, der mit 4.300 Mitgliedern zu den größten gehört.
Seifen, der auch Vize-Chef der AfD-Landtagsfraktion ist, setzte sich bei der Wahl des zweiten (gleichberechtigten) Landessprechers mit 57,3 Prozent gegen zwei weitere Kandidaten durch. Der bisherige Landessprecher Martin Renner (63), ebenfalls dem rechten Flügel zugerechnet, war überraschend nicht zur Wahl angetreten.
Bildunterschrift: Gewählt: Thomas Röckemann (52), MdL aus Minden.
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