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Westfalen-Blatt , 04.11.2017 :

Ziel: die eigene Gemeinde

Gütersloh (WB). Wolf Hausmann aus Gütersloh hat sich vor eineinhalb Jahren der jüdischen Glaubensgemeinschaft angeschlossen. Doch er vermisst den Kontakt zu Glaubensbrüdern vor Ort. Daher möchte er nun in Gütersloh eine Jüdische Gemeinde gründen und sucht nach Gleichgesinnten. "Ich kenne eigentlich gar keine anderen Juden in Gütersloh", sagt der 53-Jährige, der in Berlin geboren wurde und im Alter von drei Jahren nach Ostwestfalen kam. "Zusammen den Sabbat feiern, gemeinsam in den Dialog kommen. Ich möchte nicht, dass jeder für sich im stillen Kämmerchen hockt. Mein Ziel ist es, hier ein Wir-Gefühl zu fördern", erklärt Hausmann. Momentan tauscht er sich mit Juden in ganz Deutschland zumeist über das Internet aus.

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Neue Westfälische - Gütersloh, 27.07.2017:

Jude vor Haustür beschimpft

Vorfall: Zum wiederholten Mal wurde ein Mann jüdischen Glaubens in Gütersloh öffentlich angefeindet / Das berichtet jetzt eine Recherchestelle mit Sitz in Berlin

Von Stefan Boes

Gütersloh. Einen antisemitischen Vorfall, der sich bereits am 2. Juli in Gütersloh zugetragen haben soll, meldete gestern die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS).

Demnach ist ein Jude vor seiner Haustür antisemitisch beschimpft worden. Der Mann, der durch seine Kippa und seine Schaufäden als Jude erkennbar war, soll am Abend des 2. Juli vor seiner Haustür gestanden und geraucht haben. Auf dem Weg zurück ins Haus hörte er, wie jemand aus einem vorbeifahrenden Auto "Drecksjude" rief.

Der Betroffene wurde in der Vergangenheit schon häufiger in der Öffentlichkeit angefeindet, heißt es in der Mitteilung von RIAS. "Finden antisemitische Bedrohungen im unmittelbaren Wohnumfeld der Betroffenen statt, sind sie für diese häufig besonders bedrohlich", schreibt die Informationsstelle.

Dem Betroffenen habe man nahegelegt, den Vorfall bei der Polizei anzuzeigen. "In der Regel raten wir dazu", sagte Benjamin Steinitz. "Es handelt sich in solchen Fällen mindestens um Beleidigung. Je nach Wortwahl ist auch der Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllt", sagte der Mitarbeiter der Informationsstelle gegenüber der NW. "In diesem Fall liegt die Schwierigkeit darin, dass der Betroffene bereits auf dem Weg zurück ins Haus war und den Autofahrer nicht richtig erkennen konnte", so Steinitz.

Die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus ist ein Projekt des Vereins für Demokratische Kultur in Berlin (VDK).

RIAS hat in Kooperation mit jüdischen und nicht-jüdischen Organisationen ein Meldesystem für antisemitische Vorfälle in Berlin aufgebaut. Meldungen und eigene Recherchen werden dort systematisiert und analysiert. Die Institution ist in Deutschland bisher einzigartig und registriert inzwischen auch Vorfälle über Berlin hinaus. Weitere gemeldete Vorfälle in Gütersloh gab es nach Aussagen von Steinitz in diesem Jahr noch nicht.

Antisemitisch motivierte Delikte fallen bei der Polizei unter politisch motivierte Kriminalität. Im Kreis Gütersloh konnten laut Jahresbilanz 2015 nur 27,3 Prozent der politisch motivierten Straftaten aufgeklärt werden.

Betroffene oder Beobachter von antisemitischen Vorfällen können diese auf der Webseite melden: www.report-antisemitism.de

Bildunterschrift: Symbol jüdischer Religion: Ein mit Kippa und Schaufäden bekleideter Gütersloher jüdischen Glaubens (nicht auf diesem Bild zu sehen) wurde bereits häufiger Opfer antisemitischer Anfeindungen. Anfang Juli wurde er von einem vorbeifahrenden Autofahrer übel beleidigt.

04./05.11.2017

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