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Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock , 07.11.2017 :

Ein Schritt zum Erfolg

Steuerungsgruppe tagt zur Entwicklung der Gedenkstätte Stalag

Von Bernd Steinbacher

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Manfred Büngener, Vorsitzender des Fördervereins der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne, sieht das Treffen der hochkarätig besetzten Steuerungsgruppe "als Erfolg" an.

"Alle Beteiligten haben sich positiv über die Gedenkstätte geäußert", sagte Büngener auf Nachfrage. Klar sei, dass es noch viel zu tun gebe. Er habe gedrängt, dass die Arbeit der Gedenkstätte schon kurzfristig besser unterstützt werden müsse.

Die Steuerungsgruppe zur Weiterentwicklung der Gedenkstätte Stalag 326 / Sozialwerk hat gestern im Rathaus zum ersten Mal getagt. "Das Treffen ist ein weiterer wichtiger Schritt. Es wird deutlich, welche Bedeutung die Gedenkstätte hat", sagte Bürgermeister Hubert Erichlandwehr nach dem Treffen. André Kuper (CDU) habe sich gemeinsam mit Günter Garbrecht (SPD) für die Dokumentationsstätte eingesetzt. Doch wenn Kuper als Landtagspräsident, als erster Mann im Land, diese Steuerungsgruppe ins Leben rufe, habe das einen sehr hohen Stellenwert. Manchmal sei nebeneinander her gearbeitet worden. Um das Beste für die Gedenkstätte zu erreichen, sollen nun die Kräfte gebündelt und koordiniert werden.

In einer Pressemitteilung formuliert André Kuper so: "In den vergangenen Jahren sind von unterschiedlichen Akteuren viele neue Impulse zu einer Weiterentwicklung der Gedenkstätte gegeben worden. Wir wollen diese Impulse bündeln, um Stalag 326 / Sozialwerk als bedeutende Erinnerungs-, Dokumentations- und Gedenkstätte zu erhalten, fortzuentwickeln und in die Zukunft zu führen. Die heute gegründete Lenkungsgruppe wird dafür die notwendige Koordinierung leisten und Denkanstöße zur künftigen Finanzierung geben."

Die Finanzierung ist auch Büngener ein großes Anliegen, hat er doch bereits Spenden gesammelt und um offizielle Unterstützung gebettelt, als die Dokumentationsstätte noch nicht so im Blickpunkt der Öffentlichkeit stand, wie derzeit. Zur positiven Entwicklung beigetragen hat dabei auch im Mai 2015 der Besuch des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Die Lenkungsgruppe konnte sich auf die Erarbeitung eines Konzepts einigen, das in etwa einem Jahr stehen soll. Darüber hinaus verständigten sich die Teilnehmer auf kurz-, mittel- und langfristige Ziele.

Stattfinden soll zudem ein Symposium, organisiert von der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Stalag und der Lenkungsgruppe, an dem Wissenschaftler aus der Region und Deutschland teilnehmen werden. Auch einen Workshop zur Aufbereitung der Geschichte des Sozialwerks wird es 2018 geben, um eine Basis für eine zukünftige Förderung zu haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Standort der heutigen Polizeischule von 1946 bis 1972 dem Sozialwerk Stukenbrock. Unter Aufsicht des Sozialministeriums und mit Unterstützung der Wohlfahrtsverbände wurden etwa 220.000 Vertriebene und Flüchtlinge im Sozialwerk untergebracht und versorgt.

Stalag 326 (VI K) Senne

Das Stalag 326 (VI K) Senne war von 1941 bis 1945 eines von zahlreichen deutschen Kriegsgefangenenlagern. Die Abkürzung Stalag steht für Stammlager.

Das Lager war vorwiegend für die Inhaftierung sowjetischer Kriegsgefangenen gedacht. Es waren aber auch Kriegsgefangene anderer Nationalität dort untergebracht, unter anderem aus Frankreich, Belgien und Polen.

Wegen der schlechten hygienischen Zustände und auf Grund von Unterernährung starben Zehntausende der Kriegsgefangenen. Auf dem Ehrenfriedhof sind sie begraben. Bislang konnten mehr als 10.000 von ihnen identifiziert werden.

Am 2. April 1945 wurde das Lager von US-Soldaten befreit. Im ehemaligen Arrestgebäude des Lagers ist heute eine Ausstellung zu sehen, die das Leid der Kriegsgefangenen dokumentiert.

Bildunterschrift: Die Steuerungsgruppe zur weiteren Entwicklung der Gedenkstätte Stalag 326 (VI K) Senne hat gestern im Rathaus getagt: (vorn von links) Staatssekretär Klaus Kaiser, Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, Helga Lange (Bündnis 90 / Grüne), Landtagspräsident André Kuper und (hinten von links) Günter Garbrecht, ehemaliger SPD-Landtagsabgeordneter, Manfred Büngener und Oliver Nickel vom Förderverein der Gedenkstätte Stalag, Jürgen Heinrich (Geschäftsführer Universitätsgesellschaft Bielefeld), Landrat Sven-Georg Adenauer, Wolfgang Günther (Landeskirchliches Archiv) und Bürgermeister Hubert Erichlandwehr.


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