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Neue Westfälische ,
09.12.2017 :
AfD sucht neue Landesspitze in NRW
Parteitag: Die Nachfolge von Markus Pretzell scheint völlig ungeklärt zu sein
Von Lothar Schmalen
Düsseldorf / Kalkar. Wer nach dem Parteiaustritt des früheren Landeschefs Markus Pretzell damit gerechnet hat, dass es ruhiger würde im größten Landesverband der AfD, der dürfte beim bevorstehenden Landesparteitag in Kalkar am Niederrhein eines Besseren belehrt werden. Auch diesmal werden wieder Auseinandersetzungen zwischen den Rechten und ganz Rechten das Bild prägen. Dazu kommen noch Gerüchte über finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Kasse des Landesverbands.
Kaum jemand geht in der Partei davon aus, dass der allein verbliebene Landesvorsitzende Martin Renner, der dem extrem rechten Flügel der Partei zugerechnet wird, eine Chance auf Wiederwahl hat. Zu sehr ist sein Name mit geradezu exzessiven Auseinandersetzungen zwischen dem früheren Pretzell-Lager und den Rechtsextremen verbunden. Niemand vermag zu sagen, wie die Landesspitze nach dem Landesparteitag tatsächlich aussehen wird.
Über mögliche Kandidaten gibt es nur Spekulationen. Hinter vorgehaltener Hand werden der Gelsenkirchener Bundestagsabgeordnete Jörg Schneider - er erreichte am 24. September 16,9 Prozent der Erststimmen und ist eher dem gemäßigten Flügel zuzurechnen, und die lippische AfD-Politikerin Sonja Schaak genannt - ob sie aber wirklich kandidieren will, ist völlig unklar. Nicht einmal, ob es künftig einen, zwei oder vielleicht sogar drei Landessprecher geben könnte, ist vorhersehbar.
Obwohl der NRW-Landesverband der AfD der größte ist, spielt er in der Bundespartei bislang keine Rolle. Das lag auch an seinem bisherigen Vorsitzenden Pretzell und der Zerstrittenheit. Ob sich der Wunsch des neuen Vorsitzenden der AfD-Landtagsfraktion, Markus Wagner aus Bad Oeynhausen, erfüllt, dass der neue Vorstand den Landesverband zusammenführt und nicht spaltet wie der alte, ist unter diesen Voraussetzungen eher fraglich. Wagner jedenfalls will erreichen, dass der NRW-Landesverband einen angemessenen Einfluss in der Bundespartei nehmen kann.
Und dann gibt es noch die Gerüchte um angebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten im Landesverband. Es soll um Hunderttausende gehen, die in der Kasse fehlen. Das allerdings dementiert Landeschef Renner. Für alle Ausgaben gebe es Belege. Jedenfalls muss der Parteitag sich mit einem Antrag auf Sonderprüfung der Finanzen befassen.
09./10.12.2017
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