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Westfalen-Blatt / Zeitung für Schloß Holte-Stukenbrock ,
08.12.2017 :
Bierflasche aus Frankreich entdeckt
LWL-Archäologen forschen erstmals im Stalag 326
Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Wegen Bauarbeiten haben Archäologen in Schloß Holte-Stukenbrock zum ersten Mal das ehemalige Kriegsgefangenenlager Stalag 326 aus dem Zweiten Weltkrieg untersucht.
Dabei stießen sie auf Funde, die von der bewegten Geschichte des Ortes zeugen, wie der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) mitteilt. Als die Ausgräber den Oberboden vorsichtig abgetragen hatten, fanden sie zwei zunächst unscheinbar aussehende Objekte: eine Bierflasche und einen Teelöffel. An Hand der Aufschrift auf der Glasflasche ließ sich der ursprüngliche Inhalt eindeutig identifizieren: Es handelte sich um das in Frankreich damals sehr beliebte Bier der Marke "La Meuse".
"Die Bierflasche zeugt von der ungleichen Behandlung der Kriegsgefangenen und zeigt, dass die im Nationalsozialismus vorherrschende Rassenideologie auch im Kriegsgefangenenlager fortgeführt wurde", erklärt LWL-Archäologe Dr. Sven Spiong. Die archäologische Untersuchung liegt genau in dem Bereich, wo 110 französische Kriegsgefangene ab 1941 untergebracht waren.
In einem speziell eingerichteten Lager gab es einen Theatersaal, eine Kapelle, eine Bücherei und eine eigene Krankenbaracke mit französischen Ärzten. "An Hand der archäologischen Funde zeigt sich jetzt, dass sich die französischen Kriegsgefangenen sogar heimisches Bier beschaffen konnten", so Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen.
Ganz anders erging es den überwiegend russischen Kriegsgefangenen, die zur selben Zeit im Lager lebten: Sie fristeten ihr Dasein unter menschenunwürdigen Bedingungen. Unter dem Oberkommando der Wehrmacht starb ein Großteil von ihnen an Hunger und Erschöpfung. Die Zahl der Opfer wird auf bis zu 65.000 geschätzt.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog das Evangelische Johanneswerk in das ehemalige Kriegsgefangenenlager ein. Bis 1970 beherbergte es Flüchtlinge und Vertriebene. "Der Fund eines Löffels mit der Aufschrift "Johanneswerk" zeigt, dass die Flüchtlinge dort, nachdem sie alles verloren hatten, mit dem Nötigsten versorgt wurden", erklärt Spiong. "Der Löffel steht quasi für die enorme Herausforderung bei der Integration der Flüchtlinge aus dem Osten im anfangs so schwachen Nachkriegsdeutschland", sagt er.
Heute befindet sich im ehemaligen Lager die Dokumentationsstätte. Für Grabungsleiter Eberhardt Kettlitz steht fest: "Wo auch immer im ehemaligen Kriegsgefangenenlager heute der Spaten oder die Baggerschaufel in den Boden eingreift, sind Funde zu erwarten, die vom Alltag und Leid der Vergangenheit zeugen." Daher sind im Zuge weiterer Baumaßnahmen archäologische Untersuchungen geplant.
Erstes Bodendenkmal der Stadt
Auf Antrag der LWL-Archäologie für Westfalen ist das Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Stalag 326 (VI K) als Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Schloß Holte-Stukenbrock eingetragen worden. Es ist das erste Bodendenkmal im Stadtgebiet.
Die anderen 51 eingetragenen Denkmäler sind Baudenkmäler, darunter bereits Teile des ehemaligen Stalag, wie die Lagerstraße, das Entlausungshaus, das Arrestgebäude und die evangelische Kirche. Als Baudenkmal ist ebenfalls 1988 der Sowjetische Ehrenfriedhof eingetragen worden.
Als Bodendenkmal gilt jetzt das Gelände, das von der Polizei NRW als Ausbildungsstätte genutzt wird. Ein kleines Stück westlich und südlich des Areals stehen ebenfalls unter Denkmalschutz. Das Gelände gehört dem Land NRW. Der Eintrag in die Denkmalliste bedeutet, dass bei allen Veränderungen auf dem Gelände die Denkmalschützer mitzureden haben.
Bildunterschrift: Immer wieder werden interessante Funde auf dem Gelände des ehemaligen Stalag 326 gemacht. Im April 2011 zeigt hier Oliver Nickel von der Dokumentationsstätte Stalag mehrere hundert Paar Schuhe.
Bildunterschrift: Der gefundene Teelöffel trägt die Aufschrift Johanneswerk.
Bildunterschrift: Gefunden: Eine Bierflasche aus Frankreich.
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