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Neue Westfälische - Gütersloher Zeitung , 27.11.2017 :

"Kritische Auseinandersetzung wichtig"

Meinungsaustausch: Die Werke von Hans Schmitz-Wiedenbrück lösen eine kontroverse Diskussion zur Kunst im Nationalsozialismus aus / Die drei Bilder des früheren Kirchenmalers bleiben im Foyer des Historischen Rathauses hängen

Rheda-Wiedenbrück (nw). "Die Bilder von Schmitz sollen im Historischen Rathaus bleiben. Wir wollen ausdrücklich die kritische Betrachtung des Werkes und des Künstlers", sagte Bürgermeister Theo Mettenborg zum Ende der Debatte über Hans Schmitz-Wiedenbrück und seine Werke im voll besetzten Saal des Wiedenbrücker Schule Museums.

Er nehme mit, dass eine weitere Auseinandersetzung mit den Werken von Schmitz-Wiedenbrück notwendig sei. Die Bilder sollten kommentiert werden und könnten auch in einer Magisterarbeit fachmännisch eingeordnet werden, so Mettenborg.

Vorausgegangen war eine lebhafte Diskussion - zunächst auf dem Podium, dann mit dem Publikum. Paul F. Jesse, hatte gefordert, die Bilder aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. "Die Nazis haben sechs Millionen Juden verbrannt, Hans Schmitz hat für sie gemalt, das finde ich unerträglich." Willi Repke, Nachfahre von Schmitz Lehrmeister Heinrich Repke, vertrat eine andere Position: "Nicht jeder, der für die Nazis gemalt hat, ist ein Nazi." Schmitz habe weit länger als Kirchenmaler gewirkt - "alleine 17 Jahre im Atelier meines Großvaters". Beide Positionen und weitere Meinungen wurden über "Hans Schmitz-Wiedenbrück und die Kunst im Nationalsozialismus" geäußert.

Während Jesse darauf verwies, dass Schmitz bekanntestes Bild "Arbeiter, Bauern, Soldaten" eindeutig Kriegspropaganda sei, gingen die Meinungen zu dem ähnlichen Motiv "Kämpfendes Volk" auseinander. Der eine sah darin eine Heldenverherrlichung, der andere eine düstere Zukunftsvision über das Kriegsende. Vielfach wurde gewünscht, die Schmitz-Bilder öffentlich hängen zu lassen und sich intensiv mit ihrer Geschichte zu beschäftigen. Die Auseinandersetzung sei auch nötig, so ein Teilnehmer, weil der gebürtige Lippstädter sich selbst den Künstlernamen "Schmitz-Wiedenbrück" gegeben habe. Moderator Rüdiger Krüger sah als Leiter der VHS eine neue Aufgabe auf die Bildungseinrichtung zukommen. Die Intensität des Gesprächs lasse eine eigene Reihe geraten erscheinen.

Zuvor hatte Christian Fuhrmeister, Kunsthistoriker an der Ludwig-Maximilians-Universität München, einen Überblick über Kunst im Nationalsozialismus und über das Werk von Hans Schmitz-Wiedenbrück gegeben. Er zeigte, dass eine wesentliche Schwierigkeit bei der Beurteilung von Kunst aus der NS-Zeit der Mangel an Wissen sei. Die Forschung habe jahrzehntelang die Jahre von 1933 bis 1945 übersprungen. Werke und Künstler dieser Zeit seien kaum erforscht, Daten über sie in Nachschlagewerken fehlerhaft. Viele seien allein wegen der Zeit, in der sie gewirkt hätten, in der Schublade "Nationalsozialismus" verschwunden. Dabei gebe es "nicht nur Schwarz und Weiß sondern auch viele Graustufen" bei ihrer Einordnung. Schmitz-Wiedenbrück wurde in jungen Jahren Professor an der Düsseldorfer Akademie. Bei der "Großen Deutschen Kunstausstellung" war er mit vielen Werken vertreten, ebenso bei der Biennale 1940. Er war auch darum erfolgreich, weil er mit überwiegend bäuerlichen Motiven "das 1 A-Thema der Nazis" erfolgreich bearbeitete. "Sie machen das hier richtig", lobte der Fachmann. Zu Schmitz seien noch viele Fragen offen, deshalb lohne die Auseinandersetzung.

Bildunterschrift: Auf dem Podium: Christian Fuhrmeister (v. l.), Willi Repke, Rüdiger Krüger und Paul F. Jesse.

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Westfalen-Blatt / Zeitung für Gütersloh, Rheda-Wiedenbrück, Rietberg und Harsewinkel, 24.07.2017:

Kunst im Nationalsozialismus

Rheda-Wiedenbrück (WB). Der Künstler Hans Schmitz-Wiedenbrück und sein künstlerisches Schaffen - insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus - sind Thema eines Vortrags von Dr. Christian Fuhrmeister. Am Montag, 20. November, 18 Uhr, wird der renommierte Kunsthistoriker und wissenschaftliche Mitarbeiter des Zentralinstituts für Kunstgeschichte in München im Wiedenbrücker Schule-Museum, Hoetger-Gasse 1, die Kunst im Nationalsozialismus beleuchten.

Ein Schwerpunkt dabei ist die Auseinandersetzung mit Hans Schmitz-Wiedenbrück. Der Maler hatte jahrzehntelang im Atelier Repke gearbeitet und war im Umfeld der Wiedenbrücker Schule mit sakralen Werken und so genannter Bauernmalerei bekannt geworden. In Rheda-Wiedenbrücker Häusern finden sich noch manche seiner Werke. Unter anderem hängen im Historischen Rathaus drei Marktszenen aus den 1930er Jahren.

Während des Zweiten Weltkrieges fertigte Schmitz auch Propagandabilder. Die Stadt lädt daher im Anschluss an den Vortrag zu einer Diskussion über den Umgang mit Kunstwerken aus dem Dritten Reich ein.


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