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Neue Westfälische , 21.10.2017 :

Eben-Ezer richtet Gedenkstätte für NS-Opfer ein

Untersuchung: Forschungen haben ergeben, dass auch die Lemgoer Stiftung von der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen betroffen war / Die Einweihung ist für den 19. November geplant

Von Katrin Nordwald

Lemgo. Die Stiftung Eben-Ezer in Lemgo erinnert mit einem neuen Gedenkort an die Menschen aus ihren Einrichtungen, die in der NS-Zeit Opfer der so genannten Euthanasie-Morde wurden.

Neueste Forschungen haben nach Angaben der Stiftung ergeben, dass auch Eben-Ezer von der so genannten "T4-Aktion" der Nationalsozialisten zur systematischen Ermordung von Menschen mit geistigen, körperlichen und seelischen Behinderungen betroffen war, sagte der theologische Vorstand der diakonischen Stiftung, Bartolt Haase. So habe es bereits 1937 eine Verlegung von 67 Bewohnern in eine staatliche Anstalt in Warstein gegeben. Von ihnen seien nachweislich 36 getötet worden. Eine Gedenkstele auf dem Stiftungsgelände solle diese Menschen würdigen. Die Einweihung ist am 19. November geplant. Im Gottesdienst wird der lippische Landessuperintendenten, Dietmar Arends, predigen.

Die Stele sei in Anlehnung an die Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie am Standort Warstein gestaltet worden, ergänzte Pastor Haase. Die Metalltafel, die wie ein Splitter zugeschnitten ist, trage die Namen der 36 ehemaligen Eben-Ezer-Bewohner. "Sie sollen stellvertretend für die Opfer stehen, die bei den weiteren Forschungen möglicherweise noch entdeckt werden", so Haase. An dem Projekt beteiligen sich die Lippische Landeskirche, der Kreis Lippe und der Landesverband Lippe.

Unter dem Titel "Gegen das Vergessen" findet bereits am 17. November eine Fachtagung in Eben-Ezer statt. Erwartet werden die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bund der "Euthanasie"-Geschädigten und Zwangssterilisierten, Margret Hamm, und der Bielefelder Historiker Hans-Walter Schmuhl. Der Wissenschaftler hält einen Vortrag über die Rolle der diakonischen Einrichtungen Eben-Ezer, Bethel und Wittekindshof in der Zeit der Nationalsozialisten. Frank Konersmann von der Universität Bielefeld stellt zudem eine Opferbiografie vor.

Bildunterschrift: Theologischer Vorstand der Stiftung: Bartolt Haase.

21./22.10.2017

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