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Neue Westfälische - Löhner Nachrichten ,
02.12.2017 :
"Ich bin ein Stück weit Blitzableiter"
Messerattacke von Altena: Auch der Bürgermeister bekommt Hass-Post und Drohungen
Von Ulf Hanke
Löhne. Mit dem Messer an der Kehle ist auch für einen Bürgermeister jede Diskussion überflüssig. Eine solche lebensbedrohliche Lage wie sein Amtskollege aus Altena hat Bernd Poggemöller zum Glück nicht erlebt. Doch auch in Löhne gibt es Menschen, wie den mutmaßlichen Messer-Täter, die mit dem Rücken zur Wand stehen, denen Wasser oder Strom abgestellt, deren Wohnung zwangsversteigert werden sollen und die keinen Ausweg sehen. Poggemöller: "Das Attentat von Altena ist keine singuläre Tat."
Vor allem die so genannten "Reichsbürger" haben in Löhne bisher kübelweise Hass und Drohungen im Rathaus und über dem Bürgermeister ausgeschüttet. Schriftlich und direkt am Telefon. Die wörtlichen Beleidigungen will Bernd Poggemöller im Gespräch mit der NW nicht wiederholen. In der letzten Zeit ist es auch ruhiger geworden in der Szene rund um das Büro der "Germaniten" an der Koblenzer Straße.
Doch der gesellschaftliche Ton ist insgesamt rauer geworden, bemerkt Poggemöller. "Es gibt weniger Distanz", sagt der 51-Jährige: "Ich bin ein Stück weit Blitzableiter. Das ist okay, wenn es um die Sache geht." Doch wenn die Nähe zum Bürgermeister dazu missbraucht werde, Hass und Gewalt von der Kette zu lassen, sei eine Grenze überschritten, die nicht überschritten werden darf.
Poggemöller hat die Berichte über seinen Amtskollegen Andreas Hollstein verfolgt, der in einer Döner-Bude von einem offenbar alkoholisierten Täter in den Schwitzkasten genommen und mit einem Küchenmesser leicht verletzt wurde. "Das muss seelisch sehr belastend sein", sagt Poggemöller.
Über die Ursache dieses Gewaltausbruchs ist bisher wenig bekannt. Dem mutmaßlichen Täter war offenbar zuvor das Wasser abgestellt worden, weil er Rechnungen nicht gezahlt hatte. Reporter beschreiben außerdem einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Die gesellschaftliche Ursache liegt für Poggemöller allerdings auf der Hand: Hass-Prediger in sozialen Netzwerken, Spalter, die auf Bevölkerungsgruppen schimpfen. "Daraus folgen Taten."
In Löhne setzt der Bürgermeister deshalb auf die Stadtgesellschaft, das Gemeinschaftsgefühl. Über Personenschutz will er nicht nachdenken müssen. Menschen, denen Gas, Wasser, Strom abgestellt werden sollen, bietet Poggemöller Hilfestellung an. "Das kommt auch in Löhne vor, aber wir suchen immer das Gespräch, um solch eine Situation möglichst zu vermeiden."
Die Löhner "Reichsbürger" und ihre Anhänger seien bisher stets laut gewesen, aber nicht handgreiflich. Poggemöller: "Möglicherweise fehlte da nicht viel."
Bildunterschrift: Bürgermeister Poggemöller: Will nicht über Personenschutz nachdenken.
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Neue Westfälische - Löhner Nachrichten, 02./03.12.2017:
Löhne: Bürgermeister spricht über Hass-Post und Drohungen
Löhne. Der gesellschaftliche Ton ist rauer geworden, stellt Bürgermeister Bernd Poggemöller fest. Nach dem offenbar politisch motivierten Messerangriff auf seinen Amtskollegen in Altena spricht Poggemöller erstmals über Hass-Post und Bedrohungen im Amt und sagt: "Ich bin ein Stück weit Blitzableiter."
02./03.12.2017
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