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Mindener Tageblatt Online , 29.11.2017 :

Klaus Reimler legt nach mehr als 40 Jahren Vorsitz des Bundes der Vertriebenen nieder

Von Michael Grundmeier

Hille-Hartum (mig). Nach 42 Jahren hat Klaus Reimler sein Amt als erster Vorsitzender des Bundes der Vertriebenen, Ortsgruppe Hartum, Hahlen, Nordhemmern und Holzhausen II abgegeben. "Ich habe es sehr gerne gemacht, es war mir eine wichtige Aufgabe", sagte der 82-Jährige bei der Versammlung des Vereins im Hartumer Dorfkrug.

42 Jahre hat Klaus Reimler die Geschicke des Vereins geleitet - jetzt hat er diese Aufgabe an Werner Arnold weitergegeben. Weitere Posten gingen an Lisa Krudup (stellvertretende Vorsitzende), Margret Riechmann (Schriftführerin) und noch einmal Werner Arnold (Kassenwart). Als zweiter stellvertretender Vorsitzender will Klaus Reimler den Vorstand weiterhin unterstützen.

In seinem letzten Jahresbericht hatte der scheidende Vorsitzende die sich verändernde Rolle der Vertriebenen angesprochen. Seit Gründung der Ortsgruppe habe sich viel veränderte, gab Reimler zu verstehen. Die Zahl der Mitglieder sei von etwa 70 auf heute unter 30 geschrumpft. Mit Blick auf die politische Entwicklung formulierte Reimler das "Leitwort" der Versammlung: "Vertrieben und vergessen?". Er wolle das so verstanden wissen, dass die Vertriebenen kaum noch wahrgenommen werden - die Medien würden lieber von anderen "früheren Schicksalen" berichten. Dabei hätten die Vertriebenen nach Flucht und Vertreibung "vieles geleistet am Wiederaufbau in unseren Dörfern und in ganz Deutschland".

Dankbar zeigt sich Reimler für die "neue Heimat", in der man einen "neuen Anfang" habe machen können, machte das frühere Ratsmitglied deutlich. "Wir hatten mit der Heimat Namen und Gesicht, Rang und Geltung verloren und sind nun wieder Bürger des Landes, gleicher Verantwortung und gleichen Rechts." Reimler dankte "der Güte Gottes", die geholfen habe, das Leid des Krieges, der Verfolgung und der Vertreibung zu ertragen.

In seinem Jahresbericht zählte der Träger des Bundesverdienstkreuzes zahlreiche Aktivitäten auf, die der Verein in den letzten Jahren und Jahrzehnten angestoßen hat. Darunter zahlreiche Fahrten, organisiert vom Ehepaar Schröder - unter anderem zur Ausstellung "Erzwungene Wege" in Berlin. Insgesamt habe das Paar weit über 20 Fahrten organisiert - "eine sehr große Leistung", stellte Reimler fest. Darüber hinaus erwähnte Reimler die Anbringung einer Gedenktafel "Flucht und Vertreibung" am Eingang des Rathauses Hartum und ein Konzert mit der Oberschlesischen Bauernkapelle.

Traurig stimmt Reimler, dass es ihm nicht gelungen sei, eine Patenschaft mit einem heute polnischen Ort zu organisieren. Die Ortsgruppe selbst unterhält viele Kontakte in die früheren Ostgebiete. Fahrten haben die Mitglieder unter anderem nach Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Oberschlesien, Ungarn oder Russland geführt.

"Leider hat die jüngere Generation nicht mehr das gleiche Interesse daran wie wir", ließ Reimler die Mitglieder wissen. Die Versammlung endete mit Gesang zu den Klängen eines Akkordeon-Trios.

Bildunterschrift: Die Ortsgruppe singt alte und neue Lieder.


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