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1 Veranstaltung - Nachrichten ,
24.11.2017 :
Tages-Chronologie von Freitag, 24. November 2017
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Veranstaltungskalender:
- Freitag, 24. November 2017 um 19.00 Uhr -
Antifaschistische Kundgebung: Rechte Ideen anfechten
Veranstaltungsort:
Im Bereich der
Schloßhofstraße 96
33615 Bielefeld
Kundgebung gegen die "XIII. Bielefelder Ideenwerkstatt" der völkisch-nationalistischen "Burschenschaft Normannia-Nibelungen"
Bei dieser so genannten "Ideenwerkstatt" treten jährlich Referenten aus dem extrem rechten Spektrum auf. So waren 2016 Martin Sellner von der "Identitären Bewegung" und Jürgen Elsässer von der völkischen Zeitschrift "Compact" als Redner eingeladen. Aber auch der Holocaust-Leugner Horst Maler hat hier schon geredet.
Dieses Jahr ist Hans-Thomas Tillschneider, Universitätsdozent, "Islamwissenschaftler", Landtagsabgeordneter der "Alternative für Deutschland" in Sachsen-Anhalt und einer der führenden Ideologen der AfD, eingeladen.
Deswegen rufen mehrere antifaschistische Gruppierungen aus Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe zu einer gemeinsamen Kundgebung gegen die Verbreitung rechter Ideen durch die Burschenschaft auf.
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www.hiergeblieben.de - Zusammenfassung - Freitag, 24. November 2017
Am 22. November 2017 referierte Wilhelm Gerntrup - der ehemalige Ortsheimatpfleger in Kleinenbremen, im Johannes-Delius-Haus zum Thema: "NS-Machtübernahme und örtlicher Widerstand in Kleinenbremen".
Am 29. November 2017 (14.30 Uhr) ist eine Versammlung - monatliches Treffen - des Vereins "Schlesier- Frauen und Freundeskreis", im Gemeinschaftsraum Süd, Echternstraße 131 in 32657 Lemgo angekündigt.
Am 23. November 2017 begann vor dem Landgericht Detmold ein Berufungsprozess gegen die notorische Antisemitin Ursula Haverbeck-Wetzel aus Vlotho wegen dreifacher Volksverhetzung - Holocaust-Leugnung.
Am 16. Oktober 2017 verurteilte das Amtsgericht Berlin-Tiergarten die, mehrmalig vorbestrafte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel aus Vlotho, wegen Volksverhetzung zu sechs Monaten Freiheitsstrafe.
www.gedenkstaette-porta.de
www.juedischer-friedhof-hausberge.de/das-schul-projekt.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Porta_Westfalica
www.mobile-beratung-nrw.de
www.mobile-beratung-owl.de
www.aul-herford.de/index.php?id=395
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Artikel-Einträge in der Datenbank:
Mindener Tageblatt, 24.11.2017:
Den Nazis die Stirn geboten
Lippische Landes-Zeitung, 24.11.2017:
Schlesierinnen singen
Radio Lippe, 24.11.2017:
Urteil erst nächste Woche
Radio Herford, 24.11.2017:
Haverbeck-Urteil erst später
WDR-Nachrichten aus Westfalen-Lippe, 24.11.2017:
Detmolder Gericht vertagt Urteil gegen Haverbeck
Neue Westfälische, 24.11.2017:
Haverbeck-Urteil soll erst nächste Woche fallen
Westfalen-Blatt, 24.11.2017:
Urteil vertagt
Mindener Tageblatt, 24.11.2017:
Urteil erst nächste Woche
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Mindener Tageblatt, 24.11.2017:
Den Nazis die Stirn geboten
Wilhelm Gerntrup, früher Ortsheimatpfleger in Kleinenbremen, erinnert an Männer und Frauen mit Zivilcourage / Einige haben mit ihrem Leben bezahlt
Von Stefan Lyrath
Porta Westfalica-Kleinenbremen (Ly). Irgendwo in Frankreich, an einem unbekannten Ort, liegt Karl Meier begraben. "Ich habe mit seinen Eltern gesprochen", erzählt Wilhelm Gerntrup (80), früher Ortsheimatpfleger in Kleinenbremen. "Sie sind nie über das Schicksal ihres Sohnes hinweggekommen."
In seiner Jugend gehört Karl Meier, geboren im Juli 1907, zu den frühen Anhängern der jungen Kleinenbremer SPD-Garde, bevor er 1930 in die sozialdemokratische Partei eintritt. Der zurückhaltende junge Mann engagiert sich als Übungsleiter im Arbeiter-Turn- und Sportverein. Meier gründet neue Abteilungen für den Nachwuchs, bis der Verein 1933 verboten wird. Kinder, die er trainiert hat, tragen bald die Uniformen von "Hitlerjugend" und "Bund deutscher Mädel".
Seine Verbitterung lässt ihn nicht ruhen. Karl Meier nimmt Verbindung mit dem Widerstand in Schaumburg-Lippe auf, verteilt Flugblätter, wird im November 1933 von Gestapo-Leuten aus Bielefeld verhaftet und muss zwei Jahre ins Zuchthaus. Sofort nach Kriegsbeginn im Jahr 1939 wird der Kleinenbremer eingezogen. Im Frankreich-Feldzug kommt er 1940 in eine Strafkompanie und fällt.
Dieses Schicksal Meiers geht auch Wilhelm Gerntrup nahe, der im vollen Gemeindehaus einen Vortrag zum Thema "NS-Machtergreifung und Widerstand in Kleinenbremen" hält. Die letzten Sätze über Karl Meier fallen ihm sichtlich schwer. Einige Zuhörer haben Tränen in den Augen. Meier war ein Mann mit Zivilcourage.
Gerntrup erinnert an ihn und andere "Einwohner unseres Dorfes, die nicht bereit waren, den Verlust an persönlicher Freiheit so einfach hinzunehmen". Männer und Frauen, Menschen mit Rückgrat, die sich widersetzt haben. Einige wurden zu Opfern. "Ich glaube, wir sind es ihnen schuldig, dass sie nicht vergessen werden." Wilhelm Gerntrup hat mit 40 Zeitzeugen gesprochen.
Pfarrer Karottki lobt den "Geschichtsunterricht vor Ort"
Nach dem brillanten Vortrag spricht Pfarrer Ekkehard Karottki lobend von Geschichtsunterricht vor Ort. "Richtig interessant wurde es, als Namen genannt wurden", sagt er. "Was hätte ich getan?", fragt sich der Pastor und gibt zu: "Ich weiß es nicht." Pfarrer Martin Strathmann, einer von Karottkis Vorgängern, hat erst mit den Nazis sympathisiert, sich später aber von den braunen Machthabern abgewandt.
Im Jahr 1920 übernimmt Strathmann, vorher Offizier im Elitebataillon der Bückeburger Jäger, als Nachfolger seines Vaters die Kleinenbremer Pfarrstelle, nachdem er im ersten Weltkrieg eine schwere Kopfverletzung erlitten hat. Ab Mitte der 1930er Jahre, so Gerntrup, sei Strathmanns anfängliche Begeisterung für die nationale Bewegung dann einer sehr viel kritischeren Einstellung gewichen.
Der Pastor hegt nun Sympathien für die "Bekennende Kirche", eine Art Widerstandsbewegung der evangelischen Christen. Die Pfarrer Rocke (Holzhausen), Lohmann (Holtrup) und Wessels (Eisbergen) sind ähnlich furchtlos. Als Strathmann im Dezember 1937 einer Empfehlung der "Bekennenden Kirche" folgt und eine Kollekte für die Ausbildung des Pfarrernachwuchses einsammeln lässt, wird er jedoch nach Hausberge zitiert. Strathmann hat eine gute Ausrede, Nazi-Amtsbürgermeister Franz von Damaros sieht "keine Wiederholungsgefahr". Verpfiffen haben den Pastor Mitglieder des eigenen Presbyteriums.
Nicht so viel Glück hat Heinrich Habes. "Wenn von Nazi-Terror, Unterdrückung und Denunziation in unserem Dorfe die Rede ist, darf sein Name nicht fehlen", sagt Wilhelm Gerntrup. Habes, geboren 1893 und im ersten Weltkrieg schwer verwundet, gehört keiner Partei an, macht aus seiner Abneigung gegenüber der NSDAP aber keinen Hehl. "Durch seine bissigen Kommentare", so Gerntrup, "ist er den örtlichen Nazis und Hurra-Patrioten ein ständiger Dorn im Auge".
Anfang der 1940er Jahre wird Habes abgeholt. Nachbarn haben eine Unterschriftenliste gegen ihn unterzeichnet. Er kommt ins Arbeitserziehungslager Lahde, vergleichbar mit einem KZ. Wie viele Häftlinge wird auch Heinrich Habes zur Arbeit im Steinbruch Steinbergen gezwungen. Ein Zeuge beobachtet, dass er im Winter keine Socken trägt und von SS-Wachposten verprügelt wird. Ende Februar 1944 kommt Habes ins Krankenrevier des Lagers Lahde, wo er wenige Tage später stirbt. Meier, Strathmann, Habes - drei Beispiele von vielen.
"Es waren Einwohner unseres Dorfes, die nicht bereit waren, den Verlust an persönlicher Freiheit so einfach hinzunehmen. Wir sind es ihnen schuldig, dass sie nicht vergessen werden."
Wilhelm Gerntrup
Als die Nazis im Januar 1933 in Deutschland "die Macht ergreifen", wie sie es selbst nennen, hat Kleinenbremen rund 1.550 Einwohner. Seit 1919 stellt die SPD den Bürgermeister, die Bevölkerung ist linkslastig. Bei der letzten freien Gemeinderatswahl im März 1933 holen die Sozialdemokraten 61 Prozent der Stimmen, die bürgerliche Einheitsliste kommt auf 39 Prozent. Von der NSDAP ist noch nichts zu sehen, in der Kommunalpolitik spielt die Hitler-Bewegung keine Rolle. Mit einer eigenen Liste tritt die Partei nur in Eisbergen und Uffeln an.
Bald jedoch, noch vor den konstituierenden Sitzungen, werden alle SPD-Gemeindevorsteher ihrer Ämter enthoben, allein sieben im Bereich des Amtes Hausberge. Als "kommissarische Gemeindevorsteher" werden NSDAP-Mitglieder eingesetzt, in Kleinenbremen Wilhelm Pott, ein Reservelokführer, der später Ortsgruppenleiter wird.
Trotzdem wählt der Gemeinderat zunächst erneut Fritz Hahne (SPD) zum Vorsteher. Amtsbürgermeister Franz von Damaros greift ein. Fünf SPD-Männer geben unter großem Druck nach und unterzeichnen eine Erklärung im Sinne der Nazis. Bürgermeister beziehungsweise Gemeindeschulze in Kleinenbremen wird danach Daniel Mönkhoff. Er gilt, so Gerntrup als "menschlicher Typ und sorgt dafür, dass sich gefährdete Personen rechtzeitig in Sicherheit bringen können".
Im Jugendheim der Kirche, dem Vorgängerbau des 1954 errichteten Delius-Hauses, zieht unterdessen die NSDAP-Geschäftsstelle ein. Mehr als 80 Jahre später hält Wilhelm Gerntrup an dieser Stelle einen Vortrag.
Bildunterschrift: Wilhelm Gerntrup (Mitte) nach seinem Vortrag mit den Gastgebern: Pfarrer Ekkehard Karottki (l.) und Walter Caselitz, Vorsitzender des Heimatvereins.
Bildunterschrift: Die Kleinenbremer Kirche war zur Nazi-Zeit ein Ort des Mutes - und der Denunziation.
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Lippische Landes-Zeitung, 24.11.2017:
Schlesierinnen singen
Lemgo. Die Schlesier-Frauen und ihr Freundeskreis treffen sich am Mittwoch, 29. November, um 14.30 Uhr im Gemeinschaftsraum Süd. Bei Kaffee und Kuchen, Liedern und Gedichten steht die Einstimmung zum Advent im Vordergrund.
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Radio Lippe, 24.11.2017:
Urteil erst nächste Woche
Im Detmolder Berufungsprozess gegen die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck hat die Staatsanwaltschaft eineinhalb Jahre Haft gefordert. Das Urteil fällt Mitte kommender Woche, teilte das Gericht am Abend mit. Die Verteidigung beantragt, dass das Landgericht die 89-Jährige freispricht. Haverbecks Anwälte argumentieren mit dem Recht auf freie Meinungsäußerung. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau vor, eine Rassistin zu sein, die bewusst falsche Tatsachenbehauptungen verbreitet. Haverbeck hatte gegen mehrere Verurteilungen wegen Volksverhetzung Berufung eingelegt. Die Rentnerin hatte immer wieder in Schriften, im Internet und auch im Gerichtssaal den millionenfachen Mord an den europäischen Juden im Dritten Reich geleugnet.
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Radio Herford, 24.11.2017:
Haverbeck-Urteil erst später
Im Berufungsprozess gegen die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck aus Vlotho wird das Urteil erst kommende Woche gesprochen. Die Verhandlung wurde am Abend nach den Plädoyers unterbrochen. Die Staatsanwaltschaft fordert anderthalb Jahre Gefängnis für die 89-Jährige. Sie wirft Haverbeck vor, eine Rassistin zu sein, die bewusst falsche Tatsachen verbreite. Der Anwalt der Vlothoerin verlangt mit Blick auf das Recht der Meinungsäußerung einen Freispruch. Haverbeck behauptet immer wieder, es habe den Massenmord an den Juden im Dritten Reich nicht gegeben. Sie ist deswegen schon von mehreren Gerichten zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.
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WDR-Nachrichten aus Westfalen-Lippe, 24.11.2017:
Detmolder Gericht vertagt Urteil gegen Haverbeck
24.11.2017 - 06. 27 Uhr
Das Landgericht Detmold will erst in der kommenden Woche über die Berufung der Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck entscheiden. Die mehrfach vorbestrafte 89-Jährige wehrt sich seit Donnerstag (23.11.2017) gegen Haftstrafen wegen Volksverhetzung.
Die Verteidiger der Vlothoerin forderten vor Gericht einen Freispruch. Ihrer Ansicht nach, sind die Äußerungen Haverbecks von der Meinungsfreiheit gedeckt. Der Staatsanwalt hingegen beantragte eine eineinhalbjährige Haftstrafe. Er bezeichnete Haverbeck als Rassistin. Ihre Äußerungen störten den öffentlichen Frieden.
Ursula Haverbeck aus Vlotho war in erster Instanz zweimal vom Detmolder Amtsgericht und einmal vom Amtsgericht in Bad Oeynhausen verurteilt worden. Sie hatte im Zuge des Prozesses gegen den früheren SS-Mann Reinhold Hanning in einem Brief an den Bürgermeister der Stadt Detmold den Völkermord an den europäischen Juden geleugnet.
Im vergangenen Oktober wurde Haverbeck in Berlin bereits wegen Volksverhetzung zu sechs Monaten und im niedersächsischen Verden zu zwei Jahren Haft verurteilt. Haverbeck war Vorsitzende des 2008 verbotenen Vereins Collegium Humanum, der als bundesweite Anlaufstelle für Holocaust-Leugner und Rechtextremisten galt.
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Neue Westfälische, 24.11.2017:
Haverbeck-Urteil soll erst nächste Woche fallen
Detmold (an). Wird das Detmolder Landgericht die Urteile des Detmolder Amtsgerichtes vom September 2016 und Februar 2017 sowie ein Urteil des Amtsgerichtes Bad Oeynhausen von Oktober 2016 gegen Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel wegen Volksverhetzung kassieren oder nicht? - Das will der Vorsitzende Richter Gerhard Lüking erst am kommenden Mittwoch verkünden.
Im Grundsatz ging es bei all diesen Urteilen um mündliche und schriftliche Äußerungen der 89-Jährigen, dass Auschwitz kein Vernichtungslager, sondern ein Arbeitslager gewesen sei und der Holocaust nie stattgefunden habe. So sagte sie es auch selbst: "Eigentlich geht es immer um dasselbe."
Am Nachmittag hörten etwa 70 Anhänger der 89-Jährigen sowie eine Handvoll Gegner vier Plädoyers. Drei davon mit der Forderung nach einem Freispruch, während Oberstaatsanwalt Ralf Vetter die Urteile der Amtsgerichte stützt und eine Gesamtstrafe von eineinhalb Jahren fordert.
Der Oberstaatsanwalt wertet die Äußerungen Haverbecks als "Worte einer Rassistin", die durch ihre Anwesenheit bei den NS-Prozessen in Lüneburg und Detmold die "Opfer verunglimpfe". Sie tue so, als handele es sich bei ihren Aussagen lediglich um Meinungsäußerungen, die durch den Artikel 5 des Grundgesetzes gedeckt seien. Doch der Holocaust sei Fakt: "Die Beweise sind ja öffentlich zugänglich."
Derweil sehen die Verteidiger in Haverbeck eine Zweiflerin, die nur nach Nachweisen für den Holocaust suche. "Es reicht nicht, dass man sich von Äußerungen abgestoßen fühlt", meinte der Herforder Verteidiger Dirk Baumann. Der Paragraph 130 des Strafgesetzbuches stelle die Leugnung des Völkermordes unter Strafe, ergänzte Verteidiger Detlev Funke - "vom Holocaust ist da nicht die Rede".
Eine gute Dreiviertelstunde durfte Haverbeck ihre Ansichten darlegen - im Stehen. Für Richter Lüking der beste Beweis, dass die Frau verhandlungsfähig sei. Was sie zu einem Grinsen brachte: "Aber haftfähig ist etwas anderes."
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Westfalen-Blatt, 24.11.2017:
Urteil vertagt
Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck geht gegen Haftstrafen vor
Von Christian Althoff
Detmold (WB). Nach sechs Stunden Verhandlung gegen die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (89) aus Vlotho hat das Landgericht Detmold den Prozess gestern Abend nach den Plädoyers unterbrochen.
Die 89-Jährige mit den schlohweißen Haaren ist so etwas wie eine Galionsfigur der Rechtsextremen. Wenn Haverbeck wegen Volksverhetzung vor Gericht steht, und das war in den letzten 24 Monaten acht Mal der Fall, kommen ihre Unterstützer in Scharen. Etwa 70 waren es gestern. Neonazis wie der ostwestfälische Bezirksvorsitzende der Partei "Die Rechte", Sascha Krolzig, saßen im Publikum, aber auch viele Anhänger, die aus den neuen Bundesländern gekommen waren. Etwa 15 Polizisten behielten die Besucher im Blick.
Wie üblich wurde die Angeklagte mit tosendem Beifall begrüßt, als sie auf der Anklagebank Platz nahm. Die Kammer hatte über drei Urteile zu entscheiden, gegen die Haverbeck in Berufung gegangen war. Das Amtsgericht Bad Oeynhausen hatte sie im Oktober 2016 wegen Volksverhetzung zu elf Monaten Haft verurteilt, das Amtsgericht Detmold im September 2016 zu acht Monaten Haft und im Februar 2017 zu zehn Monaten - jeweils ohne Bewährung. Unter anderem hatte Haverbeck anlässlich des Prozesses gegen den SS-Mann Reinhold Hanning (94) einen Brief an Detmolds Bürgermeister geschrieben, in dem sie sinngemäß den Holocaust als Lüge bezeichnet. Weil bisher noch kein Urteil gegen die Vlothoerin rechtskräftig geworden ist, bleibt sie in Freiheit.
Ursula Haverbeck, die in den 50ern Politik, Pädagogik und Philosophie studiert hatte, verteidigte sich auch diesmal in eloquenten Worten damit, dass man etwas, dessen Existenz nicht bewiesen sei, nicht leugnen könne. Sie meinte den Holocaust, den millionenfachen Mord an Juden in der NS-Zeit, den sie für nicht nachgewiesen hält. "Es fehlen die Leichen und die Obduktionsbefunde", sagte sie. "Ich habe an Gerichte geschrieben, an den Zentralrat der Juden, aber niemand hat mir einen Beweis geliefert."
Immer wieder während Haverbecks Aussage brandete Beifall auf, aber der Vorsitzende Richter Gerhard Lüking ließ das Publikum gewähren. Erst nach dem fünften Mal äußerte er sich missbilligend, doch ging das im Lärm unter.
Dirk Baumann aus Herford, einer von drei Verteidigern, plädierte auf Freispruch. Er sagte, er stehe "eher links" und teile Haverbecks Auffassung nicht. "Aber ich halte ihre Äußerungen für vom Recht auf Meinungsäußerung gedeckt. Schließlich hat sie niemanden aufgewiegelt und auch keinen Hass gesät." Oberstaatsanwalt Ralf Vetter forderte unter Buhrufen aus dem Publikum 18 Monate Haft wegen Volksverhetzung. Er bezeichnete Haverbeck als Rassistin. Das Gericht will sein Urteil kommende Woche verkünden, voraussichtlich am Dienstag.
Bildunterschrift: Ursula Haverbeck mit zwei ihrer drei Anwälte: Dirk Baumann aus Herford (l.) und Christoph Hessel aus Stadthagen.
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Mindener Tageblatt, 24.11.2017:
Urteil erst nächste Woche
Oberstaatsanwalt fordert Haftstrafe für Holocaust-Leugnerin
Detmold (an/nw). Wird das Detmolder Landgericht die Urteile des Detmolder Amtsgerichtes vom September 2016 und Februar 2017 sowie ein Urteil des Amtsgerichtes Bad Oeynhausen von Oktober 2016 gegen Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel wegen Volksverhetzung kassieren oder nicht? - Das will der Vorsitzende Richter Gerhard Lüking erst am kommenden Mittwoch verkünden.
Im Grundsatz ging es bei all diesen Urteilen um mündliche und schriftliche Äußerungen der 89-Jährigen, dass Auschwitz kein Vernichtungslager, sondern ein Arbeitslager gewesen sei und der Holocaust nie stattgefunden habe. So sagte sie es auch selbst: "Eigentlich geht es immer um dasselbe."
Am Nachmittag hörten etwa 70 Anhänger der 89-Jährigen sowie eine Handvoll Gegner vier Plädoyers. Drei davon mit der Forderung nach einem Freispruch, während Oberstaatsanwalt Ralf Vetter die Urteile der Amtsgerichte stützt und eine Gesamtstrafe von eineinhalb Jahren fordert.
Der Oberstaatsanwalt wertet die Äußerungen Haverbecks als "Worte einer Rassistin", die durch ihre Anwesenheit bei den NS-Prozessen in Lüneburg und Detmold die "Opfer verunglimpfe". Sie tue so, als handele es sich bei ihren Aussagen lediglich um Meinungsäußerungen, die durch den Artikel 5 des Grundgesetzes gedeckt seien. Doch der Holocaust sei Fakt: "Die Beweise sind ja öffentlich zugänglich."
Derweil sehen die Verteidiger in Haverbeck eine Zweiflerin, die nur nach Nachweisen für den Holocaust suche. "Es reicht nicht, dass man sich von Äußerungen abgestoßen fühlt", meinte der Herforder Verteidiger Dirk Baumann. Der Paragraph 130 des Strafgesetzbuches stelle die Leugnung des Völkermordes unter Strafe, ergänzte Verteidiger Detlev Funke - "vom Holocaust ist da nicht die Rede".
Eine gute Dreiviertelstunde durfte Haverbeck ihre Ansichten darlegen - im Stehen. Für Richter Lüking der beste Beweis, dass die Frau verhandlungsfähig sei. Was sie zu einem Grinsen brachte: "Aber haftfähig ist etwas anderes."
Bildunterschrift: Die wegen Volksverhetzung angeklagte Ursula Haverbeck wehr sich in einem Berufungsverfahren gegen Haftstrafen von acht und zehn Monaten.
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