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Neue Westfälische 13 - Löhne und Gohfeld ,
07.10.2015 :
Botschaft Germanitien ist aus dem Löhner Stadtbild verschwunden / Erfolg: Das Bündnis "Gemeinsam für Vielfalt" bezieht zur Räumung der so genannten Justiz-Opfer-Hilfe Stellung
Mit dem Erfolg ist das Bündnis zufrieden, aber es herrscht auch Skepsis: "Die federführenden Personen werden ihre Ansichten behalten und weiter verbreiten" / Nächstes Treffen ist Montag nach den Herbstferien
Löhne (nw). Pünktlich zum Löhner Oktoberfest haben die rechtsextremen Reichsbürger die Zwangsversteigerung ihres ehemaligen Büros zum Anlass genommen und sämtliche sichtbaren Hinweise auf ihre Aktivitäten am Gebäude entfernt. Das Bündnis "Gemeinsam für Vielfalt" freut sich hierüber: "Es hat uns lange gestört, dass die verfassungsfeindliche Gruppierung aus dem Kreise der Reichsbürger am Festplatz für sich und ihre fremdenfeindliche, rassistische Botschaft werben konnte." Nun seien ihre Ideen fürs Erste aus dem Stadtbild verschwunden. "Wir sind erleichtert, dass das Gebäude entgegen anderer Ankündigungen friedlich geräumt wurde", schreibt das Bündnis in einer Pressemitteilung. "Es war uns wichtig, dass die Irr-Botschaft aus dem Stadtbild verschwindet und nicht zur Selbstverständlichkeit wird." Als Löhnerinnen und Löhner hat das Bündnis bereits 2012 demonstriert: Germaniten keine Plätze bieten. Dies wird mit dem Einzug des Investors umgesetzt.
Mit dem Wegfall dürfte die organisatorische Infrastruktur der Justiz-Opfer-Hilfe empfindlich gestört worden sein. Das so genannte Beratungsbüro auf dem Privatgelände wurde auch für Plakatierungen im Schaufenster genutzt. Die Zentrale diente als Anlaufstelle, um Menschen anzusprechen und um die rechte Ideologie zu verbreiten. "Wir hoffen, dass es für die Drahtzieher zumindest für eine Weile schwieriger geworden ist, sich zu organisieren und neue Mitglieder zu finden."
Zahlreiche Kräfte seien an diesem Erfolg beteiligt. Löhner Behörden und Verwaltung reagierten sehr sensibel, umsichtig und engagiert. "Wir begrüßen die klare Stellungnahme des Jugendamtes zur Verbindung der Selbstsicherheitsschule Pelikan." Auch die lokale Presse habe dazu beigetragen, Zusammenhänge aufzudecken und transparent zu machen. Die gemeinsame Entschlossenheit sei beispielhaft und es wird den Reichsbürgern schwer fallen wird, neue Räume zu finden.
"Neben der Freude sind wir auch skeptisch." Die Justiz-Opfer-Hilfe rede von einem Plan B. "Sie sind zumindest kreativ darin, sich neue Hirngespinste und Wege auszudenken. Wir teilen die Befürchtung, dass das Problem verschoben wird." Dem Bündnis ist klar, dass die JOH nur ihre Räume verloren hat. Die federführenden Personen werden ihre Ansichten und Ideen weiterhin behalten und verbreiten wollen. Alle Bürger sollten aufmerksam sein und auf Aktivitäten der JOH achten. Die können dem Löhner Bündnis gemeldet werden.
Das nächste Bündnis-Treffen ist am Montag, 19. Oktober um 19 Uhr im Riff.
loehne@nw.de
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