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Neue Westfälische ,
30.09.2015 :
"Germanitien" kommt unter den Hammer
Von Ulf Hanke
Löhne. Der Gebäudekomplex im Zentrum von Löhne, in dem auch die "Botschaft Germanitien" sitzt, wird nach drei Jahren Vorlauf heute zwangsversteigert. Eigentümer Ralf W. war lange im Vorstand der rechtsextremen Justiz-Opfer-Hilfe tätig und hat seine Schulden nicht zurückgezahlt. Seine Gläubiger haben die Vollstreckung beantragt.
W. und seine Mitstreiter halten die Bundesrepublik für eine Firma und glauben an das Deutsche Reich. Sie leugnen die staatliche Ordnung, basteln sich Ausweise und versuchen mit meterlangen Schreiben, Behörden lahmzulegen. Im Mai 2014 musste W. wegen seiner Steuerschulden seinen 50. Geburtstag in Erzwingungshaft verbringen.
Die Zwangsversteigerung ist eine weitere Folge der falschen Rechtsberatungen durch die Justiz-Opfer-Hilfe. Federführend sind Jürgen N. und Axel T. Die beiden kommen aus dem Milieu des 2008 verbotenen rechtsextremen Vlothoer Schulungszentrums Collegium Humanum. W. hat beiden Nießbrauch eingeräumt.
Zum Versteigerungstermin wollen N. und T. erscheinen. In einer am Wochenende aus ihrem Umfeld verbreiteten E-Mail heißt es, sie würden wegen vermeintlicher "Nazi-Gesetze" umgehend "den Not-Staatsanwalt" anrufen, um die zuständige Rechtspflegerin "an Ort und Stelle verhaften zu lassen". Der Bad Oeynhausener Amtsgerichtsdirektor Werner Meier nimmt das gelassen. Die Versteigerung sei nur "eine von vielen im Jahr", betonte er. Es sei nicht ungewöhnlich, dass dabei Rechte Dritter berührt würden. Das Gericht rechnet nicht mit großem Andrang gleichgesinnter "Reichsbürger", ist aber gewappnet. Im Versteigerungsraum sind weder Fotos noch Videos erlaubt. Auch gibt es verschärfte Einlasskontrollen.
Bildunterschrift: Wird versteigert: Das Gebäude mit der "Botschaft".
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