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Lippische Landes-Zeitung , 03.11.1994 :

"Die Externsteine sollen als Ausflugsziel und nicht als Treffpunkt für Neonazis erhalten werden" - Flugblätter verteilt / Brauner Kult um ein lippisches Naturdenkmal

Horn-Bad Meinberg / Holzhausen-Externsteine (mmh). Allerheiligen: Viele Spaziergänger nutzen die letzten warmen Sonnenstrahlen für einen Ausflug an die Externsteine. Unter ihnen auch ein Dutzend Männer und eine Frau, in auffällige Kleidung aus Loden und Sackleinen gehüllt. Sie sind gegen Mittag mit vollgeladenen Fahrzeugen mit Berliner, Bad Tölzer und Kölner Kennzeichen auf dem außerhalb von Horn liegenden Parkplatz eingetroffen.

Aufkleber wie "Heidentum bringt Glück" und "Die Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung" zieren die alten Karossen. Die Gruppe pilgert in Richtung Externsteine. Dort wird im Rahmen eines "Herbstthings" des "Armanen-Ordens" wieder einmal eine Zeremonie abgehalten. Brot und Äpfel werden geteilt, unverständliche Worte gemurmelt.

Einige Passanten quittieren die Aufführung am Fuße des Naturdenkmals mit Kopfschütteln. Der Aufzug wird aus einiger Entfernung auch von rund 30 Antifaschisten beobachtet. Sie verteilen Flugblätter, halten ein Transparent hoch.

Die "Armanen" verstehen sich als geistige Führer der Germanen. Der "Orden" gilt nach Informationen der LZ als Lieferant für wichtige Argumentationsmuster der militanten rechtsextremen Szene. Zu den bekanntesten Anhängern gehört in dieser Region der Vorsitzende der verbotenen Nationalistischen Front (NF), Meinolf Schönborn. Er ließ sich beim "Herbstthing" durch NF-Mitglieder vertreten.

Kurz nach 14 Uhr wird die braune Gruppe durch laute linke Parolen "Armanen und NF. Hier ist ein Faschisten-Treff" aufgeschreckt. Die unliebsamen Besucher, die die Öffentlichkeit sichtlich scheuen, verlassen ihre Kultstätte in Windeseile und gehen durch den Wald zum Parkplatz zurück.

Die jungen Antifaschisten sind einerseits froh, dass der jüngste Spuk durch ihre spontane Kundgebung schnell beendet werden konnte. Andererseits wissen sie aber, dass auch weiterhin Wachsamkeit geboten ist, weil es an den Externsteinen spätestens bei den Sonnenwendfeiern wieder rundgehen wird.

Mit ihrem Flugblatt haben die jungen Leute Passanten an die Bedeutung der Externsteine für die Nationalsozialisten erinnert und auf den aktuellen Bezug für Rechtsextremisten hingewiesen. Abschließend fordern sie, "die Externsteine als Ausflugsziel und nicht als Treffpunkt für Neonazis zu erhalten".

Bildunterschrift: Horn-Bad Meinberg / Holzhausen-Externsteine: Vertrieben an Allerheiligen eine Abordnung des "Armanen-Ordens": junge Antifaschisten aus der Region. In Flugblättern wurde darauf hingewiesen, dass die Externsteine noch immer als eine Art Wallfahrtsort für Rechtsextremisten gelten.


detmold@lz-online.de

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