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Neue Westfälische 06 - Schloß Holte-Stukenbrock , 20.09.2011 :

Abschied nach 69 Jahren / Aleksej Krasnoborzew erstmals am Grab des Vaters

Schloß Holte-Stukenbrock (me). Aleksej Romanowitsch Krasnoborzew kneift die Augenlider fest zusammen. Dann presst er ein Taschentuch vor sein Gesicht. "Meine Suche hat 69 Jahre gedauert", sagt Krasnoborzew. "Jetzt bin ich angekommen", erzählt der mittlerweile 79-Jährige gestern beim Besuch der Dokumentationsstätte Stammlager (Stalag) 326 in Stukenbrock-Senne, dem Ziel einer langen Reise.

Wo Roman Krasnoborzew seine letzte Ruhe fand, ob er überhaupt ein Grab erhalten hat, hat die Familie im russischen Orenburg jahrzehntelang nicht erfahren. Aleksej Romanowitsch Krasnoborzew war neun Jahre alt, als sein Vater Roman damals verschwand. Seitdem hat ihn dessen Schicksal nicht mehr losgelassen. "Ich habe meiner Mutter damals versprochen, das Grab meines Vaters zu finden", erzählt er. Und 69 Jahre später hat er sein Versprechen eingelöst. So steht Aleksej Romanowitsch Krasnoborzew nun zum ersten Mal an dem Grab in Reihe 18 auf dem Sowjetischen Ehrenfriedhof an der Grenze zum Truppenübungsplatz. "Ich bin erleichtert. Von mir fällt eine schwere Last ab", sagt Krasnoborzew. Durch ungezählte Akten des sowjetischen Militärs hat er sich im Laufe seines Lebens geblättert, Hunderte von Briefen mit Ämtern und Behörden in der Heimat gewechselt, zahlreiche Anfragen bei Suchdiensten gestartet. Doch die Suche nach dem Sergeant der sowjetischen Armee blieb ohne Erfolg. Lange Zeit schien es, als wäre Roman Krasnoborzew vom Erdboden verschluckt. Erst eine Anfrage der Orenburger Gebietsgesellschaft der Russlanddeutschen "Wiedergeburt" beim Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes brachte im vergangenen Jahr den entscheidenden Hinweis: Roman Krasnoborzew war am 24. Dezember 1942 im Stalag 326 gestorben. Als 14.707. Toter des Lagers wurde er in einem Massengrab beerdigt.

Aleksej Romanowitsch Krasnoborzew investierte vier Monatsrenten und nahm den beschwerlichen Weg in die Senne auf sich. "Die Strapazen haben sich gelohnt. Ich bin am Ziel einer langen Reise angekommen", sagt der 79-Jährige. Der Grabstein des Vaters trägt zwar keinen Namen, "aber ich weiß endlich, wo er begraben ist".

Bildunterschrift: Die Hände gefaltet: In Gedenken an seinen Vater Roman hält Aleksej Romanowitsch Krasnoborzew für einige Augenblicke inne.


lok-red.bielefeld@neue-westfaelische.de

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