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Mindener Tageblatt , 29.06.2004 :

"Widerstand gab es auch hier in Minden" / Heute Demonstration des Friedensplenums

Minden (mt). Widerstand war auch lokal - darauf wird das Mindener Friedenplenum heute mit einer Demonstration vor dem Preußen-Museum hinweisen.

Am Beispiel von 62 Menschen wird heute ab 19 Uhr vor dem Preußen-Museum gezeigt, dass Widerstand im Zweiten Weltkrieg vielfältig und auch lokal war. Nach Angaben des Friedensplenum-Sprechers Bernd Brüntrup konnten für den Altkreis Minden bisher 30 Verfahren wegen Fahnenflucht dokumentiert werden, 16 Mal sind Wehrmachtsjustiz und Polizei gegen Soldaten tätig geworden, die sich vom Standort "unerlaubt entfernt" hatten. Sechzehn weitere Fälle sind bisher bekannt, in denen Feldgerichte, Volksgerichtshof und Sondergerichte wegen "Wehrkraftzersetzung" ermittelten. In vier Fällen sind vollstreckte Todesurteile nachweisbar.

Gegen diesen Widerstand von unten werde teilweise abfällig angeführt, diese Menschen hätten "doch nur ihr eigenes Leben retten" wollen. Brüntrup: "Dieses Argument ist nicht stichhaltig." Der Mindener Arbeiter Paul Flechsig beispielsweise wurde wegen seiner Äußerung "Der Krieg ist verloren, Hitler kann auch nichts mehr machen" 1944 mit dem Fallbeil hingerichtet. Flechsig hatte privat mit Kollegen der Firma Lehzen diskutiert und war denunuziert worden. Viele weitere Namen und Beispiele werden heute abend zwischen 19 und 19.30 Uhr zu sehen und auf Transparenten lesen sein. Die Mitglieder des Friedensplenums wollen dann den lokalen Widerstand der kleinen Leute dokumentieren.

Ihr Anliegen auch: Darauf hin zu weisen, dass nicht nur der Widerstand der Offiziere erinnerungswürdig ist, sondern dass auch kleine Leute in ihren Bestrebungen beachtet werden müssen. Auch Soldaten, die keinen organisierten Widerstand leisteten und keine eindeutige Haltung gegen das Regime oder den Krieg einnahmen, hätten geholfen, den Massenmord abzukürzen, "indem sie sich im günstigen Augenblick in die Büsche schlugen oder wahnwitzigen Nerobefehlen" offen oder versteckt den Gehorsam verweigerten, so das Friedensplenum.

Anlass der Demo ist der Vortrag von Professor Mommsen im Zusammenhang mit der zur Zeit im Preußenmuseum laufenden Ausstellung über den "Aufstand des Gewissens" und den versuchten Stauffenberg-Putsch. Thema des Vortrags, der um 19.30 Uhr beginnt: "Der 20. Juli 1944 - politische Zielsetzungen und moralische Beweggründe der Verschwörung gegen Hitler."


mt@mt-online.de

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