www.hiergeblieben.de

Warburger Zeitung / Neue Westfälische , 06.05.2004 :

"Vergesst uns bitte nicht!" / Israelreise der Landvolkshochschule Hardehausen

Hardehausen. "Ihr wollt doch unter diesen Umständen nicht nach Israel fahren?!" - Alle 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Reise der Landvolkshochschule Hardehausen bekamen im engeren und weiteren Bekanntenkreis wohl etliche Male diese Frage in einem unterschwelligem Ton des Vorwurfs gestellt, wenn sie davon erzählten, die Kar- und Osterwoche im Heiligen Lande verbringen zu wollen.

Der Garten Gethsemane, die Via Dolorosa, die Grabeskirche - die Stätten des Leidens Jesu sind für Hunderttausende Jahr für Jahr sehnsüchtiges Ziel von Pilger- oder Urlaubsreisen. Doch Terror und Gewalt schüren Ängste vor der Reise ins Heilige Land. Wohlbehalten sind alle inzwischen zurückgekehrt.

Die Pilgerreise war in vielerlei Hinsicht ein Erlebnis.

Allen Befürchtungen und Ängsten zum Trotz verlief sie ausgesprochen positiv. Pünktlich erreichte die Reisegruppe Jerusalem und konnte sich noch in die Palmsonntagsprozession einfädeln und den festlichen Abschluss mit der Ansprache des Lateinischen Patriarchen Michael Sabbah erleben.

Der Besuch in Bethlehem ließ sich organisieren. Mit Pater Johannes, dem Guardian des Franziskaner-Klosters in Bethlehem, wurde ausführlich die Situation der Christen in der Westbank besprochen.

Die Palästinenserin Professor Dr. Sumaya Farhat-Naser stand in Rama (unweit von Ramallah) Rede und Antwort. Die Fahrt nach Jerusalem war ihr nicht erlaubt worden. Die näheren Umstände aller Besuche riefen eine ausgesprochene Sensibilität für die politische Situation, insbesondere die Lage der Christen im Lande, hervor. Fassungslos stand die Reisegruppe vor der Mauer im Westjordanland, die immer mehr einschnürt und einzelne Dörfer völlig isoliert.

"Notwendig bleibt, auch die Situation der Israelis zu sehen. Es sind Palästinenser, die wahllos Zivilbevölkerung terrorisieren und insbesondere vor jeder neuen Absprache ein Miteinander verhindern möchten. Scheich Yassin und der ebenfalls ermordete Rantisi sind Beispiele kompromissloser Ablehnung jedes Gedankens an zwei Staaten.

Die Christen unter den Palästinensern stehen unter einem deutlichen Druck, sich als noch entschiedenere Palästinenser herauszustellen.

Auch Dr. Johannes Gerster, Leiter mehrerer Projekte der Adenauer-Stiftung, kann aufgrund langjähriger Erfahrungen israelische und palästinensische Einseitigkeiten benennen. Die Vertracktheit liegt offensichtlich darin, dass auf beiden Seiten grobe politische Fehler gemacht werden.

Deutlich ist allenthalben zu spüren, dass Terror nicht mit Gewalt beseitigt werden kann. Doch wer startet einen neuen Anfang?", so die Landvolkshochschule.
In diesem Spannungsgeflecht gewannen die Kar- und Osterliturgien eine ganz neue Aussagekraft. Bei den Begegnungen versicherten die Gesprächspartner: "Gut, dass ihr gekommen seid. Kommt regelmäßig. Vergesst uns in dieser Situation bitte nicht!"


lok-red.warburg@neue-westfaelische.de

zurück