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stern , 18.03.2004 :

Die Intelligenz-Bestie / Angeklagt: Till-Hauke Heldt, 32

Er kommt aus gutem Hause, ist überdurchschnittlich begabt - und soll drei Menschen ermordet haben. Das letzte Opfer wollte der junge Familienvater und Sadomasochist in einem Ofen verbrennen.

Von Werner Schmitz

Er hieß Sanjib Kumar Shrestha, aber die Leute nannten ihn einfach Shiva. Aus Nepal war er 1995 nach Deutschland gekommen, hatte in Bielefeld Asyl beantragt und hauste in einem Flüchtlingsheim. Shiva war 21 und verliebt in Martina, die er in einer Disco kennen gelernt hatte. Shiva schrieb ihr Liebesbriefe. Einmal schliefen sie miteinander. Was er nicht wusste: Martina gehörte zu einer Clique Rechtsradikaler, war mit deren Anführer liiert. Dem beichtete sie ihre neue Liebe.

Am 18. Dezember sollte Shiva Martina treffen. Ein Bekannter seiner Freundin hatte ihn zum Bahnhof nach Oelde bestellt. Shiva borgte sich eine schicke Jacke, machte sich auf den Weg. Er kehrte nie zurück. Seine Mitbewohner erstatteten Vermisstenanzeige, aber niemand vermissteSanjib Kumar Shrestha wirklich. Sechs Jahre später fand man Shivas Leiche, eingewickelt und mit Steinen beschwert in einem Baggersee bei Ganderkesee. Sie war nur noch ein Knochenpaket.

Fremdenfeindlichkeit und Eifersucht trieben Heldt zur Tat

Der Schwurgerichtssaal der Freien Hansestadt Bremen hat schweres Eichengestühl, düstere Wände und eine hochragende Richterbank. Seit August 2003 hockt Till-Hauke Heldt hier auf der Anklagebank. Der Mann, der einmal Häuptling der Rechtsradikalen aus Halle in Westfalen war. Der behauptet, zu jener Zeit für den Verfassungsschutz gespitzelt zu haben. Aus Vaterlandsliebe.

Dunkelblonde Fransen fallen Heldt in die Stirn, die Strickjacke beult an den Ärmeln. Wie ein verbummelter Student erscheint der 32-Jährige. Er schreibt unaufhörlich mit, was die Zeugen aussagen. Redet auf seine beiden Verteidiger ein. Wirft seiner Frau verliebte Blicke zu. Lässt sich von seinem Schwiegervater, einem angesehenen Bremer Hotelier umarmen.

Seinen Mitangeklagten meidet Heldt. Mit Tim Schüler, der einmal sein bester Freund war, streitet er um die Schuld am gewaltsamen Tod von drei Menschen. Denn Shiva blieb nicht das einzige Opfer. Drei Tote in sechs Jahren. Umgebracht von zwei klugen jungen Männern aus gutem Hause. Davon ist die Bremer Staatsanwaltschaft überzeugt, die Heldt und Schüler des Mordes angeklagt hat.

In eine Arztfamilie aus der Gütersloher Gegend wurde Till-Hauke Heldt 1971 geboren. Der Vater praktizierte als Allgemeinmediziner, die Mutter arbeitete als Betriebsärztin. Heldt beschreibt seine Kindheit als Albtraum hinter bürgerlicher Fassade. "Mein Vater war begeistert von den Nazis." Der Mediziner habe sich für die Todesstrafe, ja für öffentliche Hinrichtungen ausgesprochen.

Entsprechend wurden die Kinder erzogen. Wer bei Tisch nicht gerade saß, bekam einen Besenstiel unter die Kleider gesteckt. Wer ein Glas umstieß, musste aus der Küche den Holzlöffel holen und vor dem Vater die Hosen runterlassen. Die Schlagzahl erhöhte sich, wenn das Kind weinte. Zur Bestrafung wurde Till-Hauke ins Arbeitszimmer bestellt und musste stumm warten, bis der Vater Zeit fürs Prügeln fand. Die Mutter schwieg zu alledem.

Um den Vater zu gefallen, trainierte Till-Hauke auf dem Rad, gewann Skimeisterschaften. Der Alte genoss die Siege, aber als der Junge bei einer Bergtour höhenkrank wurde, ließ ihn der Vater zurück.

In der Pupertät begann Till-Hauke aufzubegehren. Mit einem Irokesenschnitt brachte er den Alten zum Toben. Er weigerte sich, zur Konfirmation zu gehen. Die Werte des Vaters - Treue, Ehre, Stolz - hatten sich ihm dennoch eingebrannt. Statt von links gegen den Mann aus der HJ-Generation zu rebellieren, machte sich Heldt auf nach rechts, nahm an Treffen der Nationalistischen Front teil, hing mit Skinheads in rechten Kneipen ab.

Wohl fühlte sich Heldt in einer Gruppe von rechten Jugendlichen, die aus "vernünftigen Familien" stammten, wie er heute sagt. Schnell übernahm er die Rolle des Rudelführers. Baseballschläger, Reizgas und Leuchtmunition wurden angeschafft und gegen linke Jugendliche eingesetzt. Ausländern lauerten sie auf und jagten sie durch die Stadt. "Widerworte gegen Till gab es nicht in der Gruppe", berichtet Martina als Zeugin im Bremer Mordprozess. "Es war klar, dass er der Schlaueste ist." Der psychologische Gutachter, der Heldt auf seine Schuldfähigkeit untersuchte, stellt den hohen Intelligenzquotienten von über 135 und ein stark erhöhtes Dominanzbedürfnis fest. Zielstrebig bis rücksichtslos sei Heldt, der Konfliktdruck impulsiv an anderen abreagiere.

Aus der Versicherung des Opfers wollten sie gut zwei Millionen kassieren

Diesem rechten Dominator gestand seine Freundin Martina, sie habe ein Verhältnis mit einem nepalesischen Asylbewerber. Heldt rastete nicht aus. Aber wenig später wusste er eine Menge über Shiva, präsentierte Martina sogar ein amtliches Schreiben über den Status des Flüchtlings. Dann verschwand Shiva.

In einem weißen Ford Sierra entführten Heldt, Tim Schüler und ein Komplize den schmächtigen Asylanten. Fuhren über Land, hielten an einer einsamen Stelle, um Shiva zur Rede zu stellen. Der Nepalese versuchte zu fliehen. Die drei Entführer holten ihn ein und brachten ihn ins Auto zurück. Heldt fesselte seinen Nebenbuhler mit Paketband, knebelte und würgte ihn, während seine Kumpel von draußen die Türen zuhielten, sagt die Staatsanwaltschaft. Mit einer brennenden Zigarette habe Heldt sein Opger gequält und dann getötet, berichtet Schüler bei der Polizei.

Heldt wiederum gibt Schüler die Hauptschuld. Alle drei Entführer hätten Shiva reihum gewürgt. "Jeder hat mal sein Glück versucht", sagt er. Aber am Ende habe der dritte Mann auf Schülers Befehl den Nepalesen umgebracht. Schüler, hinter dem das organisierte Verbrechen stecke. Schüler, der ihn von da an in der Hand gehabt habe. Außer Heldts Verteidigern mag das niemand wirklich glauben. "Aus Eifersucht und Fremdenfeindlichkeit" habe er Shiva ermordet, so die Anklage. Gegen den dritten Mann, der im Prozess als Zeuge geladen ist, wird noch nicht verhandelt.

Tim Schüler ist ebenso intelligent wie Heldt, kommt aus derselben Schicht: der Vater Kapitän, die Mutter Fremdsprachenkorrespondentin. Ansonsten ist der 33-Jährige das komplette Gegenteil seines Mitangeklagten. Smart sitzt er auf der Anklagebank, dunkelblauer Blazer zum hellblauen Hemd. Sein schmales Gesicht ist glatt rasiert, das schwarze Haar keinen Zentimeter zu lang. Schüler lächelt gern.

"Eine einmalig schöne Kindheit" habe er verbracht, erzählt er dem Gutachter. Die weltoffene Familie lebte zeitweise in Afrika. Anschließend ging Tim zur Waldorfschule. Nach dem Abitur begann er ein Betriebswirtschaftsstudium. "Schnell reich werden" war seine Devise. Nach drei oder vier Semestern war Schluss mit BWL. Schüler stürzte sich in Geschäfte, importierte fehlerhafte Handtücher aus der Türkei und verscherbelte sie an Sonderpostenhändler und ans Rote Kreuz. Einen Eisstand eröffnete er in Bremen, ein Fast-Food-Restaurant in Düsseldorf. Mit einer eignen Fresskette wollte er gegen McDonald's antreten. Alles Flops.

Anfang 1995 lernte Schüler Till-Hauke Heldt kennen. Der abgebrochene BWLer wollte einen Kettenbrief starten, und Heldt hatte das Startkapital. Das Immobilienvermögen seiner Mutter, das er verwaltete, gibt Heldt mit 15 Millionen Mark an. Schüler und Heldt gründeten die Domino 2000 Datenverwaltungs GmbH.

"Nur der kann gewinnen, der ganz oben steht und alles inszeniert", erklärt Heldt Sinn und Zweck des Kettenbriefes. Ein Satz, der zu ihm passt. Schülers typischer Charakterzug, so der psychologische Gerichtsgutachter, sei "ausgeprägte Nachgiebigkeit gegenüber anderen".

Sadomaso im eigenen Puff, zu Hause Familienidyll mit Frau und Kindern

Gemeinsam heckte das Paar weitere Gaunereien aus. Versicherungsbetrug mit Computerteilen, Umsatzsteuerkarussells, Telefontricksereien zulasten der Telekom. Ende 1995 entstand ein tödlicher Plan: Reinhard Wojciechowski, erfolgloser Handelsvertreter aus Bremen und Kunde Heldts, sollte zum Schein bei einem Badeunfall im Ausland ertrinken und nie wieder auftauchen. Jedenfalls nicht unter seinem wirklichen Namen. Taucher sollten ihn unter Wasser in Empfang nehmen und ihn in die Karibik schaffen, machte Heldt Wojciechowski weiß. Kurz vor seinem mysteriösen Ableben würde Wojciechowski noch eine Lebensversicherung über 2,4 Millionen Mark abschließen. Begünstigter: Till-Hauke Heldt.

Wojciechowski glaubte den Quatsch und die Allianz-Versicherung, dass der abgebrannte Handlungsreisende einen monatlichen Beitrag von 3000 Mark aufbringen könnte. Zum 1. Januar 1996 beantragte Wojciechowski die Risikolebensversicherung. Am 4. März wurde sie mit der Übergabe der Police wirksam. Am Morgen des 7. März fand man Reinhard Wojciechowskis Leiche auf einem Parkplatz an der Bremer Uni. Der 47-Jährige war mit zwei Kopfschüssen exekutiert worden.

Heldt geriet sofort in Verdacht. Aber er wies ein Alibi vor, das allen Überprüfungen standhielt. Gemeinsam mit Tim Schüler war er am Tattag in einem gemieteten BMW 728 i nach Köln gefahren, hatte eine alte Freundin besucht und mit ihr im Hotel übernachtet. Schüler, der sich nicht wohlfühlte, schlief im Apartment der Freundin. Sagte er der Polizei.

Am nächsten Morgen fuhren die beiden weiter nach Luxemburg, um Bankgeschäfte zu regeln. Zwar konnten die Reisenden der Polizei nicht glaubhaft erklären, wie die 600 überzähligen Kilometer auf den Tacho des fabrikneuen Mietwagens gekommen waren. Aber für eine Anklage wegen Mordes reichte der Verdacht nicht aus, zumindest einer von beiden sei nachts nach Bremen zurückgekehrt, um Wojciechowski zu töten.

Heldt kassierte von der Allianz 190.000 Mark aus der vorläufigen Deckungszusage. Den Rest verweigerte ihm die Versicherung, weil Wojciechowski die Police dummerweise in der Allianz-Agentur deponiert hatte. Und die Versicherung behauptete wahrheitswidrig, der Tote habe die Urkunde noch nicht erhalten.

Eineinhalb Jahre nach Wojciechowskis Tod lernte Till-Hauke Heldt seine spätere Frau kennen, seine Krankengymnastin. 1989 war sein Rennrad von einem Auto erfasst worden, Heldt wurde schwer verletzt. Eine Querschnittslähmung drohte, aber der Patient wollte ein Leben im Rollstuhl nicht akzeptieren. Nach einem Jahr in der Reha konnte er wieder stehen. Mit winzigen Schritten begann er zu laufen, bis er fast völlig wiederhergestellt war. Es blieben ein fast tauber Fuß, Sensibilitätsstörungen im linken Bein und im Genitalbereich.

Mitte der neunziger Jahre, als Shiva erwürgt und
Wojciechowski in den Kopf geschossen wurde, begann Heldt, sadomasochistischen Sex zu praktizieren. Er in der Rolle des Meisters: "Ich habe niemanden getroffen, weder Frau noch Mann, der die Stärke aufbrachte, mich zu führen."

"Eric" nannte Heldt sich in den bizarren Rollenspielen, für die er eigens ein Haus anmietete. Was er dort trieb, nennt Heldt "die Begegnung mit dem Herrn". Fesselungen, Bestrafungen, Erniedrigungen. Vieles erinnert an die Behandlung, die der kleine Till-Hauke durch seinen Vater erfuhr. Zur Züchtigung schwang "Eric" eine neunschwänzige Peitsche.

Sex im engeren Sinne sei das nicht gewesen, sagt Heldt, eher eine Fortsetzung seiner Suche nach "Treue und Ehre". Für den Gutachter ging es ihm allerdings um das Ausfüllen innerer Leere und die Kompensation genitaler Minderwertigkeit.

Heldts Traum war eine "SM-Welt" mit permanentem Rollenspiel, in das sich zahlende Kunden jederzeit einklinken können sollten. Ein Turmzimmer würde es darin geben, mit einem als Thron verkleideten elektrischen Stuhl. Der Plan sei ihm "eine Herzensangelegenheit" gewesen, sagt Heldt. Leider sei er nie verwirklicht worden. Stattdessen eröffnete Meister "Eric" einen stinknormalen Puff. Seine spätere Frau hatte dafür ein ehemaliges Asylantenheim an der Waller Heerstraße gekauft. In acht Zimmern schafften Prostituierte an, im Keller bot "Lady Donja" ihre SM-Dienste an.

Dort arbeitete ab 1998 auch Yvonne Polzin, eine psychisch labile junge Frau. Yvonne verliebte sich in ihn, wurde, um ihm zu gefallen, Prostituierte und bot als einzige Frau in Heldts Puff Analverkehr an. "Sie hat fantastisch gearbeitet, weil sie in mich verliebt war", sagt Heldt. Er war fasziniert von der "totalen Unterordnung bis zur Selbstaufgabe" und behandelte Yvonne "wie Dreck".

Daheim bei Weib und Kind lief das Kontrastprogramm. Zwar hatte Heldt seine Frau anfangs auch in Rollenspiele einbezogen. Interessiert nahm das Gericht Fotos in Augenschein, die sie nackt in einem Interregio-Zug zeigen, mit Handschellen an die Gepäckablage gefesselt. Mehr und mehr machte Heldt zu Hause aber auf heile Welt. Einen Sohn hatte seine Frau mit in die Ehe gebracht, zwei gemeinsame Kinder kamen hinzu, denen er ein liebevoller Vater war. Auch mit den Schwiegereltern verstand sich Heldt bestens. Vor der Hochzeit hatte er sie gebeten, ihren Namen annehmen zu dürfen.

In dieses Paralleluniversum platzte Yvonne Polzin. Sie schellte an der Tür. Heldts Frau öffnete, Heldt flippte aus. In Yvonnes Auftauchen sah er einen "absoluten Tabubruch". Heldt schaffte die Frau weg. Nach Nordrhein-Westfalen, wohin sein Komplize Tim Schüler inzwischen gezogen war. Schüler besorgte Yvonne eine Bleibe und setzte sie unter falschem Namen für neue Betrügereien ein. Als er für drei Monate in U-Haft kam, stand Yvonne vor dem Nichts und wandte sich wieder an Heldt. Gegen ihn habe sie "noch ein Ass im Ärmel", erzählte sie einer Bekannten.

Möglicherweise versuchte sie, den "Meister" mit ihrem Wissen über seine SM-Aktivitäten zu erpressen oder sie verlangte Geld für ihre Rolle als Strohfrau in kriminellen Geschäften. Vielleicht wollte sie aber auch nur "geliebt" werden.

Heldt aber wollte sie weghaben. Rückstandsfrei. Er entwarf einen Verbrennungsofen, zeichnete Skizzen, schrieb Materiallisten. Von einem Klempner ließ er das Ungetüm bauen, groß genug, um einenMenschen darin zu verbrennen. Dem irritierten Handwerker erzählte er, das Ding sei für einen Bekannten.

Anfang September 2001 lud er den Ofen in einen Kleintransporter und fuhr Richtung Osten. Auf dem Beifahrersitz: Yvonne Polzin. Ein romatisches Wochenende hatte er ihr versprochen, gleich zwei abgelegene Ferienhäuser in Mecklenburg dafür angemietet. Dort angekommen, wuchtete Heldt sein Krematorium aus dem Lieferwagen, hebelte es auf das Gestell, schloss Abgasrohr und Brenner an. Aber das Monstrum funktionierte nicht. In hektischen Telefonaten mit dem Klempner versuchte Heldt, die Störung zu lokalisieren. Es fehlte eine Düse, die er erst am nächsten Tag bei einem örtlichen Installateur kaufen konnte. Heldt wuchtete den Ofen ins Auto zurück und ging ins Schlafzimmer. Dort wartete Yvonne. Auf seinem Bett hatte sie aus Süßigkeiten ein Herz geformt. In des Herzens Mitte lag ein Zettel mit der Aufschrift "Ich liebe Dich". Der Geliebte schlief vor Erschöpfung ein.

Am nächsten Morgen bat er Tim Schüler um Hilfe. Wobei, sagte er nicht. Schüler zögerte, aber bei einem zweiten Anruf sagte er zu. Heldt kaufte inzwischen die fehlende Düse und baute sie ein. Der Brenner funktionierte. Der Tüftler war darüber "sehr glücklich und fühlte sich schon als Sieger". Als sein Freund spätabends aus Düsseldorf eintraf, erklärte er Schüler, worum es ging. Gemeinsam bauten die beiden den Ofen zusammen und zündeten ihn. Nach zwei Minuten versagte der Brenner den Dienst. Heldt rief abermals den Klempner an. Der empfahl, wegen der Sauerstoffzufuhr die Tür offen zu lassen. Das half. Heldt ging ins Haus und tötete Yvonne Polzin.

Wegen der Leichenteile schöpfte der Klempner Verdacht und rief die Polizei

Auf einem Leiterrost trugen er und Schüler die Leiche zum Ofen, schoben sie hinein und starteten den Brenner. Ohne Erfolg. Die ganze Nacht über telefonierte Heldt mit dem Klempner. Der riet zu mehr Wärmedämmung.

Am nächsten Morgen kauften Heldt und Schüler im Baumarkt Dämmplatten. Da die Zeit drängte, entschlossen sie sich, die Verbrennung am hellichten Tag fortzusetzen. Bald setzte der Brenner immer öfter aus, schwarzer Rauch quoll aus dem Ofenrohr. Aus Angst vor Entdeckung löschten sie das Feuer und entschlossen sich, den unverkohlten Teil der Leiche zu zerkleinern. Sie kauften Winkelschleifer, Trennscheiben, Beil und Fleischwolf.

Als die letzten Fleischstücke mit dem Beil in den Boden getrieben waren, fuhr Schüler zurück nach Düsseldorf. Heldt traf sich in der Ferienwohnung noch mit einer alten Bekannten aus dem Osten, deren Besuch er aus Alibi-Gründen vorher eingeplant hatte. Erst danach kehrte er im Lieferwagen zurück nach Bremen. Krematorium und Leichenreste im Gepäck.

Der Klempner sollte beim Entsorgen des Ofens helfen. Wegen des Gestanks und der Leichenrückstände schöpfte er Verdacht. Die Polizei wies ihn mit seiner abenteuerlichen Geschichte zunächst ab. Erst im zweiten Anlauf glaubte sie ihm und begann zu ermitteln. Als Heldt davon Wind bekam, setzte er sich aus Bremen ab. Er besprach sich mit Zeugen, versuchte, seine Verteidigungsposition aufzubauen. Dann suchte er seinen Anwalt auf. Nach einem langen Gespräch mit dem Juristen stellte er sich in dessen Kanzlei der Polizei. Von Stund an behauptete Heldt, nicht er, sondern Schüler habe Shiva, Wojciechowski und Yvonne Polzin umgebracht.

Das Landgericht Rostock, vor dem im vergangenen Jahr nur der Fall Polzin verhandelt wurde, nahm Heldts Einlassungen auseinander. Der Mann, der sich auf seine Intelligenz so viel einbildet, wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Tim Schüler bekam wegen Beihilfe sieben Jahre.

Im Bremer Schwurgerichtsprozess, der nun kurz vor dem Abschluss steht, ist Heldt wegen der Morde an Shiva und Wojciechowski angeklagt. Im Falle Wojciechowski gemeinsam mit Schüler, der geschossen haben soll. Nach dem bisherigen Prozessverlauf würde es nicht wundern, wenn der Schwurgerichtsvorsitzende Harald Schmacke, den sie in Justizkreisen ob seiner freundlichen Verhandlungsführung, aber strengen Urteile "das lächelnde Fallbeil" nennen, beide zu lebenslänglicher Haft verurteilte.


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